toco + politik   198

politische radreisen - radeln im dreiklang
website vpn thomas handrich zu politischen bildungsreisen in verbindung mit radtouren.
politics  Politik  sport  Reisen  reise  tourismus  bildung 
february 2012 by toco
politische radreisen - radeln im dreiklang
bildungsfahrten für laib, seele und verstand. politische radtouren durch die pfalz und anderen spannende regionen.
hier gibt es weitere informationen zu vergangenen und kommende reisen. dazu aktuelles und empfehlungen.
politik  urlaub  reise  radsport  tourismus  bildung 
december 2011 by toco
Im Herzen die Weißeste von Allen
Die Autorin Noah Sow wurde zu einer Lesung in Fulda eingeladen. Die Organisatorin, Mitglied in der Grünen Jugend und von Sow als im “antifaesken Look”gekleidet geschildert, versteht die Abkürzung PoC nicht und reagiert auf die Empörung, die Sow äußert, als diese in dem Café, in dem gelesen werden soll, eine (in der Tat geschmacklose) Mohrenfigur sieht, mit den Worten: “Das können wir doch lösen. Ich kannte ja das Café vorher gar nicht.”
(Ein Bild des Mohren ist verlinkt in Sows Blog mit den Worten “Achtung; Bild nicht gewaltfrei”).

Sow weigert sich daraufhin, die Lesung zu absolvieren. Über diesen Skandal berichtet die Feministin und Bloggerin (Mädchenmannschaft) Nadine Lantzsch. In einem offenen Brief an die Veranstalter schreibt sie:

“Ich bin entsetzt darüber, dass Sie die Dreistigkeit besitzen, eine PoC in einen weißen Raum einzuladen, in dem sie es sich neben kolonialrassistischen “Raumverschöner_innen” gemütlich machen und ein (wahrscheinlich) mehrheitlich weißes Publikum darüber aufklären soll, was Rassismus ist. Das bodenlose Fass könnte nicht größer sein, wird leider aber noch übertroffen von den gewaltvollen wie übergriffigen Reaktionen und der Supremacy-Haltung, denen sich Noah Sow bei Betreten des Raumes in Gegenwart einer der weißen Organisator_innen ausgesetzt sah.”

Das schlägt der Fäss_in doch die Böd_in aus! Die Reaktion der jungen Grünen war ein gewaltvoller Übergriff, nein Entschuldigung: eine Übergriff_in!

Wer ist der bessere Mensch in diesem titanischen Kampf der politisch korrekten Geisteselite: Antifa-Frau oder PoC-Schriftstellerin, linker ASTA oder die Feministin?

Im März 2009 war Nadine Lantzsch bei mir zu Besuch und wir haben gemeinsam einen Podcast gemacht.
Im Vorgespräch hatte sie gesagt, sie würde sich gern “über Linke aufregen”. Während des Podcasts sagte sie dann auf die Frage, was sie denn gegen Linke habe: “Ich finde die irgendwie hohl. Ich weiß auch nicht.” (etwa ab Minute 9)
Linkssein definierte Lantzsch im Folgenden als “Steinewerfen für den Weltfrieden”, was sie “irgendwie diffus” fand.
Sie beklagte dann, dass Linke sich in jede Form von Protest hineindrängen und die Ziele dieses Protests damit deligitimieren würden, denn: “Deren Ziele sind so weit weg von der Realität, dass man damit niemals die bürgerliche Mitte erreichen kann, die dann wirklich was ändern kann.”
So weit, so irgendwie. Es war ein irgendwie diffuser Podcast mit einer irgendwie diffus unpolitischen jungen Frau, die halt in erster Linie jung war.

Heute allerdings ist Nadine Lantzsch hochsensibilisiert. Ihr innerer Geigerzähler schlägt nicht nur bei subtilsten Sexismen zuverlässig aus, auch für Rassismus ist sie innerhalb der vergangenen zwei Jahre durch ihr Studium der Gender- und Diversitiy-Kompetenz Expertin geworden.

Man kann in zwei Jahren zweifelsohne eine Menge lernen, und nichts, was sie heute schreibt, ist allein schon dadurch diskreditiert, dass sie vor zwei Jahren eine reine Tor_in war. Und doch ist der Konvertitenfuror das, was ihre Texte so unerträglich macht. Es gibt in ihrem Denken keine Gelassenheit, keine Freundlichkeit, keinen nach vorne gerichteten Enthusisasmus. Alles ist Häme, jedes Wort ein nach oben gereckter Arm, der dem Mitschüler signalisiert: “Ich weiß was. Und du nicht.”
Da lädt jemand eine Autorin ein, hat das Café, in dem gelesen wird, vorher nicht untersucht, und kennt die Abkürzung des in Deutschland nicht besonders üblichen Begriffs People of Color nicht: und wird dafür hingestellt, als hätte sie das Dritte Reich mit Gaskammern beliefert.
Das ist ein Ichbinbesseralsdu-Wettbewerb, bei dem ich kotzen muss. Ich habe halt einen Privilegienpenis und bin weiß wie Schnee. Aber so weiß wie Lantzsch im Herzen ist, das werde ich wohl nicht mehr werden.

UPDATE:
Cigar Store Indian von Seinfeld muss da natürlich erwähnt werden.
Kultur  Politik  from google
october 2011 by toco
And the Winner is not …
… Dana! Die Iren haben ihre Stimmen bei der Präsidentschaftswahl abgegeben, heute beginnt die Auszählung, mit einem ersten Ergebnis wird frühestens am Samstag gerechnet. Und sehr, sehr vermutlich bleibt uns die – mit gewissem ESC-Blick versehen! – bizarrste Anekdote erspart: Rosemary Scallon, uns besser bekannt als Dana, erste irische ESC-Siegerin 1970, ist als Einzelkandidatin angetreten, nachdem alle großen Parteien sie nicht zu ihrer Lieblingsaspirantin ausrufen wollten. Es läge jetzt nahe, ihr viel Glück zu wünschen, und das gälte uneingeschränkt für das Showgeschäft, aber in politischer Hinsicht, nun ja, wäre eine Mehrheit für diese Politikerin gleichbedeutend mit einem katholisch-fundamentalistischen Erdrutschsieg. Denn Scallon mag zwar auf den ersten Blick damals süß und zart und irisch gewirkt haben, ja, man möchte ihr inzwischen sogar diese gewisse Adrettheit amerikanischer Vorstadthausfrauen attestieren, aber sie ist eine Wölfin im Schafspelz.

Dana gewann 1970 als erste irische Sängerin den Grand Prix.

Sie vertritt absolut illiberale Auffassungungen, ist gegen die Gleichberechtigung von Homosexuellen und dafür, dass Frauen, die abgetrieben haben, bestraft werden. Verhütungsmittel wie Kondome lehnt sie als antichristlich ab – und das alles zusammen genommen mit einem gehörigen Schuss Blindheit in sonstig politischer Hinsicht lässt mich nur sagen: Da kann sie noch so viel “All kinds of everything” in ihrem Wahlkampf versprechen, also etwas von allem, ein Sammelsurium mithin, nein, wählbar ist sie für ESC-Fans nicht. Mein Freund Paddy aus Cork lacht ebenso über sie wie eine Freundin aus Galway, die wiederum das Gesicht von Dana im Stile von Andy Warhol im Kunstunterricht ihrer örtlichen Volkshochschule gefertigt hat. Aber, nein, politisch sei sie nicht ganz bei Trost – und obendrein hat sie im kurzen Wahlkampf heftig und öfter gepatzt.

Mal musste sie sich gegen Vorwürfe verteidigen, sie habe einen Fall von Kindesmissbrauch im US-amerikanischen Zweig ihrer weitläufigen Familie vertuschen wollen; mal glaubte sie versprechen zu können, als Präsidentin von Irland würde sie ein Veto einlegen im Falle von missliebigen Entscheidungen auf EU-Ebene. Das aber stünde ihr als Oberhaupt des Landes nicht zu. Kurzum: Dana wird heute in Irland eine weitere politische Niederlage kassieren – und wir raten ihr somit: Kopf hoch, du legendäre ESC-Siegerin, aber wärst du doch bei deinen Leisten geblieben, hätten wir dich noch lieber in Erinnerung behalten.
Internationale_Künstler  Dana  Irland  Politik  from google
october 2011 by toco
Schnauze, Schmidt!
Helmut Schmidt toll finden ist einer der großen gemeinsamen Nenner unserer Zeit. Schmidt ist bis heute der Kanzler der Herzen, politisch dahin gemeuchelt auf auf dem Höhepunkt seiner Regierungszeit, ausgerechnet von Birne, der Witzfigur der 80er Jahre. Für meine Generation ist er eine Kindheitserinnerung wie Captain Future und “Moskau” von Dschinghis Kahn – irgendwie auch heute noch cool, etwas peinlich aber aus einer Zeit, wo wir noch Gut (Schmidt) und Böse (Kohl) auseinander halten konnten und alles seine Richtigkeit hatte.

Am 6. März 1983 gab es Neuwahlen. Das Datum weiß ich bis heute auswendig. Ich war 9 Jahre alt, durfte bis in die Puppen aufbleiben, lernte viel über Prozente und Sitzverteilung und wartete ungeduldig auf OTTO!!!, der für den Abend angekündigt war. Das konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt und die Neuwahlen ein paar Monate später waren das erste, was ich politisch bewusst wahrgenommen habe, auch wenn ich in meiner kindlichen Weltsicht im Verrat der FDP an der guten Sache einen Akt reiner Bosheit sah.

Vielen geht es ähnlich und viele verklären die Jahre zu einer goldenen Zeit, in der die Promis in Talkshows nur scheinbar klüger redeten als heute, dafür aber viel und öffentlich rauchten. Der Krisenmanager der Sturmflut von 1962 gehört nicht nur in dieselbe Ära wie Loriot, sondern ist auch ähnlich sakrosankt, was sein öffentliches Ansehen betrifft. Warum eigentlich? Dass Schmidt zur Katastrophenbekämpfung die Bundeswehr für Hilfsdienste im Innern einsetzte, wäre heute legal, war aber damals ein Verfassungsbruch, für den man Helmut Schmidt angesichts der Notlage freilich nicht verurteilen mag.

Schmidt tröstet. Wenn Ronald “Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen” Pofalla zu Wolfgang Bosbach über das Grundgesetz sagt „Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe.“, ist das zwar – gerade auch wegen des Anlasses (Fraktionszwang) – vulgär, aber dank Schmidt Schnauze eben nicht wirklich neu und kein Grund zur Beunruhigung. 1958 warf die SPD Schmidt aus dem Fraktionsvorstand, weil der pflichtbewusste Militarist, der bis 1945 seinem damaligen Führer noch als Oberleutnant diente, lieber als Hauptmann der Reserve an einer Wehrübung teilnahm statt an den Fraktionssitzungen. 16 Jahre später erlaubte man ihm das Regieren und er sorgte via Nato-Doppelbeschluss dafür, dass atomare Kurz- und Mittelstreckenraketen in Deutschland stationiert wurden, deren Einsatz nicht nur Polen und die DDR sondern auch gleich noch die westliche Hälfte Deutschlands unbewohnbar gemacht hätte, ohne dass es dafür noch eines sowjetischen Gegenschlages bedurfte. Die einst friedensbewegten Grünen schuldeten ihrem Geburtshelfer viel Dankbarkeit.

Aber das war damals – wo steht er eigentlich heute? Und so als Ökonom? Der alte Keynesianer, der in den 70ern gesagt haben soll, ihm seien 7% Inflation lieber als 7% Arbeitslosigkeit, hat sich um 180 Grad gedreht. Er steht voll hinter der neoliberalen Agendapolitik Schröders. Ginge es nach Helmut Schmidt, wäre der Hartz-4-Satz zu senken, zumindest aber auf Jahre hinaus einzufrieren und der Kündigungsschutz weiter zu lockern, natürlich nicht ohne die Wochen- und Lebensarbeitszeit ohne Ausgleich zu erhöhen. Dass im so geschaffenen Niedriglohnsektor keiner mehr vom Einkommen seines Jobs leben kann, stört das Urgestein der Sozialdemokratie nicht. Immerhin wäre er für einen (niedrigen) Mindestlohn – aber erst wenn den Flächentarifverträgen auch in ihren letzten Nischen der Garaus gemacht wird und Gewerkschaften keinerlei Einfluss mehr haben.

Da ist es nur folgerichtig, dass der autoritäre Parteipatriarch ein ebenso neoliberales Überbleibsel der Agendapoltik in einer unwürdigen Buchvermarktungsveranstaltung zum Kanzlerkandidaten krönt, kurz nachdem die SPD alle Ambitionen hat fahren lassen, so etwas wie Vorwahlen nach amerikanischem Vorbild durchzuführen. Bloß nicht mehr Demokratie wagen! Die SPD hat jetzt die Wahl zwischen Steinbrück und Steinmeier – und das soll die lang erwartete Antwort der Sozialdemokratie auf immer drastischere Umverteilung von unten nach oben sein? Auf Finanzkrise, Kapitalismusversagen und OccupyWallstreet?

Wenn ich verschiedene Texte von und über Helmut Schmidt so lese, bin ich geradezu bestürzt, in wie wenig Punkten ich mit dem einst verehrten Helden meiner politischen Kindheit eigentlich übereinstimme. Die multikulturelle Gesellschaft empfindet er als Illusion und bereitet so den Sarrazins in der SPD ihren Nährboden. Den Klimawandel habe es schon immer gegeben, die Debatte sei hysterisch und all die Wissenschaftler und Klimaforscher haben vermutlich einfach keine Ahnung. Das Verfassungsgericht möge sich künftig doch bitte ein wenig mehr zurückhalten und mit seinen Urteilen dem Kanzler weniger dreinregieren. Ach ja: wählen sollte man auch besser erst mit 21 statt schon mit 18 dürfen. Und wer Visionen habe, müsse zum Arzt gehen. Gerade der letzte Satz steht für das Ende von Poltik und den Anfang der Postdemokratie und ist ein Symbol für die Ursachen heutiger Parteienverdrossenheit.

Bleibt noch die schnarrende Schneidigkeit des alten Haudegens, seine Aufrichtigkeit und Prinzipientreue. Den Menschenrechten stellt er eine allgemeine Erklärung der Menschenpflichten gegenüber, die sich allesamt ehrbar lesen. Sie leiten sich aus dem kategorischen Imperativ ab, der Ehrfurcht vor dem Leben und der Ehrfurcht vor den Rechten unserer Mitmenschen. Über diese Deklaration musste ich sehr lachen, habe ich doch beim Lesen das Bild des halstarrigen Greises vor Augen, der seine Umgebung zum Passivrauchen zwingt.

Da wird klar, dass die SPD sich nicht erst unter Schröder von der Sozialdemokratie verabschiedet hat und Willy Brandt der letzte sozialdemokratische Kanzler war. Und es sieht derzeit nicht danach aus, als ob sich das ändert. Auch dank Schmidt Schnauze.
Politik  Helmut_Schmidt  from google
october 2011 by toco
Wenn Politiker ihre Meinung nicht sagen sollen… oder wollen
Die Piratenpartei hat zu etlichen Themen keine Positionen und bis die wirklich in alle Verästelungen und Politikbereiche ausgedacht, ausformuliert und auf Parteitagen verabschiedet sind, wird noch sehr viel Zeit vergehen. Bloß was tun wir bis dahin? Die Frage zum Beispiel, wie im Falle einer Regierungsbeteiligung eigentlich die Außenpolitik der Piraten aussähe, ist ja nun mehr als berechtigt, vor allem wenn gewisse Parteimitglieder laut über solche Optionen nachdenken.

Nehmen wir ein akutes Problem, die Schuldenkrise. Im Handelsblatt erschien ein Interview mit Piraten-Vorstand Matthias Schrade. Darin sagt er vieles, was ich so unterschreiben würde, und vieles, was ich für falsch halte – unter anderem dass Griechenland und andere Länder unter Umständen die Währungsunion verlassen müssen.

Fabio Reinhardt hat in seinem Blog geantwortet. Inhaltlich nimmt er in der Griechenland-Frage die Gegenposition ein – da bin ich übrigens ganz bei Fabio – kritisiert aber vor allem, dass da ein Piratenvorstand seine “Privatmeinung” kund tut, was derzeit kontraproduktiv sei, weil diese “Privatmeinung” nicht nur falsch sei, sondern auch die FDP in Berlin und Gauweiler in der CSU damit auf die Schnauze geflogen seien. Stattdessen lobt er Sebastian Nerz:

Gerade beim Thema Eurokrise hat er sich sehr vorbildlich verhalten. Sebastian gab an, eine eigene, wohldurchdachte Meinung zu dem Thema zu haben und lehnte es aber – trotz mehrmaliger Nachfrage – ab, diese zu äußern, da sie natürlich in einer öffentlichen Gesprächssituation als Parteimeinung verstanden werden könnte.

Wie bitte? Sebastian ist Bundesvorsitzender der Piratenpartei. Er wird sich sehr wahrscheinlich irgendwann zur Wiederwahl stellen. Und ich würde mich wundern, wenn er nicht auch für ein Mandat kandidiert. Aber selbstverständlich möchte ich wissen, wie er über dieses Thema denkt – gerade auch weil es hierzu noch keine Parteibeschlüsse gibt, die er nachbeten kann.

Wie leicht bei einem solchen Stil die Kommunikation krepiert, sieht man schön an diesem Interview im  Deutschlandradio, wo Sebastian sich zunächst wacker schlägt, sich dann aber im Konflikt zwischen Transparenz und Privatmeinung verheddert und am Ende recht unsympathisch rüberkommt.

Überhaupt, “Privatmeinung”, was für ein Unwort! Korrigiert mich, aber die Piratenpartei ist unter anderem angetreten, um Politik wieder menschlicher zu gestalten. Dazu gehört auch, die öffentliche Inszenierung “Politiker” und den Alltagsmenschen wieder mehr zur Deckung zu bringen. Für offizielle Sprecher gilt natürlich etwas anderes, aber von Amts- und Mandatsträgern erwarte ich einfach, dass sie sagen, was sie denken. “Privatmeinung” ist das Gegenteil von Transparenz. Wer seine Meinung nicht sagen will, sollte gar nicht erst für den Vorsitz einer Partei kandidieren. Immerhin werden unsere Spitzenleute in den Interviews zu aktuellen politischen Themen befragt und nicht zu ihren sexuellen Vorlieben.

Aber es gibt zwischen “Dazu hat die Piratenpartei noch nichts entschieden und ich will meine Privatmeinung nicht sagen.” einerseits und “Dazu hat die Piratenpartei noch nichts entschieden, aber ich persönlich habe keine Meinung dazu oder finde, dass Carthago zerstört werden muss” andererseits noch einen dritten Weg: “Dazu hat die Piratenpartei noch nichts entschieden, aber wenn Sie sich unsere anderen politischen Forderungen wie Netzneutralität, Abschaffung von Studiengebühren oder bedingungsloses Grundeinkommen ansehen, können Sie davon ausgehen, dass die Piraten für Solidarität mit Carthago plädieren werden.”

Wir müssen noch viel lernen. Besonders wenn wir den anderen nicht alles nachmachen wollen.
Politik  Meinungsfreiheit  from google
october 2011 by toco
Kernkraft ist sicher!
Die TAZ schrieb neulich über den x-ten Fall von Mängeln in den schwedischen Kernkraftwerken. Den hiesigen Medien war das nur eine kurze Agenturmeldung wert, obwohl die Aufregung um Fukushima gar nicht lange her ist.

Generell ist bemerkenswert, wie wenig Eindruck die Katastrophe in Japan auf die hiesige Politik gemacht hat – ganz im Gegensatz zur deutschen. Der Beschluss zum “Ausstieg aus dem Atomausstieg” steht fest. Erst dieser Tage hat die mitregierende Folkpartiet auf ihrem Kongress neu bestätigt, dass man neue Reaktoren will, um die auslaufenden zu ersetzen.

Statt die ständigen Mängel als inhärente Unsicherheit zu sehen, sorgt sich lieber darum, dass der Strompreis diesen Winter auf neue Höhen klettern könnte, weil die Hälfte der Reaktoren still steht.
Schweden  Deutschland  Energie  Politik  Schlechter  from google
october 2011 by toco
Peter Altmaier, Malte Spitz und die Piraten
Der Tag brachte zwei bemerkenswerte Artikel von Spitzenpolitikern konservativer Parteien: Der eine liest sich ganz fluffig und gerade auch für Offliner sehr verständlich, zeugt aber beim erneuten Lesen von tief gehenden Gedanken zum Phänomen Piratenpartei und zur Netzkultur, die sich der Autor gemacht hat. Der andere simuliert Fachwissen, häuft aber nur Gemeinplätze an. Beginnen wir mit dem zweiten: Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand der Grünen, beginnt seinen SPON-Artikel mit einer Respektbekundung, behauptet dann aber, die Piratenpartei habe nicht nur keine Inhalte, sie stammten auch noch nicht mal von den Piraten. Abgesehen davon, dass es paradox ist, klingt das wie ein Vorwurf an Kommunisten, sie hätten sich das ja alles gar nicht selber ausgedacht sondern von Marx geklaut.

Es stimmt: die großen netzpolitischen Schlachten der letzten Jahre wurden nicht von der Piratenpartei geschlagen, sondern vom CCC, vom AK Vorrat, vom AK Zensur, FoeBud e.V. und anderen Gruppen. Das kann auch gar nicht sein, die Piratenpartei ist nämlich nicht Vater dieser Auseinandersetzungen sondern ihr Kind. Sicher: gegründet wurde sie schon 2006 – in ihrer heutigen Form nahm sie jedoch erst 2009 Gestalt an. Der Vorwurf ist also ungefähr so albern wie den Grünen vorzuwerfen, ihre Politik sei von Greenpeace oder der Antiatombewegung geklaut, wo im übrigen auch Mitglieder anderer Parteien mitmachen würden.

Die Piratenpartei, so behauptet Malte Spitz, inszeniere ihr Anderssein nur. Für eine Inszenierung braucht man freilich jemanden, der inszeniert – und so jemand ist bei den Piraten nun wirklich weit und breit nicht zu sehen. Die Wurzeln der Piratenpartei gehen diffus auf den kalifornischen 60er-Jahre-Zeitgeist der ersten Programmierer, die Erfinder des Internet und auf die Hacker-Ethik zurück, aber auch auf das ganz aktuelle Lebensgefühl der hier und jetzt mit dem Internet sozialisierten Menschen, die heute überwiegend unter 30 Jahre alt sind.

Sie ziehen ihre Agenda nicht aus einer zentralen Ideologie, sondern aus dem Lebensgefühl einer Generation, welches sich gerade erst allmählich zu so etwas wie Ideologie formt. Der Kulturwissenschaftler Michael Seeman legt das knapp, verständlich und lesenswert dar: Ein, wenn nicht der zentrale Wert der Piratenpartei ist die “Netz- oder Plattformneutralität”. Für diesen sperrigen Begriff wünsche ich mir noch einen Ersatz, der das Prinzip stärker auf die gesamte Gesellschaft erweitert, aber man kann damit arbeiten. Von der Kernforderung, Information müsse frei zugänglich sein und niemand dürfe von ihr abgeschnitten werden, wird dieses Prinzip auf immer neue Lebensbereiche übertragen:

Ein Beispiel ist die Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen, das helfen soll, allen ohne Diskriminierung eine ökonomische Teilhabe zu ermöglichen. Die Sozialpiraten arbeiten gerade u.a. an der konkreten Umsetzung: Eine schlagartige Einführung ist ja nicht zu erwarten – wie könnten die vorhandenen sozialen Systeme nach und nach in dieser Richtung transformiert werden? Ein weiteres Beispiel auf lokaler Ebene: kostenloser öffentlicher Nahverkehr für alle über eine kommunale Abgabe. Das ärgert zwar die Autofahrer, die keine Lust haben, die Bahn mit zu bezahlen, aber was mit GEZ und öffentlich-rechtlichen Sendern möglich ist, sollte auch bei der meiner Meinung nach viel wichtigeren Mobilität denkbar sein.

Ein letztes Beispiel, das besonders deutlich illustriert, wie wenig die Piratenpartei von ihren Konkurrenten verstanden wird, ist die Frauenquote. Sie wird von den Piraten abgelehnt, weil sie Diskriminierung zwischen den Geschlechtern zementiert anstatt sie abzubauen. Unausgegorene Ideen wie der “Frauenstudiengang Informatik” an der HTW Berlin, der allein erziehenden Müttern das Studieren in Teilzeit ermöglicht, zeigt die Beschränktheit des Quotendenkens: Warum ist so etwas an einige wenige Studiengänge gekoppelt und nicht einfach Standard? Und was ist, wenn allein erziehende Väter in Teilzeit studieren wollen?

“Piraten machen es sich leichter”, ist der Artikel von Malte Spitz überschrieben. Ansichten und Forderungen wie letztgenannte müssen gerade im linken Spektrum, zu dem die Piratenpartei ja irgendwie auch gehört, nicht nur mühsamst erklärt werden – man kann ganz schön politische Haue dafür bekommen, und zwar von allen Seiten. Da tun die Piraten vieles, aber leicht machen sie sich nichts.

Das waren nur wenige Beispiele und in der Piratenpartei wird fleißig weiter an Inhalten gearbeitet. Man sieht das bloß nicht so, weil darüber nicht auf Parteitagen und im Feuilleton gestritten wird, sondern im Netz. Also zurück zur Netzpolitik, zur Frage, wie tief greifend das Internet die Gesellschaft verändert. Einer, der das verstanden hat, ist Peter Altmaier, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion. In seinem FAZ-Artikel beschreibt er, wie ihm allmählich bewusst wird, wie dramatisch die Umwälzungen sind, die das Internet mit sich bringt, und dass das längst noch nicht im öffentlichen Bewusstsein angelangt ist.

Zwar redet Altmaier noch vom “Virtuellen”, das “in die Realität schwappe”, als sei früher nicht real gewesen, was im Netz geschehe, das ändert aber nichts an der Richtigkeit seiner Diagnose: “Die politische Freiheit und Gleichheit der Bürger realisiert sich im Netz zum ersten Mal in Permanenz.” Es geht aber nicht nur darum, das Politik schneller wird, die Reaktionszeiten kürzer und heute Facebook und Twitter im Auge zu behalten sind – sondern auch darum, dass die aller meisten Politiker und Mitglieder der Elite des Landes das noch nicht verstanden haben und mit Verachtung und Spott auf die Netzkultur reagieren. Reagiert mein Volksvertreter so auf meine Alltagsgewohnheiten, reagiere ich als Wähler wiederum gerne, indem ich mir einen anderen Volksvertreter suche, der mich und meinen Alltag versteht. Wenn man nicht aufpasst, entsteht so rubbeldiekatz eine neue Partei.

So lange Unionspolitiker wie Peter Uhl ihre Ignoranz demonstrativ vor sich hertragen, droht die CDU nicht gerade, zur zweiten Piratenpartei zu werden. Leider spielt Peter Altmaier hier wissentlich oder unbewusst in einem “Good-Cop-Bad-Cop”-Spiel mit. Sein restlicher (übrigens sehr lesenswerter) Artikel ist “Netzpolitik in a Nutshell”. Guttenplag, Wikileaks, Twitter, Schwarmintelligenz, Netzkultur und Occupy Wallstreet: All das wird dem meist konservativen FAZ-Leser nahe gebracht. Das macht sichtbar: Viele dieser Themen haben nichts mit der Piratenpartei zu tun. Das ist aber kein Makel, schließlich muss lange nicht alles von der Piratenpartei thematisch angenommen werden, bloß weil es das Internet als gesellschaftliches Betriebssystem benutzt – vielmehr geht es den Piraten um dieses Betriebssystem selbst. In der Gentechnik werden manipulierte Viren verwendet, um Gene in einen Organismus einzuschleusen. Analog dazu hat für mich die Piratenpartei die Funktion, Meme in den Politikbetrieb einzuschleusen.

Ich finde, das macht sie sehr gut.
Politik  Debatte  Inhalte  Malte_Spitz  Peter_Altmaier  Piratenpartei  from google
october 2011 by toco
Die Affäre Juholt
Als die schwedischen Sozialdemokraten im April ihre an der letzten Wahl gescheiterte Parteichefin gegen den bis dato wenig bekannten Håkan Juholt austauschten, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Und sie wuchs auch nicht sonderlich mit der Zeit, denn Juholt machte sich einen Namen besonders dadurch, Unüberlegtes – vom Afghanistaneinsatz bis zum Schattenbudget – von sich zu geben, das er dann auf Druck aus der Partei hin wieder zurücknehmen musste.

Dazu kommt jetzt eine Affäre, die ihn stürzen könnte. Juholt hat nämlich über lange Zeit mehr Zuschuss zu seiner Zweitwohnung in Stockholm einkassiert, als ihm als Parlamentariker zugestanden hätte, weil er diese Wohnung mit seiner Lebensgefährtin teilt. Auf dem entsprechenden Formular gibt es wohl ein deutliches Kreuzchen für genau diese Unterscheidung, doch Juholt beteuert, die Regeln schlicht nicht gut genug gekannt zu haben, und hat sich deutlich für diesen Fehler entschuldigt und Geld zurückgezahlt. Dass die Sache damit nicht erledigt war, liegt daran, dass ernste Zweifel daran aufkamen, ob er wirklich nicht bewusst täuschte. Denn es gibt mehrere Hinweise, dass ihm dieses Thema angetragen wurde, sowohl von der parteiinternen Revision als auch von Assistenten.

Es wurde eine Voruntersuchung wegen Betrugs eingeleitet; das Erschleichen staatlicher Hilfen kann mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Sollte die Voruntersuchung tatsächlich zu einer Anklage führen, war es das für Håkan Juholt als Parteichef, sind sich Beobachter einig.

Doch ungeachtet des formellen Ausgangs ist der Vertrauensverlust in Partei und bei den Wählern schon da. Es wird Juholt in Zukunft sehr schwer fallen, glaubwürdig gegen Egoismus zu schimpfen und für die Verantwortung des einzelnen zu plädieren, das kollektive nicht auszunutzen. Die bürgerliche Minderheitsregierung muss sich bis auf absehbare Zeit nicht mit einem starken Oppositionsführer herumschlagen.
Schweden  News  Politik  from google
october 2011 by toco
Google+ verweigert mir, meinen echten Namen anzugeben
Wie ihr sicher mitbekommen habt, habe ich letzterdings einigen “Spaß” mit Google+. Nachdem sie “Die Ennomane” zum zweiten mal gesperrt haben, verfahre ich nach dem Motto: Wenn ich schon nichts echtes unter Pseudonym schreiben darf, dann schreibe ich eben Blödsinn unter Klarnamen.

Wie absurd Googles Policy ist, sieht man aber daran, dass ich jetzt meinen echten, wirklich wahren, bürgerlichen Personalausweis-Namen nicht angeben darf. Bei dem Versuch, das zu tun, erhalte ich folgende Fehlermeldung:
Politik  Google  Nymwars  from google
october 2011 by toco
Piratengeist
[Achtung, Pathoscontent!] Es stimmt ja: Programmatisch klaffen riesige Lücken und vieles ist schwammig. Die Piratenpartei hat noch viel vor sich. Dass es aber nicht schlimm ist und etwas ganz großartiges beginnt, erleben wir gerade:

In der heillos abgesoffenen FDP entzündet sich eine Diskussion, sie müsse sich mehr an der Piratenpartei orientieren. Tatsächlich stillt die Piratenpartei die Sehnsucht nach einer linksliberalen, bürgerrechtsorientieren Partei, die die FDP seit 1982 nicht einmal mehr als Flügel ist.
Angela Merkel sieht zwar nur die Proteststimmen, fühlt sich aber bemüßigt, “auf dem Sachgebiet Internet sehr entschieden weiter zu arbeiten“.
Jetzt gerade läuft der Stream der dritten Fraktionssitzung live. Man vernimmt Stimmen aus den anderen Fraktionen, die laut darüber nachdenken, das nachzumachen.
Und heute hielten die Grünen stur an ihrem Wahlversprechen zur A100 fest, dass die Koalitionsverhandlungen scheiterten. Natürlich mach das eine Lehre aus dem schwarzgrünen Fiasko in Hamburg und das Scheitern des konservativen Künast-Wahlkampfes sein, aber als ich auf Twitter fragte, “Bin ich der einzige, der gerade das Gefühl hat, die Grünen weht Piratengeist an, bei #A100 nicht umzufallen?“, bekam ich nur entsprechende Antworten: Bin ich nicht.

Das sind erste Anzeichen, dass es tatsächlich funktionieren könnte. Dass die Parteien den Bürger wiederentdecken und sich um mehr Glaubwürdigkeit bemühen. Dass Politik wieder ein Stück außerhalb heiliger (medialer) Hallen stattfindet und dass die beste unter allen schlechten Regierungsformen ein Stückchen weiterentwickelt wird. Dass Politiker wieder mehr Angst vor dem Wähler haben – und diese Angst nicht darin besteht, vor der Kamera eine schlechte Figur zu machen, sondern den Zorn der Wähler auf sich zu ziehen.

Die Piratenpartei hat in Berlin sämtlichen Parteien Wähler genommen, am wenigsten bei der CDU, am meisten bei den Grünen. Am allermeisten jedoch hat sie Nichtwähler wieder an die Wahlurne gebracht. Langsam merken wir: Die Wählerstimmen in Berlin waren nicht umsonst.

Ach ja, und es gibt jetzt Club Mate im Abgeordneten Haus, wobei mir ja 1337mate lieber wäre…
Politik  Piratenpartei  from google
october 2011 by toco
ennomane labert Teil 2: Pseudonymintoleranz
Die zweite Folge von “ennomane labert” ist fertig. Wenig überraschend beschäftige ich mich mit den Pseudonymphobikern bei Google+. Dazu und zu meinem Googleplus-Projekt habe ich gestern Zeit Online ein Interview gegeben.

Click here to view the embedded video.
Politik  Google  Pseudonyme  from google
october 2011 by toco
Der Papst in Berlin: Warum ich heute gegen Joseph Ratzinger demonstriert habe
Ich muss etwas bekennen: Ich bin kein Atheist, kein Agnostiker und kein Anhänger einer Religionsgmeinschaft – meine Ansichten sind einfach nur Privatsache. Mein Bekenntnis: Ich bin ein ganz großer Anhänger der Religionsfreiheit. Ich habe genauso wenig etwas gegen Christen wie gegen Anhänger anderer Religionen oder Atheisten. Wirklich Leute, glaubt was ihr wollt. Es ist mir egal. Ich habe aber ein Problem damit, wie der Katholizismus in Deutschland gegen die Religionsfreiheit verstößt – unter anderem.

Es geht nicht um Hexenverbrennungen, Kreuzzüge oder Galileo Galilei, sondern hier und heute um eine Sexualmoral, die die Menschen psychisch deformiert, krank macht und sie ihrer eigentlich doch nach dem Grundgesetz geschützten Würde beraubt. Der Zölibat ist Ausdruck einer krankhaften Einstellung zur eigenen Körperlichkeit. Ausgerechnet jemand, der noch nie Sex hatte (oder ohne schlechtes Gewissen haben durfte), soll als Seelsorger anderen Menschen bei ihren Gewissensnöten helfen. Homophobie ist ähnlich absurd wie die Angst davor, Freitags Fleisch zu essen. Und Frauen nicht für das Priesteramt geeignet zu halten, ist sexistische Diskriminierung in Reinform.

Das wäre alles noch einigermaßen egal, wenn die Katholiken ein Verein wären, der unter sich bleibt und das Ganze als Privatsache ansieht. Tun sie aber nicht. Kirche und Staat sind in Deutschland verquickt. Ich finanziere als Steuerzahler die Einkommen von Bischöfen, obwohl ich kein Kirchenmitglied bin und keine Kirchensteuer zahle. Ich finanziere Grundschulen, an denen 6jährige Knirpse abgewiesen werden, weil sie die falsche Konfession haben. Ich finanziere Religionslehrer, die Kindern Angst vor ihrer aufkeimenden Sexualität einreden. Ich finanziere Krankenhäuser, die Ärzte feuern, die sich scheiden lassen. Ich will das nicht.

Gegen den Papst zu demonstrieren ist ganz gewiss keine schlechte Gastfreundschaft. Gerade weil die Kirche in Deutschland gesellschaftlich und politisch Macht ausübt, ist es weder borniert noch kleinlich, dem “Staatsgast” Josef Ratzinger laut die Meinung zu sagen. Er ist als Kirchenoberhaupt und gerade als Staatsgast eben auch Politiker – und zwar einer, der öffentlich Homophobie und Sexismus vertritt. Es muss möglich sein, sich kritisch gegen diese servile Papstbesoffenheit in Medien und Bundestag zu äußern. Jakob Augstein bringt die steile These, Papstkritik sei pubertär und Ethik sei in der Politik nicht gut aufgehoben. Also überlassen wir sie ausgerechnet der katholischen Kirche, die Missbrauchsopfern lieber Schweigegeld zahlt, statt einen Päderasten vor Gericht zu bringen?

Mit dem Alltagskatholizismus habe das alles gar nichts zu tun, sagte mir heute ein Katholik, der sich von mir beschimpft fühlte. Diesen Alltagskatholizismus habe ich aber selber erlebt, wenn z.B. Geschiedene während der Eucharistie sitzen bleiben und sich vor der Gemeinde in Grund und Boden schämen, falls sie sich überhaupt noch in die Kirche trauen. Diesen Alltagskatholizismus habe ich erlebt, als mein Religionslehrer im Unterricht zynische Hasstiraden gegen andere Religionen abließ und meine damals einsetzende Gehörlosigkeit eine Strafe Gottes nannte für meine zweifelsohne mit 14 schon ausgeprägt vorhandenen Sünden. Diesen Alltagskatholizismus habe ich in 1000 weiteren Kleinigkeiten erlebt, die alle zu nennen, an dieser Stelle zu weit führt. Ich hatte schon als Kind genug von diesem Alltagskatholizismus, als ich mir über Zölibat oder Homophobie noch nichtmal im entferntesten Gedanken gemacht hatte. Danke.

Aber gut, das ist 20 Jahre her und woanders mögen sich Katholiken im Alltag liberal geben: Bitte, wenn ihr den Zölibat albern findet und für die Gleichberechtigung der Frau seid, warum seid ihr dann noch nicht in die evangelische Kirche gewechselt? Selbst wenn ihr persönlich Kondome benutzt und nichts gegen Schwule habt, so liefert eure Kirche einen Nährboden für Homophobe, Sexisten und andere Hater. Wenn ihr im Alltag viel liberaler seid und eigentlich doof findet, was Papst und Amtskirche in einigen Fragen so vertreten, warum toleriert ihr das, warum schreit ihr als Katholiken dann nicht am lautesten? Es müsste euch doch viel mehr stören als mich Außenstehenden! Liebe Katholiken, nehmt ihr euren eigenen Papst und seine Lehre nicht ernst oder seid ihr eben doch sexistisch und schwulenfeindlich?

Das Problem, das ich persönlich mit dem Christentum habe, geht etwas tiefer. Ich will das hier nicht weiter ausführen. In a Nutshell: Es ist eine Erlösungsreligion. Der Mensch ist per se schlecht und kann nur durch Jesu Erlösung gut werden. Das ist eine Geisteshaltung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann und die in ihrer Implikation zutiefst menschenfeindlich ist, weil sie dem Einzelnen nicht erlaubt, sich frei gemäß seiner Natur zu entfalten. Aber was zählt schon der Einzelne – der Papst hat ja heute wieder den Individualismus beklagt.

Aber das ist nicht mein Problem sondern das der Christen. Also liebe Katholiken: Glaubt! Niemand möchte euch was verbieten, ich am wenigsten! Glaubt an die Trinität und die unbefleckte Empfängnis Mariä! Glaubt, Kants kategorischer Imperativ und der Humanismus seien genuin christliche Werte und ignoriert weiter die antike Geistesgeschichte! Glaubt, euer unsichtbarer bester Freund habe Superkräfte und die anderen unsichtbaren besten Freunde seien Unsinn. Glaubt an intelligentes Design und daran dass ungetaufte Kinder im Todesfall im Fegefeuer gegrillt werden! Glaubt was ihr wollt! Sobald euer Glaube gebietet, sexistisch und menschenfeindlich oder sonst wie unethisch zu sein, werde ich ihn trotzdem scheiße finden und das auch laut sagen.
Politik  Benedikt  Berlin  Papst  Papstbesuch  Ratzinger  from google
september 2011 by toco
Der @Schmidtlepp bei Anne Will & @Laprintemps epischer Facepalm
So, ich bin aus dem Studio zurück und eigentlich zu müde für alles, aber wie schon die letzten Tage: kaum fähig zu schlafen. 1000 Dinge gäbe es zu bloggen, aber seit Sonntag kam ich einfach nicht dazu. Also der Abend bei Anne Will: Wenn ihr euch fragt, was mit euren GEZ-Geldern passiert: Dafür gibt es in der Gästelounge Häppchen, Suppen, großartigen Rotwein (Mist, ich wollte mir den doch merken) und ein Taxi vom Adlershof nach Prenzlauer Berg. Ich bin mit Julia “@laprintemps” Schramm, die angesichts von Altparteiengeschwafel den schönsten Facepalm des Herbstes liefert, Katja “@kd__dc” Dathe und Marie “@euneike” Maroske in der ersten Reihe.

Christopher “@schmidtlepp” Lauer (Piraten) hat IMHO eine wirklich gute Figur gemacht, während Martin Lindner (FDP) angesichts des katastrophalen Anti-Euro-Wahlkampfes in hilfloses Gestammel abgleitet und Bärbel Höhn (Grüne) sich vom ÖPNV distanziert und ein Auto für jede Großstadtfamilie fordert. Erstaunlich, dass ausgerechnet Peter Altmeier (CDU) das Phänomen “Piratenpartei” als einziger verstanden zu haben scheint. Dazu noch viele warme Worte von Roger Willemsen und Gertrud Höhler, die offenbar sehr angetan von den Piraten ist und nach der Sendung noch sehr angeregt mit uns gesprochen hat, wie übrigens auch Anne Will. Ich vermute, letztere war einfach mal froh über die Abwechslung, da sonst immer dasselbe öde Parteienpersonal bei ihr durchgeschleust wird…

Click here to view the embedded video.

Click here to view the embedded video.

Click here to view the embedded video.

Click here to view the embedded video.

Morgen… ach nee, irgendwann dann mal mehr.
Politik  Anne_Will  Piraten  Piratenpartei  Talkshow  from google
september 2011 by toco
die ennomane labert – Teil 1: Berliner, geht Wählen!
Ich wollte mal anwenden, was ich neulich auf dem Videocamp gelernt habe und habe heute ein kleines Wahlkampfvideo gedreht und geschnitten. Wie es sich für einen gestandendenen Prokrastinator gehört, am Abend vor der Wahl. Es zeigt mich beim Tee machen. Für die ganz Harten gibt’s Katzencontent.

Click here to view the embedded video.
Katzencontent  Politik  Berlin  CDU  FDP  Grüne  Linke  Piraten  Piratenpartei  SPD  Video  Wahl  from google
september 2011 by toco
Zwei Links zu 9/11
Meine eigenen Gedanken zu 9/11 habe ich ja letztes Wochenende schon aufgeschrieben. Erst jetzt bin ich dazu gekommen, zwei Links zum Time Magazine zu inspizieren, die sich auch mit dem 11. September auseinandersetzen.

Zum Einen wäre da ein lesenswerter Artikel mit den Erinnerungen des Fotografen James Nachtwey, der 2001 zufälligerweise in New York war, als die Twin Towers einstürzten. Damit verbunden ist ein Foto-Essay mit bis dato unveröffentlichten Bildern von Nachtwey.

Zum Anderen ist da eine Seite mit 40 Testimonials verschiedener Menschen, die mit dem 11. September und seinen Folgen zu tun haben. Von George W. Bush über General David Patraeus bis hin zu “ganz normalen” First Respondern. Ich selbst hatte noch keine Gelegenheit reinzuschauen, aber ich gehe davon aus, dass es sehenswert ist. Obwohl ich ungeschautes Material ja normalerweise nicht empfehle.

Tweet
Gesellschaft  Politik  9/11  Fotografie  Geschichte  James_Nachtwey  Journalismus  Medien  Terrorismus  time  Time_Magazine  from google
september 2011 by toco
Wer sagt, die Piraten hätten kein Vollprogramm?
Die Piraten kümmern sich halt um die Dinge, die die Bürger bewegen…
Berlin  Lesbar  agh11  Piraten  Politik  Wahl  from google
september 2011 by toco
Grün, stachelig und gehörlos!
Am Sonntag könnte der Traum wahr werden, dass zum ersten Mal überhaupt in Deutschland ein Gehörloser im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt bzw. politisch tätig ist. Einen kleinen Haken gibt es bei der Sache: Damit Martin Zierold auch ganz sicher ins Haus einzieht, müssten die Grünen in Berlin-Mitte 22% der Stimmen holen, derzeit stehen sie laut Umfragen bei 20%. Könnte also ganz knapp werden für Martin.In der JETZT-Zeitung gibt es einen netten Bericht über Martin und seine Arbeit, nur leider stört's mich auch dieser Umstand, dass Martin eher bisschen wie ein kleines Kind vorgeführt wird durch die Bildersprache im Text, womit ich nicht alleine bin, denn auch die Kommentare unter dem Artikel belegen, dass dieser Eindruck nicht nur bei mir entstanden ist!Politik der fliegenden HändeUnd hier geht's zur seiner Homepage:Martin Zierold - Vielfalt stärken. Stärke durch VielfaltIch wünsch dir für morgen viel Glück, Martin! Sichtbarkeit schafft Bewegung und mit deiner Kandidatur hast du auch schon sehr viel erreicht, aber was wirst du erst alles erreichen können, wenn du den Einzug schaffst! Meine Daumen sind gedrückt! :-)
Politik  Bildung  Untertitel  Medien  Gehörlose  Barrierefreiheit  Gebärdensprache  Kommunikation  from google
september 2011 by toco
9/11
Am 11. September in den Konferenzraum gerufen worden und live im TV gesehen, wie das zweite Flugzeug in das Hochhaus flog etc. In den Wochen danach diese Bilder immer und immer wieder gesehen und nicht gewusst, wie sich die Welt danach verändern würde.

Zehn Jahre später der beklemmende Gedanke, dass die Terroristen ihr Ziel erreicht haben, während die Vermieterin des Attentäters im Fernsehen Anekdoten im Duktus der Klofrau der Beatles erzählt.
Politik  9/11  Katastrophe  from google
september 2011 by toco
Der Wahlkampf der Partei Die Partei
Ich kann da nur den Hut ziehen. Die wohl einzig wählbare Partei derzeit.

via BlogRebellen & Facebook

Tweet
Politik  2011  Berlin  Die_Partei  KIZ  Martin_Sonneborn  RBB  Titanic  Wahlen  from google
september 2011 by toco
Offener Brief an Google: Lasst Pseudonyme zu!
Ihr erinnert euch – ich hatte ein wenig Aufmerksamkeit, als Google vorübergehend mein Profil auf Google+ gesperrt hatte. Ein paar Stunden und einen SPON-Artikel später durfte ich zwar wieder rein, was für mich aber kein Anlass ist, mich zufrieden zurückzulehnen, während andere weiter gesperrt bleiben. Ich bin eben nicht gerne gleicher als andere. So ließ ich mich natürlich nicht lange bitten, als Christoph Kappes mich fragte, ob ich hierzu einen offenen Brief mit unterzeichne.

Wir wollen Pseudonyme! Nicht nur weil Menschen die Hoheit über ihre (verschiedenen Identitäten) behalten sollten. Und auch nicht nur weil Pseudonyme Minderheiten, die freie Meinungsäußerung und zugleich die Privatsphäre schützen, sondern auch, weil es nach §13(6) TMG unser gutes Recht ist.

Der offene Brief kann hier nachgelesen werden. (Kommentare bitte dort, ich schließe die Kommentarfunktion ausnahmsweise mal hier.) Die übrigen Erstunterzeichner sind Christoph Kapppes, Christiane Schulzki-Addouti, Lars Klingbeil, Michael Seemann, Jürgen Kuri, Peter Tauber, Christiane Link, Stephan Uhrenbacher, Ulrike Langer, Dorothee Bär, Sascha Lobo, Markus Beckedahl, Nico Lumma, Teresa Bücker, Falk Lüke, Stefan Gehrke, Wolfgang Macht, Peter Glaser, Konstantin von Notz, Anke Gröner, Lars Hinrichs, Ingo Scholz, Manuel Höferlin, Jimmy Schulz und Antje Schrupp. Diese “Koalition” aus Politikern und Netzaktivisten finde ich bemerkenswert. Aber darum geht es uns: Google zu zeigen, dass die Kritik nicht bloß aus einer bestimmten Ecke kommt, sondern breit aufgestellt ist. Ich fühle mich in bester Gesellschaft.
Politik  Google  GooglePlus  Klarnamen  Pseudonyme  from google
september 2011 by toco
Soso
Wenn der Extrem-O-Mat das so sagt …

via Blogrebellen

Tweet
Politik  Web  Antideutsch  Extrem-O-Mat  from google
september 2011 by toco
Årets sommarvärdar
Ich verbringe zur Zeit meine diversen Laufrunden und Rad- und Zugfahrten mit den diesjährigen Sommarpratare in den Ohren. Wie üblich kann man sich die Sendungen als MP3 herunterladen und ich kann allen, die Schwedisch verstehen, bisher folgende besonders ans Herz legen:

Mark Levengood ist mit seiner milden Art und Humor immer hörenswert. Er erzählt wie es dazu kam, dass er ein stattliches Ansehen im Stockholmer Schärengarten von einem ihm zunächst fremden Esoteriker geschenkt bekam.
Jason Diakité, besser bekannt als Rapper Timbuktu erzählt seinen Werdegang, ganz ohne Selbstverherrlichung.
Maria Wetterstrand war bis vor kurzem Parteichefin der schwedischen Grünen und hat sich gerade trotz ihrer jungen Jahre ganz aus der Politik zurückgezogen. Ihr Programm fand ich sehr hörenswert, nicht nur wegen des interessanten Musikgeschmacks – ihr erstes Lied war “Hier kommt Alex” von den Toten Hosen.
Ville Virtanen ist Finne mit schwedischen Wurzeln und gibt einen Einblick in die teilweise dunkle finnische Mentalität, gegenüber der Schweden geradezu als überschwänglich herüberkommen.



Sylvia Schwaag Serger ist halb Chinesin, halb Amerikanerin und halb Deutsche. In beeindruckend deutschakzentfreiem Skånska erzählt sie ihre Geschichte und findet gute Worte für die Erfahrungen, die man als Einwanderer in Schweden macht. Und spielt so einige “Höhepunkte” deutscher Musik der 80er.
Jonas Jonasson ist der Autor des Hundertjährigen.
Dilsa Demirbag-Sten kam als Kind mit ihren Eltern aus dem türkischen Teil Kurdistans nach Schweden und ist heute erfolgreiche Journalistin und Autorin. Ihr gelingt es, von Gewalt und Missbrauch zu erzählen und gleichzeitig gängige Vorurteile, beiderseits der Integrationsdebatte, zu entkräften. Sehr hörenswert!
Ann Petrén ist Schauspielerin und schlägt eine Bresche für mehr Zeit zur Reflexion.
Carl Bildt, ehemals schwedischer Staatschef und heute Außenminister, zeigt sich einmal mehr als Sympath mit Selbstdistanz und eröffnet mit der Geschichte, wie er dazu überredet wurde, den schwedischen Beitrag zum Schlagerfestival von 1987 aufzunehmen (Video bei YouTube). Später im Programm lernt man ein wenig über die Geschichte Zentralasiens.
Fredrik Gertten ist Dokumentarfilmer und stand vor zwei Jahren im Rampenlicht als der amerikanische Obstriese Dole seinen Film Bananas!* stoppen wollte und ihn verklagte. Interessante Einblicke in eine David gegen Goliath-Geschichte.
Babben Larsson kommt von Gotland, was man deutlich hört. Jeder kennt hierzulande Babben, die Komikerin. Denkt euch Anke Engelke in runder, unverblümter und vom Lande.
Kjerstin Dellert ist 85 Jahre, Opernsängerin und hat in den letzten 30 Jahren den Confidencen beim Ulriksdals Slott, 5 Minuten Spaziergang von wo wir wohnen, als Theater aufgebaut. Erfrischend, dieser alten Dame zuzuhören, wie sie fröhlich ihren Wasserfall an Anekdoten (Bergmann bis Wagner) und Lebensweisheiten loswird.
Olof Wretling kennt man von der Humorgruppe Klungan, die unter anderem Ingen bor i skogen gemacht hat und die wir auch schon live im Dansens Hus gesehen haben. Eine von Olofs Rollen ist Katla, der im Programm die Musik auflegt. Reinhören!
Alice Bah Kuhnke ist ein typischer Fall von Prominenter, die man als Einwanderer nicht kennt, denn sie war in den frühen Neunzigern Fernsehmoderatorin und hat sich dann von der Kamera verabschiedet. Heute arbeitet sie mit Umwelt-, FairTrade- und Nachhaltigkeitsfragen und erinnert in konkreten Beispielen daran, was wir so alles besser machen könnten.
Owe Wikström ist Professor in Religionspsychologie. Das klingt, zumindest in meinen Ohren, zunächst wenig vielversprechend, doch ich irrte und konnte Owes Betrachtungen zu unserem Umgang mit Leben und Tod einiges abgewinnen.
Yukiko Duke ist Halb-Japanerin, Journalistin, TV-Moderator und Übersetzering, die unter anderem Haruki Murakamis Bücher ins Schwedische bringt. In ihrem Sommarprogramm erzählt sie von kulturellen Unterschieden, Atombomben und vom Tsunami und seinen Folgen seit er aus den hiesigen Medien verschwunden ist.
Håkan Juholt ist der neue Chef Schwedens größter Partei, den Sozialdemokraten. Ich war überrascht von der milden Stimme des kräftigen Schnauzbartträgers, von dem ich bisher nur gelesen hatte. Inhaltlich fand ich seine Stunde jedoch eher schwach und habe weitergeklickt als er seine Tirade von Elvis hielt.
Vicky von der Lancken ist Kulturproduzentin und hatte ein ziemlich bewegtes Leben, von dem sie einige Geschichten erzählt.
Ich kann mir denken, dass das Programm von Rapper Daniel Adams-Ray das kontroverseste diesen Jahres ist. Er erzählt von seiner Schulzeit in einer typischen “Problem-Schule” mit hohem Einwandereranteil, wobei das schwedische System und die Gesellschaft eher weniger gut wegkommen, und verteidigt Graffiti gegenüber Stockholms “Null-Toleranz-Poltik”.
Johan Wester ist Schauspieler und Komiker, bekannt aus HippHipp! und der schwedischen Aufführung von Monty Pythons Spamalot. Sehr unterhaltsam, aber kein Muss.
Cecilia Uddén ist vielfach ausgezeichnete Journalistin und Korrespondentin des Schwedischen Rundfunks, nicht zuletzt im nahen Osten. Wer sich ein wenig für den arabischen Frühling interessiert, sollte unbedingt reinhören.
Githa Nørby ist eine der bekanntesten dänischen Schauspielerinnen, unter anderem wegen der Fersehserie Matator, die in den 80ern auch im deutschen Fernshen lief. Sie gibt sich gute Mühe, “Skandinavisch” zu sprechen und ist problemlos zu verstehen.
Leif GW Persson ist so etwas wie der schwedische Eduard Zimmerman, allerdings echter Kriminologe und zusätzlich Krimi-Autor.
Schweden  Kultur  Lustig  Medien  Politik  from google
august 2011 by toco
Deutschland, mir macht es doch auch keinen Spaß!
Immer wieder muss ich dich kritisieren, dass dir Barrierefreiheit so wenig am Herzen liegt und dich auf deine Versäumnisse hinweisen. Glaubst du, mir macht das Spaß oder ich hab irgendetwas Befriedigendes davon?

Ganz im Gegenteil. Es ist ungeheuer frustierend zu erleben, dass DU etwas grundlegendes nicht verstanden hast, was in anderen Ländern längst erfolgreich umgesetzt worden ist und gelebt wird - Barrierefreiheit und Inklusion - für dich ist alles eine Kostenfrage, aber den Banken und anderen fragwürdigen Projekten pumpst du Geld im Überfluss rein, ohne darauf zu achten, ob der Erfolg wirklich nachhaltig ist. Oder du kürzt die HARTZ-4-Beiträge für Behinderte, so dass sie nur noch 80% der Beiträge erhalten. Quelle: (http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,25754/ticket,g_a_s_t)

Oder... Oder... Oder... Mir fallen viele Gründe ein, worüber ich hier nur den Kopf schütteln könnte.

Weißt du was, Deutschland? Du kotzt mich an, du stehst mir bis hier oben hin. Und es tut mir sogar noch leid, dass ich dich so hart anfahren muss, aber du brichst ständig deine eigenen Gesetze und alles, was du bisher zur Barrierefreiheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen tust und sagst, sind lediglich Lippenbekenntnisse, die dann beklatscht werden, aber aktiv macht ihr aus eigenem Antrieb nichts - im Gegenteil man muss dich auf deine Fehler hinweisen und um Verbesserung bitten. Und oft passiert dann doch gar nichts.

Warum nur, verflucht noch mal, warum schämst du dich nicht für deine fehlende Barrierefreiheit?

Kannst du mir das irgendwie beantworten? Es ist alles eine Kostenfrage für dich. Immer wieder die gleiche Antwort.

Jetzt gerade im Moment würde ich dich am liebsten mal ganz kräftig durchschütteln und anbrüllen. Und ich finde es verdammt schade, dass es mir nicht möglich ist, das zu tun. Vielleicht würde dann bei dir endlich mal normales Denken einsetzen und du aus deiner Lethargie und Teilnahmslosigkeit aufwachen, denn es kann jeden von uns treffen.

Wir können alle voreinander lernen. Warum tun wir es dann nicht? Warum bietest du deinem Volk nicht eine Selbstverständlichkeit an:

Gemeinsam lernen, leben und arbeiten. Egal, ob Nichtbehindert oder behindert, Ausländer oder sonst irgendetwas. Eine gemeinsame lebenswerte Gesellschaft für alle.

IST das denn zuviel verlangt von dir?

"Nicht behindert zu sein ist ist wahrscheinlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann." Der Satz stammt von Richard Weizsäcker und ich klaue einfach mal den Ausspruch von Roman Herzog: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen."

In Sachen Barrierefreiheit und Inklusion ist dieser dringend notwendig, liebes Deutschland.

Wir sehen und hören sehr bald voreinander.

P.S. Dieser Blogeintrag könnte zugegebenerweise sehr viel besser formuliert sein, aber ausnahmsweise hab ich mich einfach mal genauso lieblos verhalten wie du.
Politik  Barrierefreiheit  Menschen_mit_Behinderungen  Menschen  from google
august 2011 by toco
parteispenden in deutschland - labs.vis4.net
schöne visualisierung der parteispenden über 50.000 euro von juli 2002 bis juli 2011
politik  visualization  deutschland  politics  graphics  bundestag  internet  demokratie  parteispenden  spenden  opendata 
august 2011 by toco
Ich beginne zu glauben, dass die Linke denkt, dass sie nichts mit der Krise zu tun hat
Ok, der Titel braucht vielleicht eine Erklärung.

Am Anfang steht ein Satz von Charles Moore, zitiert von Constantin Seibt, mehr hier: “Ich fange an zu denken, dass die Linke vielleicht doch Recht hat.” Das nahm auch Frank Schirrmacher auf (“Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat”), gekontert von Clemens Wergin (“Hatte die Linke doch Recht?”). Und dann schrieb Michalis Pantelouris am Sonntag: “Ich beginne zu glauben, dass die Rechte tatsächlich langsam lernt, dass die Linke recht hatte.”

Also wie jetzt, wir stehen am Rande einer Krise und diskutieren darüber, dass nun auch die Rechten einsehen, dass in Wahrheit die Linke recht hat?

Keine Frage, der Kapitalismus hat seine Schattenseiten, das kann und soll immer wieder beleuchtet und diskutiert werden. Tatsächlich wird das in den Medien Tag für Tag gemacht. Welchen öffentlich-rechtlichen Sender man auch einschaltet, irgendwo beutet immer ein bösartiger Unternehmer seine Mitarbeiter aus – wenn nicht im “Tatort”, dann in einem der Polit- und Gesellschaftsmagazine. Offenbar kann sowas auch ein komplett durchregulierter Staat wie Deutschland, der solche Missstände mit einer Unzahl von Gesetzen zu unterbinden versucht, nicht verhindern. Mein Mitgefühl gilt allen, die dazu gezwungen sind, unter unwürdigen Bedingungen zu arbeiten.

* * *

Für mich gibt es in der Politik eigentlich nur zwei grundsätzliche Richtungen: Entweder will jemand mehr Staat oder weniger Staat. Alles andere sind politische Verteilkämpfe: mehr Armee auf Kosten des Sozialstaats, mehr Bildungsausgaben auf Kosten von Landwirtschaftssubventionen, mehr Umweltschutz auf Kosten von Sicherheit. Oder auch umgekehrt und kreuzweise.

Nun ist es allerdings so, dass die Linken meistens mehr Staat wollen. Sie glauben daran, dass mehr Bildungsausgaben bessere Schüler ergeben, dass mehr Wirtschaftssubventionen eine schlagkräftigere Wirtschaft schaffen, dass mehr Subventionen für Wind- und Solarkraft eine nachhaltigere Umwelt erzeugen. Es mag sein, dass ich hier falsch liege: dann möchte ich aber gerne wissen, wo sich linke Parteien zuletzt erfolgreich für weniger Staat eingesetzt haben, wo sie konkret Staat abgeschafft haben.

Wie auf dieser Grafik zu sehen ist, steigen die Schulden in Deutschland seit den 1960er-Jahren kontinuierlich an. So richtig massiv in die Höhe geschnellt sind sie aber erst in den 1990er-Jahren. Keineswegs sind nur Linke für die Schulden verantwortlich, der Druck, mehr staatliche Leistungen zu schaffen, geht aber seit je her vor allem von der linken Seite aus. Und auch wenn einige Linke in den Regierungen mit Vernunft gehaushaltet haben – ich kann mich nicht erinnern, dass Fiskaldisziplin jemals eine linke Tugend war.

Der Glaube, dass ein “starker Staat” jedes Problem löst, ist bei den Linken weit verbreitet. Und Sparen ist offenbar des Teufels. Wenn es um Einsparungen geht, also um die Rückgängigmachung finanzieller Exzesse, so liest man von linker Seite nur von Sparzwang, Sparwahn, Sparwahnsinn, Kaputtsparen, Totsparen oder gar von einer Spar-Pandemie, um mal ein paar Stellen der “Nachdenkseiten” zu zitieren.

* * *

Wie auch immer, das Schuldenproblem braucht eine Lösung. Also, meine Fragen an die Linken:

- Wie setzt Ihr Eure seit Jahrzehnten verbreiteten Ideen vom ausgebauten Sozialstaat um, ohne in den nächsten Jahren neue Schulden zu machen?

- Wie bezahlt ihr die Schuldenlast zurück, die Deutschland im Jahr 2011 mit 12.2% der Bundesausgaben belastet?
(übrigens: Arbeit/Soziales + Allgemeine Finanzverwaltung + Bundesschuld = 58.7% der Ausgaben)

Es gibt nur eine Bedingung bei der Antwort: Es dürfen keine neuen Schulden aufgenommen werden, da dieses Vorgehen in die Nähe des Bankrotts (siehe Griechenland) oder zu einer Abstufung der Kreditwürdigkeit (siehe USA) führt. Bitte, ich höre!

Bild: Flickr/stuartpilbrow, CC BY-SA-Lizenz

Nachtrag, 5. September 2011: Charles Moore äussert sich in einem Interview zu seiner Kolumne und zum Satz “I’m starting to think that the Left might actually be right”.
Politik  Wirtschaft  Constantin_Seibt  Deutschland  EU  Finanzkrise  Griechenland  Kapitalismus  Krise  Leistungen  Linke  Rechte  Schulden  Schuldenkrise  Sozialstaat  USA  from google
august 2011 by toco
Eine Variante von Godwin’s Law
Nachdem mich jemand darauf aufmerksam gemacht hat, dass der Artikel “Park’s Law” sehr missverstanden werden kann auf eine Art, die überhaupt nicht meiner Intention entspricht, habe ich ihn umformuliert.

Wir kennen ja alle mittlerweilse Godwin’s Law (und wer das nicht tut, folgt bitte kurz dem Link):

Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.

Mir ist eine Variante aufgefallen, die ich folgendermaßen formulieren möchte:

Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für den Vorwurf, das Diskussionsthema sei irrelevant angesichts anderer viel wichtigerer Dinge, dem Wert Eins an.

Nur auf den ersten Blick sieht es aus wie Godwin’s Law und funktioniert aber im Detail anders. Beispiele:

“Wie könnt ihr über den Tod von Amy Winehouse trauern, die ja schließlich selber schuld war, während in Norwegen 80 unschuldige Jugendliche ermordet wurden?”
“Was soll die Diskussion über die Klarnamenpflicht bei Google? Habt ihr keine echten Probleme?”
“Ihr diskutiert ernsthaft über Diäten, während in der 3. Welt Kinder verhungern?”
“Wie kannst du in deiner Situation von Diskriminierung reden angesichts Millionen ermordeter Juden?”
“Woher nimmst du die Frechheit, dich zu beklagen, wo doch der Herr für dich am Kreuze starb?”

Im Gegensatz zu Godwin’s Law werden obige Äußerungen in der Regel nicht von Diskussionsteilnehmern gemacht, die “gewinnen” wollen, sondern von “Diskussionspassanten”, die zum Beispiel via Facebook oder Google+ eher zufällig in eine Debatte geraten und offenbar ein Problem damit haben, dass andere Menschen angeregt ein Thema diskutieren oder einen Sachverhalt beklagen, den sie nicht für relevant halten (was sie nicht daran hindert, sich im folgenden in der Diskussion festzubeißen).

Mit solchen Äußerungen verschafft sich der Störer eine Art moralische Instant-Überlegenheit. Dem liegt die Vorstellung zu Grunde, nur weil es irgendwo objektiv größeres Leid oder größere Probleme gibt oder mal gegeben hat, dürfe man sein eigenes mehr oder weniger kleines Problem nicht diskutieren oder gar öffentlich beklagen. Das gipfelt häufig in den typischen Ausspruch “Get a life!” also der Unterstellung, man führe kein sinnvolles Leben, wenn man sich mit dem betreffenden Thema befasst (oder twittert oder ein iPhone besitzt). Es handelt sich also prinzipiell um ein Denk- und Fühlverbot.

Besonders beliebt ist auch die Verharmlosung psychischer Erkrankungen (“Stell dich nicht so an”), das Leugnen mitmenschlicher und gesellschaftlicher Verantwortung (“Du bist selbst für deine Gefühle verantwortlich.”),  die Unterstellung von Disziplinlosigkeit (“Reiß dich zusammen.”) oder die Rechtfertigung von Unrecht mit anderem Unrecht (“Anderen passiert sowas auch.”) und der Vorwurf der Instrumentalisierung (“Du willst dich damit ja bloß profilieren.”).

Während ein Nazivergleich eine Diskussion meistens beendet, fängt sie nach einem der oben genannten Einwürfe oft erst an, hitzig zu werden, wechselt aber das Thema hin zur Rechtfertigung der Diskussion als solcher, was dann allerdings meistens durch das Eintreten von Godwin’s Law endet. Es gibt gute Chancen, die Diskussion am Leben zu erhalten, wenn man der klassischen Regel “Don’t feed the troll” folgt und Einwürfe dieser Art ignoriert, was zugegeben selten leicht fällt. Problematisch dabei ist, dass diese Trolle sich selbst nicht für welche halten.

Ergänzung: Eine schöne Auflistung der “Internet-Gesetze” gibt es bei Felix Schwenzel. Man könnte sich jetzt fragen, ob “Get a life” nicht auch eine Abwandlung von Hartges zweitem Gesetz ist, aber ich glaube eher nicht. Es scheint eigenständig zu sein und braucht noch einen Namensgeber.
4Nerds  Hirnwindung  Politik  Godwin's_Law  Park's_Law  from google
august 2011 by toco
Porsche-Sondermodell für Berlin verbrennt klimaneutral
Klimawandel: Brennende Autos sorgen für laue Nächte

kojote/BERLIN, 06.06.11 - Der Autohersteller Porsche hat ein Sondermodell seines „Cayenne“ für Bewohner der Innenstädte von Berlin und Hamburg entwickelt. Die Besonderheit des „Cayenne Gentrifico“: Er brennt bei einer Brandstiftung umweltfreundlich ab.

Nach einer neuen EU-Studie ist das traditionelle Abbrennen von Autos der Marken Mercedes und Porsche in Berlin-Friedrichshain und Hamburg für zwei Drittel der globalen Erwärmung verantwortlich; jedes brennende Fahrzeug setzt zudem 1800 chemische Substanzen frei. Nicht aber der  Cayenne Gentrifico: „Karosserie und Armaturen bestehen aus unbehandeltem Teakholz, das rückstandslos verbrennt“, sagt Porsche-Chefdesigner Jonas Rabenschuh bei der Pressevorstellung des 300-PS-Boliden. Die Reifen seien aus einem Textilgemisch mit 90% biologisch erzeugter Baumwolle, die Sitzgarnituren aus feinstem Kaschmir. Alle Elektrokabel habe man mit sortenreinem Sisal umwickelt. „Der Motorblock aus Edelstahl ist so konstruiert, dass er beim Verbrennen zu einer handlichen Kugel schmilzt, die man beispielsweise als stylischen Türknauf im Carloft wiederverwenden kann“, erklärt Rabenschuh. So entstünden beim Abfackeln eines Cayenne Gentrifico weniger Schadstoffe als bei einem romantischen Kaminfeuer.

Das Highlight: Im 100 Liter Benzin fassenden Tank sind Aromadepots installiert, die bei einer Verpuffung angenehme Duftstoffe freisetzen. “Wahlweise in den Geruchsnoten Aperol oder Chai Latte“, kennt der Designer die Vorlieben seiner Zielgruppe. Die potenziellen Kunden zumindest scheint das Konzept zu überzeugen: „Ich habe lange überlegt, ob ich für die 700 Meter zur Trattoria wirklich so ein Auto brauche“, gesteht Projektmanager Karsten Sauerbein (18) aus der Berliner Liebigstraße, „doch jetzt kann ich ruhigen Gewissens zugreifen.“

Bild: By Russianname (Own work)  [CC-BY-SA-3.0] , via Wikimedia Commons; Text © Kojote-Magazin 2011


Auch interessant:Straßenkunst: Berlinweite Installation “Wege zum Stillstand” fast komplett kojote/BERLIN, 11.08.11 - Der Ausbau der berlinweiten Kunstinstallation „Wege zum Stillstand“ steht kurz vor dem Abschluss. Das gab die...
Größte Wellness-Dusche der Welt erfolgreich getestet – Regierung führt Spa-Steuer ein kojote/BERLIN, 02.08.11 - Ingenieure der Firma Weather Inc. haben sich zufrieden über den Test der größten Wellness-Dusche der Welt...
Aufmacher  Berlin  Auto  Politik  Prenzlauer_Berg  Umwelt  Verkehr  Wissenschaft  from google
august 2011 by toco
Und es ist doch wichtig, das mit Boetticher
Mein erster Reflex war: So what. Geht mich nichts an. Soll er doch eine 16-jährige Freundin haben.

Mein zweiter Reflex war: Die CDU ist gewohnt bigott - macht erst einen Ehebrecher zum Bundespräsidenten und schmeißt dann einen raus, der eine von der Normalität abweichende Beziehung führte.

Das hab ich auch gesagt, beispielsweise auf Twitter und so. Und bei aller persönlichen Sattelfestigkeit in moralischen Fragen rund um Beziehungen und Sexualität, die ich mir selbst bescheinigen würde, wäre die Tatsache, dass Boetticher das anders sieht, kein Grund, ihn abzulehnen. Ja, mir sind Schröder und Fischer mit ihrem nicht ausschließlich serienmonogamen Frauenverschleiß mehr als suspekt (und ich bin sogar davon überzeugt, dass ein großer Teil dessen, was ich weder politisch noch inhaltlich noch menschlich an ihnen ausstehen kann, mit ihrem skurrilen moralischen Kompass zusammen hängt). Aber ich trenne das irgendwie trotzdem.

Und dann dachte ich nach und las das eine oder andere (nein, nicht in Medien, da war nur abstrus von "Affäre" die Rede, was ich immer für eine Umschreibung von Bigamie hielt). Und hörte dies und das von Leuten, die in Schläfrig-Holstein besser vernetzt sind als ich, was mich erschaudern ließ. Und dann war ich erstmal still.

Aber dann las ich diesen abstrusen Beitrag von Richard Herzinger auf Welt Online, der von der üblichen betroffenheitsbesoffenen Clique weiter gereicht wurde, bis er auch bei mir ankam. Und da ist mir der Kragen geplatzt.

Denn trotz allem geht es hier nicht um Moral. Dachte ich auch erst, stimmt aber nicht. Es geht um Reife und um Persönlichkeit und um Haltung. Leider weiß ich nicht mehr, wer es war, der mich (auf Facebook) auf den Gedanken brachte, aber er stimmt. Ich habe ihn offline ausgetestet, er stimmt. Und darum schreibe ich ihn auf:

Ich habe jugendliche Söhne. Ich kenne 16-jährige Mädchen, weil die Jungs mit solchen rumhängen. Ich bin ungefähr so alt wie von Boetticher. Und ja, es kann passieren, dass da Mädchen sind, die flirten, sogar mit mir. Die sind 16, Hallo! Es wäre sogar denkbar, dass sie denken würden, sie wären in mich verliebt (ist mir nicht passiert, so weit ich weiß, aber das wäre rein theoretisch denkbar, wenn man mal von meinem Übergewicht absieht und davon, dass ich komisch bin).

Wie verquer müsste ich sein, wenn ich darin etwas anderes vermuten würde als jugendliche Experiementierlust und Schwärmerei?
Wie weit müssten mein Selbst- und mein Fremdbild auseinanderklaffen? Wie verantwortungslos müsste ich sein? Wie bekloppt sind die, die behaupten, ein Mann in meinem Alter und ein Mädchen im Alter meiner Kinder würden eine gleichberechtigte, symmetrische Beziehung führen können (denn das wäre sie, wenn es Liebe ist, Liebe geht nicht asymmetrisch)?

Meine Frage an von Boetticher ist keine moralische. Es ist eine nach seiner Reife. Und seiner Eignung zu einer Führungsaufgabe. Darum geht die Parallele mit Müntefering oder Kohl oder Seehofer oder sogar Wulff auch fehl. Ja, der eine oder andere mag viel älter sein oder moralisch viel verkommener. Aber außer Ole von Beust ist mir kein Fall bekannt (was nicht viel heißen soll), in der eine derart asymmetrische sexuelle Beziehung öffentlich wurde.

Und asymmetrisch meint hier: Der Erwachsene muss in einer Beziehung zu einem Kind oder Jugendlichen (und zwar in jeder Beziehung, ob wie hier in einer sexuellen oder unter normalen Umständen in einer lehrenden, erziehenden, arbeitenden) immer mehr Verantwortung für die Beziehung übernehmen als das Kind oder die Jugendliche. Selbst in einer auf Partnerschaftlichkeit angelegten Beziehung übernehme ich als (im Idealfall reiferer) Erwachsener ein Mehr an Verantwortung. Alles andere wäre unreif und schädlich.

Und darum bin ich nach einer knappen Woche nun doch der Meinung, dass es mehr als richtig ist, dass von Boetticher keine Führungsaufgabe mehr übernimmt. Weil sein Verhalten uns zeigt, dass er unreif ist, keine Verantwortung übernimmt, sich nicht von außen betrachten kann. Alles Eigenschaften, die mir persönlich wichtig sind bei einem, der das Amt anstrebt, das er anstrebte. Bei aller Leichtigkeit des Seins ist ein bisschen Ernsthaftigkeit nie schädlich. Und ein Kompass auch.

Sonst wird es so wie bei Schröder, Fischer oder von Beust. Das aber wäre eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden könnte...
leben  moral  kinder  politik  liebe  ethik  cdu  from google
august 2011 by toco
No Homo!?
Ich kann es nicht anders sagen als Torsun: Ganz, ganz gross!

Tweet
Gesellschaft  Haha  Politik  Hip_Hop  Homophobie  homosexualität  no_homo  Rap  from google
august 2011 by toco
Ein Manifest zur Daten(schutz)ethik
Michael Vogel und Benjamin Siggel haben ein Manifest zur “Daten(schutz)ethik” als pragmatischen Kompromiss zwischen Aluhüten und Spackeria skizziert, das ich für ein sehr brauchbares Gegenmodell zu Michael Seemanns “radikalem Recht des Anderen” halte, (das vereinfacht besagt, dass alle Informationen über dich automatisch Michael Seemann gehören und es unethisch sei, sie ihm vorzuenthalten. ;)

Das Manifest berücksichtigt, dass zwar nicht mehr aus der Welt zu bekommen ist, was einmal publiziert wurde, fordert aber ansonsten einen Ausgleich zwischen Sender und Empfänger in der Mikroöffentlichkeit. Unter anderem heißt es:

Menschen sind unterschiedlich. Was du ohne mit der Wimper zu zucken veröffentlichen würdest, kann für einen anderen ein intimes Detail sein und umgekehrt. Du musst daher keine Daten von Personen schützen, die dies nicht wünschen – andererseits aber auf Wunsch persönliche Informationen auch dann vertraulich behandeln, wenn du es selbst nicht nachvollziehen kannst. Respektiere das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen Individuums und setze nicht deine persönliche Sicht der Dinge an seine Stelle, denn auch deine Privatsphäre hängt von der Rücksichtnahme Anderer ab.

Der komplette Text ist ein gutes Stück umfangreicher und sehr pragmatisch und verständlich formuliert. Mir gefällt, dass er der Datenschutzkritik der Spackeria, Wikileaks, Facebook-Realität, Google Streetview und der Postprivacy durchaus Platz einräumt, aber trotzdem die informationelle Selbstbestimmung des einzelnen betont. Der Filtersouveränität des Empfängers wird die Filtersouveränität des Senders gleichberechtigt gegenüber gestellt. Zwischen beiden ist ein Ausgleich vorzunehmen.

Am besten ganz schnell ins Parteiprogramm damit, bevor sich Spackeria und Aluhüte in der Piratenpartei noch weiter zerfleischen. Bitte weiter verbreiten!
Politik  Datenschutz  Ethik  Privacy  from google
august 2011 by toco
Ein etwas anderes Team in den Bergen
Vor kurzem erreichte mich die Mail eines Freundes, nämlich von Benjamin Simon Busch mit dem Hinweis, dass er heute um heute, Samstag den 06. August um 17:45 Uhr im ZDF bei "Menschen - das Abenteuer" zu sehen ist.Da geht es um eine ungewöhnliche Bergtour von 5 jungen Frauen und Männern mit unterschiedlichen Behinderungen. Dazu gehören es die von Geburt an blinde Christiane, den kleinwüchsigen Peter, den Rollstuhlfahrer Reini und Michaela mit ihrer Beinprothese und eben der gehörlose Benjamin, welcher ganz bewußt auf einen Gebärdensprachdolmetscher verzichtete auf der Tour, damit er genauso "behindert" ist, denn für Gehörlose bezeichnen sich eher als kommunikationsbehindert und als eine sprachliche Minderheit als wirklich behindert.Bildrechte: Elisabeth zu Eulenburg(Bildbeschreibung für meine blinde Leser: Es ist ein Foto von der gemeinsamen Bergtour beider Überquerung des Gletschers. Ganz viel Schnee und ein hoher Berggipfel im Hintergrund. Benjamin ist in der gelben Jacke zu sehen und der Rollstuhlfahrer Reini wird in einem Spezialrollstuhl über den Gletscher gezogen, während es so aussieht als ob die blinde Christiane sich an dem Rollstuhl festhält zur Richtungsorientierung. Sonst stehen alle andere auf der gleichen Höhe vom Rollstuhl und offenbar merken alle außer Benjamin, dass sie gerade fotografiert werden. ;-) )Mit seiner Anmerkung, dass man als Gehörloser zwar nicht so körperlich einschneidend beeinträchtigt ist wie die anderen in der Gruppe, hat Benjamin recht und das Zitat: "Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen" trifft es genau. Helen Keller wird dieses Zitat zugeschrieben, aber tatsächlich stammt dieser von Imanuel Kant: "Nicht sehen können, heißt, die Menschen von den Dingen trennen. Nicht hören heißt, die Menschen von den Menschen zu trennen."Ob Benjamin mittendrin dabei sein wird in der Gruppe? Wir werden es sehen - heute um 17:45 Uhr.Benjamin's natürliches Fazit vor und nach der Tour ist: "Es ist höchste Zeit, dass die Gesellschaft ihre Meinung über Behinderte ändert. Denn wir können alle zusammen leben, arbeiten und Abenteuer bewältigen."Genau das sage ich schon die ganze Zeit, dass es allerhöchste Zeit dafür ist, denn wir können alle voreinander profitieren - Menschen mit Behinderungen und ohne Behinderungen. Es muss selbstverständlich werden, dass wir eine GEMEINSAME Gesellschaft sind und es völlig normal ist, verschieden zu sein, wie Benjamin in seinem Artikel für die Deutsche Gehörlosenzeitung es ausgedrückt hat!Die Vorschau auf die heutige Folge gibt es hier mit UntertitelMenschen - die ganze Folge von Menschen - das Abenteuer in der Mediathek- Jetzt auch mit Untertitel!Bericht über den Dreh und die Erfahrungen:"Was heißt schon behindert?"Ich freue mich auf die heutige Folge und nebenbei möchte ich einen älteren Blogartikel von mir ans Herz legen: "Mittendrin statt nur dabei!".P.S. Mich erreichte die Information, dass "Menschen - das Abenteuer" in der Mediathek wohl ohne Untertitel reingestellt wird, obwohl es im Fernsehen mit Untertitel kommt und "Menschen - das Magazin in der Mediathek" in der Mediathek üblicherweise mit Untertitel ist. Bin gespannt, ob ich am Montag dazu mehr wissen werde, warum das so ist.
Politik  Gehörlose  Barrierefreiheit  Kommunikation  Menschen_mit_Behinderungen  Menschen  Soziales  from google
august 2011 by toco
“Krass” statt 1: Hamburg führt neues Schulnotensystem ein
kojote/HAMBURG, 05.07.11  - Hamburg schafft zum kommenden Schuljahr das verpflichtende Erlernen der Schreibschrift ab. So will man die Schüler entlasten. Aus Fachkreisen wurde jetzt bekannt, dass auch das herkömmliche Zensurensystem aufgegeben werden soll: Anstelle komplizierter Zahlen finden die Schüler auf dem Zeugnis die verständlicheren Bewertungen endgeil (1), krass (2) , phat (3), porno (4), schwul (5) und Opfa (6) .

 

Vorschaubild: Andreas Praefcke [Publik Domain] via Wikimedia Commons


Auch interessant:Größte Wellness-Dusche der Welt erfolgreich getestet – Regierung führt Spa-Steuer ein kojote/BERLIN, 02.08.11 - Ingenieure der Firma Weather Inc. haben sich zufrieden über den Test der größten Wellness-Dusche der Welt...
Aliens klagen gegen hohe Roaming-Gebühren auf der Erde kojote/ Rosswell, 27.07.11 - Die EU hat erst kürzlich die Roaming-Tarife für mobiles Telefonieren und Surfen im Ausland gesenkt....
Homöopath nach einem Tropfen Wein volltrunken am Steuer kojote/Bielefeld, 11.07.11 - Ein führender Homöopath ist bei einer Verkehrskontrolle volltrunken aufgegriffen worden - obwohl er nach eigenen Angaben...
Aufmacher  Nachrichten  Jugend  Politik  Verbraucher  Vermischtes  Wissenschaft  from google
august 2011 by toco
Pseudonymintoleranz
Ich habe heute mal was in dieses Google-Plus reingeschrieben, das so umfangreich und fehlerhaft war, dass ich es lieber hier noch mal redigiert bloggen möchte. Ich finde, ich habe in diesem Text meinen Standpunkt relativ erschöpfend zusammengefasst, und habe damit einen Link, den ich allen Pseudonymphobikern an den Kopf werfen kann – oder auch Leuten, die der Auffassung sind, ich wolle mich mit dem Thema nur profilieren.

Mir kommt bei dieser Pseudonym-Diskussion den Verdacht, dass ein Teil derjenigen, die auf Klarnamen bestehen, in Pseudonymen einen kulturelle Affront sehen und sie sich deshalb in einem Netz der Pseudonyme fühlen wie Sarrazin in Kreuzberg. Das betrifft vor allem diejenigen, die schon gar nicht mehr den Text lesen, den ich verlinke, sondern munter drauflos kommentieren. Ich fühle mich gerade in dieser Debatte ein wenig wie Sascha Lobo - der kennt ja auch das Problem, dass manche reflexartig das Maul aufreißen, sobald er überhaupt etwas schreibt – egal was und worüber eigentlich.

Mir geht es um das gute alte “On the Internet, Nobody Knows You’re a Dog”. In dieser Hinsicht bin ich wohl etwas konservativ. Ich finde diese alte Sicht aufs Netz gut. Dabei geht nicht nur darum, dass keiner Wissen soll, wer ich bin, sondern dass ich Freiheitsgrade gewinne, mit meiner eigenen Identität zu spielen und sie zu erforschen. Anders gesagt: “Die Ennomane” gäbe es ohne das Internet gar nicht und sie deckt sich auch nicht zu 100% mit “Enno Park“. Trotzdem bin ich sowohl “Die Ennomane” als auch “Enno Park” und wenn eine der beiden Identitäten weniger echt sein sollte, dann wüsste ich noch nicht einmal zu sagen, welche von beiden denn eigentlich.

Es geht aber auch um reale Anonymität und dass sie Menschen schützt. Anonymität mag zwar eine Illusion sein, aber in der Praxis ist hinreichende Anonymität im Internet sehr wohl möglich, auch wenn sich theoretisch mit hohem Aufwand die Personalausweis-Identität jeder Person feststellen ließe. Theoretisch kann man sich aber auch bei Clubtreffen der Anonymen Alkoholiker an den Eingang stellen und schauen, ob da jemand reingeht, den man kennt. Die Frage, in welchem Grad Anonymität eigentlich möglich und machbar ist, hat also kein genuines Problem des Internet und spielt in dieser Debatte eigentlich nur eine untergeordnete Rolle.

Die Liste unter “Who is harmed by a “Real Names” policy?” ist geradezu erschlagend. Zumindest für Teile der in dieser Liste genannten Zielgruppen, Minderheiten und Menschen ist es essenziell, Pseudonyme zu verwenden. Leute, die das als Befindlichkeiten oder Mimimi abtun, sollte man mit Fug und Recht als Ignoranten bezeichnen dürfen. Und auch wenn es in Deutschland keine politische Unterdrückung geben mag: Stalking, Sexismus und Diskriminierung im kleinen kommen auch hier sehr wohl vor.

Auch will mir das Argument, Google habe ein “Hausrecht” auf seiner Plattform, nicht einleuchten. Natürlich ist niemand gezwungen, Google+ zu verwenden – hat man aber ein gesellschaftliches Anliegen und möchte man dieses vortragen, dann ist es eine empfindliche Einschränkungen, von Plattformen wie Google oder Facebook ausgesperrt zu werden – auch wenn Google+ diese Relevanz derzeit noch nicht hat. Ich wage die Behauptung, dass Pseudonymintoleranz eine Einschränkung der Meinungs- und Redefreiheit ist – sogar eine recht empfindliche, weil schon die Basis der Meinungsfreiheit betroffen ist, nämlich unter welchem Namen oder mit welcher Identität ich mein Grundrecht eigentlich ausüben will. Schließlich wirkt jede Äußerung eines Menschen immer auch im Kontext der Person, die sie ausspricht.

So etwas wie ein “Hausrecht” kann deshalb sehr wohl durch Gesetze eingeschränkt sein: Zum Beispiel muss eine Zeitung Gegendarstellungen abdrucken – und auch ein Anbieter von Online-Communities ist zumindest in Deutschland nach dem TMG gesetzlich dazu verpflichtet, die Nutzung unter Pseudonym zu ermöglichen.

Als wäre das alles noch nicht genug, hält sich Google noch nicht einmal an die eigenen Richtlinien. Auch die neuesten Statements von Google-Mitarbeitern fordern weiterhin Klar- bzw. Alltagsnamen, die eine eindeutige Zuordnung erlauben. Gleichzeitig wurden aber Leute wie Michael “mspro” Seemann, ich selbst und einige andere Pseudonym-Nutzer wieder freigeschaltet. Selbst wenn Google+ langfristig wegen der Klarnamenspflicht verxingt und nur noch als Plattform für Business-Auftritte mit verbalem Schlips taugen sollte, so muss doch wohl gleiches Recht für alle gelten.

“Get a life” ist an dieser Stelle auch nur ein Argument derjenigen, sie sich ein Leben außerhalb ihres eigenen Tellerrandes nicht vorstellen können. Es kommt ja regelmäßig vor, dass Leute es für nötig halten, meine selbstgewählte Lebensweise zu kritisieren. Meistens mit dem Tenor, das sei ja alles nicht echt in diesem Internet und könne das “reale Leben” nicht ersetzen. Die meisten verstummen dann, wenn ich ihnen sage, dass schriftliche Kommunikation im Kontext meiner Gehörlosigkeit irgendwie ja doch ziemlich toll und hilfreich ist. Nur warum muss ich das überhaupt sagen? Warum mich eigentlich dafür rechtfertigen? Ich rufe auch niemandem “Get a life!” zu, der seine Zeit gerne mit dem Fernseher verbringt, was ich persönlich als Zeitverschwendung empfinde.

Es ist wie mit der Beweislastumkehr: Jemand, der etwas verbietet, muss begründen, warum es verboten sein soll, und nicht umgekehrt. Die einzigen Argumente, die ich bisher für ein Pseudonymverbot gehört habe, sind “hilft gegen Trolle” und “ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe”. In beiden Fällen ist den Leuten sehr einfach geholfen, indem sie Pseudonym-Identitäten einfach nicht in ihre Google-Plus-Kreise aufnehmen. Wie absurd diese Argumentation ist, sieht man daran, dass man mit ihr eine Klarnamenspflicht auf Datingseiten noch viel besser begründen könnte.

Am Ende kommt dann das Argument, ich wolle mich ja bloß auf Kosten des Themas profilieren. In dieser Hinsicht kann es sowieso niemandem Recht machen. Schreibe ich Google-kritisch, dann betreibe ich “Google-Bashing”. Schreibe ich Google-freundlich, bin ich ein Fanboy und habe gut Reden so als freigeschalteter Pseudonym-Nutzer, der etwas gleicher als die anderen ist. Manche Leute scheint es aus irgendwelchen Gründen zu stören, dass ich überhaupt schreibe und dann auch noch frecherweise über Dinge, die sie gar nicht interessieren oder in denen ich – der Gipfel der Perfidie – eine andere Meinung vertrete als sie selbst. Dabei ist niemand gezwungen, meinen Sülz zu lesen. Niemand muss mich in seine Circles packen. Niemand auf Twitter folgen. Wie übrigens alle anderen Pseudonym-Nutzer auch. So einfach ist das.
4Nerds  Hirnwindung  Politik  Autonyme  Google  Pseudonyme  from google
july 2011 by toco
“… und jetzt fragt ihr uns nach lösungen?” #spanishrevolution
“yes we camp!” stell dir vor in spanien und griechenland gehen die menschen auf die straße und ein paar ecken weiter machen andere ihren urlaub.
wenn ich mal mit dem thema der demokratie-bewegung innerhalb europas konfrontiert bin, schwanke ich zwischen faszination und ratlosigkeit. berlin mag zwar in der mitte europas liegen, aber das heißt noch lange nicht, dass man alles mit-bekommt. sorgen mache ich mir aber keine. oder sollte ich? ich echauffiere mich häufiger im alltag, mehr als mir lieb ist, aber ich bin noch welten davon entfernt mich zu empören.
ich bin meiner meinung nach auch viel zu schlecht informiert. teilweise liegt die schuld bei mir, teilweise auch an dem verblüffenden desinteresse von seiten der medien. dank internet ist man nur einen klick von den ereignissen und der partizipation entfernt. so gibt es auf echte-demokratie-jetzt.de eine ausführliche begleitung der geschehnisse. uli ist einer der verantwortlichen der seite und mit ihm habe ich per e-mail ein interview geführt, um mehr zu erfahren.

hallo uli, wo planst du deinen nächsten urlaub? griechenland? vielleicht nach athen? oder gehts nach madrid?

hallo olli!
uiuiui. urlaub. was ist das? im moment passiert so viel in der welt, da kann ich nicht einfach urlaub planen. madrid wäre toll, um etwas vom “spanischen geist” mitzubekommen. aber auch urlaub am see ist schön.

was ist das für ein “spanischer geist”?

seit dem 15. mai gingen in spanien tausende menschen auf die straßen und campierten einen monat lang auf zentralen plätzen in über 60 städten. aufmerksam bin ich geworden durch das auftaktvideo hier:

das war am 17. mai.
in den deutschen medien: gähnende leere.
auch online: leere.
lediglich internationale medien und ein paar deutsche blogger haben berichtet.
darüber habe ich mich empört und zusammen mit thomas stelling die website http://www.echte-demokratie-jetzt.de in einer nacht-und-nebel-aktion ins leben gerufen.
dort sammeln wir informationen zu der spanischen protestbewegung, um dem “leitmedienblackout” entgegenzuwirken. denn es sieht so aus, als würde dort etwas neues stattfinden. menschen erheben zusammen ihre stimme, denn sie fühlen sich von ihren politikern nicht mehr vertreten. sie kommen miteinander ins gespräch, erötern probleme und suchen lösungen durch konsens. vor allem hören sie einander zu. respektvoll und ohne vorurteile. sie haben keine angst, denn sie haben nichts zu verlieren. da entsteht ein neues “wir”, wie es auch im arabischen frühling schon durchschimmerte.
===

für die linksammlung
die ersten berichte

seit dem 17. mai ist viel zeit vergangen. hat sich in den medien seitdem etwas verändert?

ja und nein. ein paar berichten mehr und ausführlicher als andere. aber frag doch einfach mal selbst im freundes- und bekanntenkreis, ob man, bzw. was man von spanien gehört hat.

guter punkt. liegt es also nicht nur an den medien, dass die aufmerksamkeit fehlt? warum kommt diese bewegung scheinbar bei den leuten nicht an?

ich denke es herrscht seit einiger zeit ein aufmerksamkeitskampf.
um ihn zu gewinnen wird eine sau nach der anderen durch die medienwelt getrieben.
egal, ob du offline, online, etabliert oder “nur” in blogs schaust.
die schlagzeile “friedliche demonstranten reden miteinander und fordern eine echte demokratie” zieht bei unserer heutigen (medialen) abstumpfung nicht.
deshalb berichten die etablierten medien oft erst, wenn gewalt ins spiel kommt.
der eine punkt ist also: es wird in den leitmedien wenig berichtet.
der andere ist: wir werden mit vermeintlich wichtigen nachrichten so zugemüllt, dass viele interessante geschehnisse untergehen.
es liegt also am einzelnen, ob er oder sie sich selbst informiert, was ja dank internet relativ einfach wäre.
doch vermute ich, dass das viele nicht tun, weil man beispielsweise im job schon genug um die ohren hat oder es in der familie kriselt und man dann am liebsten nur noch sagt:
“lass mich doch wenigstens in meiner freizeit in ruhe abschalten.”
oder was denkst du?

das wäre im Bezug auf mich einigermaßen zutreffend. andererseits: wo und wie könnte ich einen Beitrag leisten?

die frage ist ja erst mal:
willst du einen beitrag leisten… und wenn ja, warum? und wofür?
selbst gut ausgebildete menschen in spanien haben auf dem arbeitsmarkt verloren, weil sie keinen job bekommen. und falls sie doch einen bekommen, dann ist er nicht gut bezahlt. es gibt eine sehr hohe jugendarbeitslosigkeit und sie glauben, dass es an den gegenwärtigen (gesellschafts)strukturen liegt.
deswegen stellen sie “das system” in frage und denken darüber nach, in welcher gesellschaft sie leben wollen.
jetzt kann man sagen, dass das ein rein südländisches problem sei (griechenland, portugal, spanien, italien,…), doch schaut man genauer hin, sind das fragen, die auch in anderen ländern auftreten – wenn auch in unterschiedlicher brisanz.
die spanischen demonstranten fühlen sich von ihren politikern nicht vertreten und wünschen sich mehr mitsprache an ihrem eigenen schicksal.
dafür haben sie viele gespräche geführt und möglichst viele redebeiträge einbezogen, um beim jeweiligen thema zu einem konsens zu kommen. einem konsens der dem gemeinwohl, dem “common sense”, gerecht wird und nicht nur einzelnen interessensvertretern.
dein beitrag?
vielleicht: informier dich und komm ins gespräch mit menschen.
es gibt viele initiativen und webseiten, die sich mit diesen themen befassen.

was – abgesehen von der diskussionskultur – hat sich bislang dank der bewegung durchsetzen können? was wurde bislang erreicht?

die demonstranten werden oft belächelt, weil sie keine konkreten ziele nennen. unser denkmuster: konkrete ziele und deren umsetzung bieten einen erfolgsmaßstab.
der große erfolg in spanien scheint mir aber nicht-messbarer art zu sein.
die menschen haben erkannt, dass sie zusammen etwas bewirken können.
und sie haben erkannt, dass die komplexen probleme, die wir weltweit haben, nicht von ein paar experten gelöst werden können.
durch perfekt organisierte gruppengespräche versuchen sie kollektive intelligenz zu erzeugen. eine kurze anleitung dazu haben wir übersetzt:
das große spanische gespräch
das ganze läuft ja unter dem twitter-hashtag #spanishrevolution.
so diskutierten wir auch, was revolution überhaupt bedeutet. dazu hat tom den ersten blogeintrag verfasst.
auch wenn massen auf der straße erstmal eher bedrohlich wirken, so ist es doch eine sehr friedliche revolution (wenn man es so nennen will). und so chaotisch das zeltlager auf der Puerta del Sol in Madrid gewirkt haben mag – auch das war sehr gut durchdacht und es wurde für jeden gesorgt. mit essensausgabe (was umliegende anwohner und geschäftsinhaber brachten), bibliothek, krabbelstube,… die menschen hatten gemeinsam spaß und ein starkes zusammengehörigkeitsgefühl.
es wird von einer revolution des bewusstseins gesprochen. dazu ein schöner artikel: Die Revolution des Bewusstseins
rEvolution 3.0 sozusagen.

das klingt für mich sehr diffus. offensichtlich gibt es konkrete anlässe und gründe der unzufriedenheit. warum gibt man sich dann ausgerechnet mit unkonkretem zufrieden? damit ist doch nichts geändert?

richtig. geändert ist erst mal noch nichts. und zufrieden geben sie sich nicht, denn sie sind ja die “indignados”, also die empörten.
sie sind grundlegend unzufrieden und sagen: “wir sind nicht gegen das system. das system ist gegen uns.”
etwas konkreter: politiker vertreten ihre lobby – nicht das volk.
klar wurden sie seitens der politik auch gefragt, was sie denn wollen und haben als gegenfrage sinngemäß gestellt: “ihr politiker habt euren job nicht ordentlich erfüllt und uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind. und jetzt fragt ihr uns nach lösungen?”
die spanier wünschen sich eine politik, die von breiter basis getragen wird. dafür experimentieren sie mit konsensprozessen und initiieren dafür gespräche mit vielen. das ist für unsere zeit neu und lässt sich nicht in eine klassische schublade stecken.
geändert hat sich vor allem die einstellung oder geisteshaltung einiger spanier.
sie haben ihre augen geöffnet…

und erkannt, dass sie zusammen viele sind…

ich glaube, wer diese bilder sieht und nicht merkt, dass sich da etwas verändert hat… der kann noch ein zweites mal hinschauen ;-)

disclaimer: mit uli habe ich in konstanz philo studiert und pferde gestohlen. kein pferd ist dabei zu schaden gekommen, aber die gedanken wurden freier.



ähnliches:revolution 20 euro
medien-zukunft ganz unmittelbar
wer nicht fragt bleibt dumm
aktionismus  2011  dialog  einstellung  gesellschaft  gespräch  interview  politik  projekt365  video  spanishrevolution  from google
july 2011 by toco
Jetzt wurde auch mein GooglePlus-Profil gesperrt (Update)
Es gab die letzten Tage einige Diskussion darüber, dass Google in Google+ Klarnamen verlangt. Etliche Profile sind dafür gesperrt worden, schließlich meldeten dann aber große Blogs wie Engadget oder t3n, dass ihre GooglePlus-Profile wieder freigeschaltet seien. Wenn die großen das dürfen, will ich auch, dachte ich mir, und änderte meinen Profilnamen von “Enno Park” in “Die Ennomane”.

Es dauerte ungefähr 8 Stunden, bis mein Profil gesperrt wurde. Das äußerte sich zunächst darin, dass ich mich überhaupt nicht mehr auf meinen Google-Account einloggen konnte. Egal ob E-Mail-Programm oder mit Google gekoppelter Nebenkalender im iPhone – nichts ging mehr. Ein Zustand, der mir nochmal eindrücklich vor Augen führte, mich keinesfalls von irgend einer Cloud abhängig zu machen.

Immerhin konnte ich meinen Google-Account innerhalb von Minuten wieder freischalten lassen, indem ich – unter Zähneknirschen – meine Mobilnummer angab, auf die per SMS ein Entsperrcode gesendet wurde. Google hat also jetzt meine Telefonnummer, die anzugeben ich gegenüber Google oder Facebook jahrelang bewusst vermieden habe. Nicht dass ich von Google Cold Calls befürchte – ich will einfach nicht, dass sie Teil meines Social Graph ist oder verwendet wird. Punkt.

Damit konnte ich dann zunächst wieder alle Google-Dienste nutzen – bis auf einen: Mein GooglePlus-Profil ist gesperrt. Immerhin kann ich noch lesen, was die Leute in meinen Kreisen so schreiben, selber etwas posten oder Leute in Kreise aufnehmen kann ich aber nicht. Ich denke zwar, dass ich gegen Punkt 13 der die Community-Richtlinien verstoßen haben dürfte – aber das soll Google mir bitte genauer sagen, schließlich könnte ich ja auch ein antiklerikales Posting als “Hassrede gegen Religionen” interpretiert worden sein?

Ich möchte nicht wissen, wieviele Leute von einer Sperrung betroffen sind und einen Hinweis auf die Community-Richtlinien angezeigt bekommen aber im Dunkeln tappen, was genau eigentlich ihr “Vergehen” war. Ich denke da zum Beispiel an Tobias Wimbauer. Anders als bei Tobias hat sich Google bisher nicht per Mail bei mir gemeldet. Ich weiß noch nicht einmal, an wen ich mich in dieser Sache wenden kann – es gibt nur einen Link, “Profil erneut überprüfen”, der verschwindet, wenn man auf ihn klickt.

Dafür gibt es nur ein Wort: kafkaesk. Wir sollten aber nicht vergessen: Auch wenn Google in seiner so genannten Firmenphilosophie anderes behauptet (“Der Nutzer steht an erster Stelle“), sind wir Nutzer keine Kunden sondern Daten-Rohstoff – und werden auch so behandelt. Im Grunde funktionieren Google und Facebook nicht anderes als die Matrix – nur dass die gekoppelten Menschen noch frei herumlaufen und Information statt Energie liefern.

Ich jedenfalls bestehe darauf: Solange die großen dürfen, will ich auch mein Profil unter meinem Blognamen führen dürfen – schließlich ist “Die Ennomane” seit Jahren nicht wenigen Lesern ein Begriff, hat durchaus ein paar mehr Follower auf Twitter und verzichtet nur deshalb auf Werbung, weil ich es nicht kommerziell betreiben möchte. Wenn nicht, soll Google uns bitte erklären, warum einige Blogs gleicher sind als andere.

Update: Matthias hat in den Kommentaren einen Link ausgebuddelt, den ich selber nicht mehr finden konnte: In “The Freedom to be who you want” vom Februar dieses Jahres beschreibt Google wortreich, dass es unter anderem ein Recht der Nutzer sei, im Netz Pseudonyme zu verwenden. Das steht im diametralen Widerspruch zu Googles Community-Richtlinien. Wenn Google schon bei der Pseudonym-Nutzung eine “Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern”-Policy fährt, warum sollte es beim Datenschutz dann anders sein?

Update: So eine Sperre in Google+ bedeutet übrigens auch, dass man auf Buzz nicht mehr posten kann (meh!) und im Google Reader keine Artikel mehr empfehlen kann, was mich dann doch sehr ärgert. Mal sehen, was noch alles nicht geht. Immerhin darf ich als “Ennomane” noch Mails versenden…

Update: Mein GooglePlus-Profil ist nach ca. 20 Stunden wieder freigeschaltet. Geändert habe ich nichts am Profil und Google hat sich auch nicht bei mir gemeldet. Die große Frage ist jetzt, ob Google mein Profil auch so schnell von sich aus wieder freigeschaltet hätte oder ob die viele Resonanz im Netz bis hin zum SPON-Bericht dabei ein wenig nachgeholfen hat. Bin ich jetzt auch ein wenig gleicher als andere? Oder ist die vorübergehende Sperrung einfach das übliche Prozedere für Pseudonym-Nutzer, ein der Beta geschuldeter Workaround quasi, weil Google noch keinen Workflow für sowas hat?

Update: Auch wenn mein Account wieder freigeschaltet ist, ist die Sache noch lange nicht gegessen. Neu gesperrte Accounts von (auf Twitter) durchaus bekannten Pseudonymen: “@Muschelschloss“, der allseits geschätzte Inkognito-Satiriker @GermanPsycho und Sebastian “@Sebaso” Sooth sowie die offenbar ganz schlimmen Trolle von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften. Christian “Plomlompom” Heller ruft mittlerweile dazu auf, Pseudonyme auf Google+ zu verwenden. Dem schließe ich mich an. Sein Profil ist trotz der Umbenennung bisher nicht gesperrt. Mal sehen, wie lange das so bleibt.
4Nerds  Politik  Google  from google
july 2011 by toco
Krisenmeisterer Schweden
Die Washington Post beschreibt, warum Schweden so gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise kam und jetzt wieder einmal als Vorbild herumgereicht wird. (via Fabian)

Dazu kann man hinzufügen, dass die unglaublich geringen Zinsen den Wohnungsmarkt weiter befeuert hatten, so dass hier keine Blase platzte. Und weil so viele Schweden einen Kredit auf ihrer Wohnung oder dem Haus haben, hat die Zinssenkung den Leuten viel Geld zum ausgeben in die Taschen gespült.

Allerdings kosten Kredite wegen des Aufschwungs mittlerweile wieder mehr und es wurden strengere Regeln für deren Vergabe eingeführt. Das dämpft die Nachfrage an Immobilien und in den letzten Monaten zeigt die Entwicklung nicht mehr steil nach oben, sondern die Preise fallen. Wenn der Wohnungsmarkt tatsächlich überbewertet ist, dann ist es vielleicht sogar sehr schlau, auf diese Weise eine langsame Anpassung zu erreichen, anstatt die Preise weiter anzuheizen und einen plötzlichen Absturz zu provozieren.
Schweden  Besser  Geld  News  Politik  Wirtschaft  Wohnen  from google
july 2011 by toco
Die populäre Alkoholsteuer
Jeder dritte Schwede will die Alkoholsteuer erhöhen. Nur noch jeder fünfte will sie senken. Vor nur fünf Jahren wollten dies noch ganze 57 Prozent. Außerdem ist die Zahl derer, die Alkoholverkauf im Supermarkt befürworten von der Hälfte auf ein Drittel gesunken.

Ein wenig verwundert mich die große Veränderung in der Statistik in so kurzer Zeit. Ich erinnere mich an keine besonders ausgeprägte öffentliche Debatte zum Thema. Die Politik will auf jeden Fall die Gelegenheit beim Schopfe packen und im Herbst die Alkoholsteuer erhöhen.
Schweden  Alkohol  Politik  Seltsam  Statistik  from google
june 2011 by toco
Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen: Der Stock im Po
Ein altes Bonmot besagt: Fußball ist, wenn 22 Idioten hinter einem Ball herrennen – wo übrigens sehr viel wahres dran ist. Das war so ungefähr auch meine Haltung, bis ich mich bei einem Krankenhausaufenthalt mehr oder weniger zwangsweise mit den Vorrundenspielen der Männer-Fußball-WM 1994 auseinandersetzen musste und zu dem Ergebnis kam, dass es voll okay ist, wenn Unterhaltung die niederen Instinkte stimuliert, solange man keine Religion draus macht – übrigens der Grund, warum ich dann seither mit den Ligen, Fantum und Vereinsmeyerei nicht wirklich warm werden konnte, bis heute aber sehr gerne die Fußball-WM und -EM verfolge.

Es gibt keine objektive Messlatte für Relevanz. Relevant ist alles, was Menschen wichtig ist. Wenn sich viele für “Deutschland sucht den Superstar” oder “Germany’s next Topmodel” interessieren, dann erzeugt das Relevanz, egal wie weh das tut. Relevanz ist urdemokratisch, wird aber häufig fälschlich mit Niveau verwechselt – zum Beispiel immer dann wenn Fußball-Hasser wieder von der Irrelevanz des Fußballs reden. Interessant wird die Lage jedoch, wenn Fußball-Freunde von der Irrelevanz des Frauen-Fußballs reden.

Dass die Frauen-Fußball-WM 2011 auch frauenfeindliche Reaktionen hervorrufen würde, war klar. (Der verlinkte Screenshot stammt übrigens von einer rechtsradikalen Webseite, die ich nicht verlinken mag, und ist vom Autor ernst gemeint.) Haters gonna hate. Dass es im Rahmen der WM sexistische Witze hagelt, ist auch keine so große Überraschung. Wirklich überraschend ist, dass Frauenfußball sichtbar macht, wieviele Menschen dann doch mit einem Stock im Po herumlaufen:

Warum sorgt sich die “taz” um den Feminismus, wenn sich die Spielerinnen so gar nicht feministisch geben mögen und jenseits des Fußballs gerne ihre Weiblichkeit unterstreichen – und ortet dann doch Feminismus, wo keiner sein will?
Warum ängstigt sich die “Zeit”, von der Frauen-Fußballnationalmannschaft werde das unmögliche verlangt - und würde sie wirklich dasselbe vor einem Männer-Turnier schreiben?
Warum empfindet Fußball-Fan und Bloggerin Mellcolm eine derartige Abneigung vor kickenden Frauen, dass sie wortreich wie inhaltsarm niederschreiben muss, dass es “einfach nicht geht” – anstatt einfach nicht hinzugehen oder hinzusehen? Und nebenbei – was geht denn für Frauen? Oder altmodischer formuliert: Was schickt sich?
Warum lamentiert Malte Welding, dass er sich für Frauenfußball nicht interessiere, “weil ich nie damit behelligt wurde.” Ist es wirklich so, dass Frauen-Fußball behelligend ist, bloß weil Papi damals mit ihm nur bei Männer-Fußballspielen war?
Warum genau soll man Namen der Spielerinnen nennen können, bevor man sich ein Spiel ansieht? Ich hätte bei der überwiegenden Mehrzahl aller Männer-Fußballspiele, die ich bisher gesehen habe, kaum Namen nennen können.
Warum wird jedem, der sich in den kommenden Wochen ein paar Spiele ansehen möchte, unterstellt, er fiebere oder sei gar “Nationlalist, um nicht frauenfeindlich zu wirken“?
Aus welchem Jahrhundert stammt die Denke hinter der ernsthaft gestellten Frage: “Warum müssen Frauen überhaupt versuchen, es in allen Bereichen den Männern gleichzutun? Fußball, Skispringen, Ringen. . . Die Herren versuchen’s doch auch nicht mit rhythmischer Sportgymnastik.” – Warum sollten sie nicht?
Wieso eigentlich diese an Verschwörungstheorien grenzende These, der Frauenfußball sei ein Hype – während ich in meinem Umfeld einfach nur wohlwollendes Interesse und Neugierde wahrnehme? Selbstverständlich ist das Interesse nach zwei Weltmeistertiteln in Folge groß. Das als “Hype” abzutun, wertet die fußballernden Frauen schon wieder ab. Dass “Bild” mal wieder hirnverbrannt titelt wird maßlos überschätzt – genauso wie unterschätzt wird, dass es früher schwer war, sich Frauenfußball überhaupt anzusehen, weil der nämlich kaum im Fernsehen oder in Sportbars lief.
Und warum eigentlich sollte Frauen-Fußball nicht als Medien-Ereignis taugen, bloß weil die Spielerinnen Amateure sind im Gegensatz zum männlichen Berufsfußballer? Mit dem Argument dürfte man sich die meisten Sportübertragungen bis hin zu den Olympischen Spielen gar nicht ansehen – die Amateur-Sportarten sind weitaus zahlreicher als diejenigen mit Profi-Ligen.
Wie kommt man auf die Frage “Wieviel Rampenlicht verträgt der Frauenfußball” – sind Frauen bzw. ist Frauenfußball irgendwie besonders zu schützen im Vergleich zum Männerfußball, der schon groß ist und alleine auf sich aufpassen kann?

Diese seltsamen Reaktionen vieler Leute auf den Frauenfußball erinnern mich an Homophobie und klingen für mich wie die Skala von “Wenn sie es nicht öffentlich tun…” über “Solange sie mich nicht damit behelligen…” bis “Das ist wider die Natur!”. Offenbar ist es für viele Menschen noch immer tief verunsichernd, wenn andere Menschen einfach leben, wie sie möchten – und sei es etwas so banales wie als Frau Fußball zu spielen.

Dabei ist es so einfach: Frédéric Valin schreibt ein paar freundlich-sachliche wie amüsante Zeilen zur Lage des Frauenfußballs, mit denen bewaffnet man sich auf die Spiele freuen kann. Und wer die Spiele nicht sehen will: Es vollkommen ok, wenn man keine Lust dazu hat und es geht absolut in Ordnung, wenn man findet, 22 Idiotinnen, die hinter einem Ball herrennen, seien uninteressant. Ist nämlich bei Männern auch nicht anders. So rein von der Relevanz jetzt.
Hirnwindung  Politik  Frauenfuß  Weltmeisterschaft  from google
june 2011 by toco
Bremer FDP-Chef dankt Wählern persönlich
kojote/BREMEN, 24.05.11 – Der Chef der Bremer FDP hat sich am Montag mit einem Sektempfang persönlich bei allen Wählern seiner Partei bedankt. Der restliche Inhalt der Flasche wurde an Passanten ausgeschenkt.



No related posts.
In_Kürze  fdp  Politik  Vermischtes  from google
may 2011 by toco
Pro-Homo-Rap
Jeder Tag ist ein Internationaler Tag gegen Homophobie. Word an Sookee und Tapete.

via Torsun u.a.
Politik  Hip_Hop  Homophobie  homosexualität  Sookee  Tapete  from google
may 2011 by toco
Trotz Verbot: Polizei filmt friedliche Demonstranten
Letzten Sommer hat das Berliner Verwaltungsgericht entschieden, dass die Polizei in Berlin Demonstranten nicht filmen darf, so lange kein konkreter Tatverdacht besteht:

Das Verwaltungsgericht stellte im Bezug auf die Anti-Atom-Demo nun fest, dass der einzelne Teilnehmer bei einer Beobachtung der Versammlung im “Kamera-Monitor-Verfahren” damit rechnen müsse, aufgezeichnet und registriert zu werden. Dies könne ihn vom Begleiten einer entsprechenden Veranstaltung abschrecken oder zu ungewollten Verhaltensweisen zwingen, um den beobachtenden Polizeibeamten möglicherweise gerecht zu werden. Durch diese Einschüchterung könnte mittelbar auf den Prozess der Meinungsbildung und demokratischen Auseinandersetzung eingewirkt werden. Erlaubt seien Bild- oder Tonaufnahmen durch die Berliner Polizei gemäß dem Versammlungsgesetz des Landes nur, wenn “tatsächliche Anhaltspunkte die Annahme rechtfertigen”, dass von Teilnehmern öffentlicher Versammlungen “erhebliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgehen”. Dafür müsse eine entsprechende Gefahrenprognose ersichtlich sein.

Ich war gestern auf einer kleinen, vollkommen friedlichen Demonstration. Etwa 100 überwiegend spanische Demonstranten skandierten die Ziele der “Spanish Revolution“. Ratet mal, was die Polizei gemacht hat:
Politik  Überwachung  Polizei  SpanishRevolution  Videoaufzeichnung  from google
may 2011 by toco
Grüne gegen “alternativen” Hokuspokus
Meines Wissens ist es auch bei den deutschen Grünen ein Problem, dass sich da allerhand Esoteriker und Anhänger “alternativer” Medizin tummeln. Ein aktuelles Utspel der hiesigen Miljöpartiet thematisiert dies als Glaubwürdigkeitsproblem für die Partei und ruft dazu auf, generell den durch wissenschaftliche Methoden gewonnenen Erkenntnissen Vorrang zu geben. Bei der Klimaveränderung sei man diesbezüglich Vorreiter gewesen, in anderen Bereichen gebe es jedoch geradezu gefährliche Ignoranz in den eigenen Reihen. Wie zum Beispiel die grünen Regionalpolitiker, die sich für “Zonentherapie”, “orthomolekulare Psychologie” oder “Homöopathie” im Gesundheitswesen stark machen und damit potentiell Menschen schaden.
Mit dem anhaltenden Aufschwung der grünen Parteien nimmt auch die Notwendigkeit zu, da genauer hinzuschauen.
Schweden  Besser  Medizin  News  Politik  Wissenschaft  from google
may 2011 by toco
Tag der Homophobie
Das ist heute. Eigentlich sollte es ja “Tag gegen Homophobie” heißen. Ich habe nichts dazu zu schreiben. Ich möchte euch nur bitten, das hier zu lesen: In eigener Sache & CDU meint: Machen wir’s mit den Schwuchteln so wie mit der Schweinegrippe!

Ich wollte nicht, nur mit einer Federboa bekleidet, nackt durch die Straßen ziehen und Lieder von Cher flöten. Ich wollte niemanden bekehren. Ich wollte keine schwulen Cafés aufsuchen und weder in eine Talk-, noch in eine Castingshow. (Und ich schwöre, dass ich das bis heute nicht will. Nichts davon.) Von all diesen Dingen hatte ich keine Ahnung. Ich wusste nicht einmal, dass es so etwas gab. Überhaupt irgendwo. Nur das Wort „schwul“ kannte ich. Und seine Bedeutung. Ich habe mich geoutet, um niemanden belügen zu müssen. Weil ich nicht ändern kann, was ich bin. Aus keinem anderen Grund.

Zwischen 12 und 16 hatte ich daraufhin keine Freunde. Ich hatte niemanden. Ich wurde unzählige Male verprügelt. Und damit meine ich nicht Schläge auf die Arme, Tritte zwischen die Beine oder in die Magengrube. Sondern Schläge, die „halten“ sollten. Tritte, die „sitzen“ sollten.

Diese Zeilen beschreiben keine entfernte Vergangenheit, sondern die 90er Jahre, kurz bevor die so genannte “Homo-Ehe” in Deutschland eingeführt wurde. Es wird nicht besser – wir glauben das nur.
Politik  Homophobie  from google
may 2011 by toco
Aus den Nachrichten
Nachwahlen in Västra Götaland und Örebro. Bei der Wahl letztes Jahr gab es ein paar Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenzählung. Inkorrekte Stellvertreterstimmen wurden angenommen, Vorabstimmen nicht mitgezählt und einige konnten nicht abstimmen. Die Mathematiker der Wahlbehörde schauen in solchen Fällen genau, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese Stimmen das Ergebnis der Wahl hätten ändern können. In einem Wahlkreis und der Region um Göteborg wurde deshalb gestern neu gewählt. Das Ergebnis ändert nichts an der nationalen Politik, in der Regionalverwaltung konnten die Sozialdemokraten den Moderaten jedoch ein paar Prozentpunkte abluchsen; auch in Örebro gewann (S). Das hat nicht zuletzt Symbolcharakter, denn es war die erste Wahl des frisch gebackenen S-Parteichefs Håkan Juholt.
Wildschweinplage. Nicht nur der Fuchsbandwurm macht sich in Schweden breit, auch die Zahl der Wildschweine nimmt stark zu. 2003 gab es rund 750 Unfälle mit Wildschweinen, letztes Jahr um die 2500. Dass sie auch in bewohnte Gebiete vordringen, wird nicht gerne gesehen und man kommt mit der Jagd (70.000 letztes Jahr) nicht nach. In den 70ern waren die Tiere in Schweden ausgerottet und der heutige Stamm kommt von wenigen, aus einem Gehege ausgebüchsten Tieren.
Die Nazi-Verbindungen von Königin Silvias Vater sind schon länger im Gespräch und die Kritik richtete sich vor allem dagegen, dass man das Thema am liebsten totschweigen wollte. Berichte, dass der Vater im Rahmen der “Arisierung” 1939 eine jüdische Fabrik übernahm, sorgen jetzt doch dafür, dass man die Sache vom Hof aus offiziell untersuchen und die Ergebnisse veröffentlichen will.
Finnland hat gestern Abend im Finale der Eishockey-WM Schweden mit 6:1 geschlagen. Die Zwischenstände, die der Busfahrer auf dem Weg vom Flughafen per Lautsprecher mitteilte, sorgten für lautstarke Freude des einzigen Finnen an Bord und dies wiederum für Schmunzeln aller anderen.
Schweden  Finnland  Göteborg  Natur  News  Örebro  Politik  Sport  from google
may 2011 by toco
Nerz-Bashing
Ich war dieses Wochenende nicht in Heidenheim, konnte also nicht mit abstimmen und habe den Parteitag teilweise von Zuhause verfolgt. Eigentlich hätte ich mir ja Christopher @Schmidtlepp Lauer gewünscht, obwohl wir in ein paar Dingen, vor allem beim LQFB, heftig über Kreuz liegen, weil ich schon immer eine Schwäche für politische Exzentriker hatte. Über Sebastian Nerz wusste ich kaum etwas, außer dass er Landesvorsitzender in Baden-Württemberg ist und Jens Seipenbusch ihn als Nachfolger empfohlen hat. Ich glaube, ich bin damit wirklich unverdächtig, ein Nerz-Fanboy zu sein.

Das Nerz-Bashing, welches nach der Wahl einsetzte, ist der reinste Kindergarten. Zwischen den Zeilen lese ich Ablehnung, weil Sebastian nicht glasklar links ist – und das in einer Partei, die weder links noch rechts sein will. Einer der Kritikpunkte ist wohl seine CDU-Vergangenheit. Ich finde es zwar auch seltsam, dass er in der CDU war, obwohl er sie bundespolitisch damals schon nicht gemocht haben will, aber er war eben gegen Schröder und Rotgrün und hey: Ich kannte mehrere Leute, die so mit 16 in Parteien eingetreten sind, nur weil ihre Eltern oder Freunde drin waren.

Ich möchte also Sebastian nicht daran messen, ob er mal in der CDU war, sondern daran, was er heute so sagt und treibt. Ich habe mir aufgrund der Beschimpfungen mal näher angesehen, was sich im Wiki, auf Twitter, Formspring und vor allem auch in seinem Blog finden lässt, und bin überrascht, wie sehr ich mit diesem scheinbar “rechten” Piraten übereinstimme, wo ich selbst doch als linke Socke verschrien bin.

Sebastian möchte, wenn ich ihn richtig verstanden habe, die politische Arbeit besonders in der Außenwirkung und in der Pressearbeit gerne professionalisieren und das Verhältnis Basis/Vorstand neu austarieren. Ich habe keine Ahnung, wie er das im Detail machen will, aber daraus einen “Führer” zu stilisieren, ist doch arg ins Klo gegriffen. Nach ungefähr eineinhalb Jahren innerparteilicher Trostlosigkeit freue ich mich darüber und bin gespannt, was er machen wird und wie es im im Detail gelingt.
Er hält Liquid Feedback für gescheitert, will das System aber ohne Parteitagsbeschluss nicht abschalten, ansonsten auch andere Systeme testen und fordert vor allem – ganz Datenschützer – Anonymität für die Abstimmenden, weil es nur dann wirklich freie und geheime Wahlen sind. Was ich auch schon immer sagte.
In der Datenschutz- und Spackeria-Debatte nimmt er die Haltung des Datenschützers ein und empfindet eine vollkommen transparente Gesellschaft ohne Anonymität, in der jeder alles über alle wissen kann, als dystopisch. Genau wie ich. Ich bin sogar der Auffassung, dass die Piratenpartei auf gar keinen Fall Spackeria-Positionen vertreten darf. Warum, werde werde ich demnächst noch woanders ausführlich bloggen und möchte an dieser Stelle nur mal an “Piratsphäre”-Aufkleber erinnern…
Sebastian sucht einen Mittelweg zwischen delegierter und direkter Demokratie und rührt damit an ein innerparteiliches Dogma. Direkte Demokratie zweifele ich schon lange an. Um zu verstehen, dass Plebiszite nicht funktionieren, muss man gar nicht erst aufs Schweizer Moscheeverbot schauen – einmal im Jahr European Song Contest gucken reicht völlig. Dass ausgerechnet einem Skeptiker der direkten Demokratie vorgeworfen wird, er habe in Heidenheim “Heimvorteil” bei der Abstimmung gehabt, ist nicht nur ein schlechter Witz, sondern auch noch falsch.
Auch wenn viele Piraten das Thema nicht mehr hören können, liegen mir die Feminismus-Debatte und Genderthemen am Herzen. Die Piratenpartei ist meiner Erfahrung nach bis auf wenige Ausnahmen nicht postgender sondern eher postpubertär. Ich möchte, dass Frauen gerne in die Partei kommen und sich wohl fühlen, was aber nur sehr wenige auch tun. Piratensympathisantinnen fühlen sich in den “Jungsgruppen” oft diffus unwohl, und viele männliche Piraten finden, dass Frauen da selbst dran schuld seien. Ich finde es sehr erfrischend, dass Sebastian hier die Haltung vertritt, dass sich in der Partei mindestens der Ton ändern müsse, auch wenn ich persönlich mir ja Quoten wünschen würde. Ganz nebenbei vertritt Sebastian übrigens Homoehe und Adoptionsrecht für Homosexuelle. So furchtbar schlimm rechts kann er also gar nicht sein.
Sebastian legt wert darauf, dass die Piratenpartei das bedingungslose Grundeinkommen nicht wörtlich beschlossen hat, was auch stimmt. Er hält es für nicht machbar. Ich selber vertrete das BGE zumindest als Vision für die Zukunft, bin mir aber nicht sicher, ob ich mir als König von Deutschland trauen würde, es hier und heute einzuführen. Von daher kann ich seine Haltung verstehen. Ansonsten ist er kein Kernie sondern möchte, dass das Programm moderat erweitert wird, schon alleine deshalb, weil IT, Transparenz, Datenschutz, Bürgerrechte und Bildung Querschnittsthemen sind, die viele Gebiete betreffen. Wir müssen ja nicht gleich einen auf Volkspartei machen und ich bin da sehr bei ihm.

Mein persönliches und vorläufiges Fazit: Ich bin nachträglich positiv überrascht, wen wir da gewählt haben. Dieses ganze Gerede von “Piratenmerkel” und “falscher Kandidat gewählt” kann ich nicht so recht nachvollziehen, außer man ist eben in obigen Punkten völlig anderer Meinung als ich. Jetzt muss sich zeigen, wie er sich in der Praxis hält. Aus Baden-Württemberg hört man ja eigentlich nur gutes. Sebastian, ich wünsche dir unbekannterweise viel Glück und Erfolg.
Politik  Piratenpartei  Sebastien_Nerz  Vorstandsvorsitz  from google
may 2011 by toco
Die Insignien der Macht
Ein Tag im Mai: Bäumchen wechsle dich. Auf den Fluren des Ministeriums herrscht geschäftiges Treiben, Namensschilder an den Bürotüren der oberen Etagen werden ausgetauscht. Wieder einmal erhält ein neuer Minister zur Begrüßung einen Blumenstrauß. Fotografen der großen Agenturen halten den Amtsantritt möglichst vorteilhaft im Bilde fest, danach geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Der Apparat funktioniert.

Die wahren Insignien der Macht sind preiswert – sie kosten nur ein paar Cent das Stück. Auf dem Schreibtisch des neuen Ministers liegt ein Dutzend billiger grüner Kugelschreiber bereit. Der Herr des Hauses verleiht seinen Anmerkungen in umlaufenden Akten mit dieser Farbe besonderes Gewicht.

Ich besitze übrigens auch einen grünen Kugelschreiber. Nicht, dass mein geschriebenes Wort in einer kafkaesken Bürokratie etwas gälte;  vielmehr ist er ein Andenken an einen angenehmen Abend: Mit diesem Stift hat nämlich einst Max Goldt ein Buch signiert (und auch umgekehrt habe ich – etwas übermütig – mit diesem Max Goldt ein Buch signiert.) In besonders schweren Fällen von Schreibblockade erhoffe ich mir, dass ein Fünkchen Inspiration des Meisters durch die Weihung des Kugelschreibers auf mich überspringen möge. Bislang blieb mein Warten jedoch vergebens.

Viel zu wenig beachtet, aber trotzdem lesenswert:
posts:Haben Sie schonmal einen Roman geschrieben?
Moleskine Hoffnungen
Verhinderter Bärendienst: Horst Köhler kommt nicht an sein Ziel – und das ist auch gut so.
Wo Wolfgang Schäuble gern Kaffee trinken geht: Balzac Coffee
Politik  Amtsantritt  Bürokratie  Fotografen  grüner_Stift  Inspiration  Max_Goldt  Ministerium  Schreibblockade  Schreiben  from google
may 2011 by toco
Osama und Stauffenberg (Update)
Der Deef Pirmasens zeigt sich auf Twitter pikiert. Er empfindet es als Doppelmoral, dass wir die Tötung von Osama bin Laden verurteilen, während, Stauffenberg fürs Hitler-Attentat als Held verehrt wird. Was auch immer Deef uns genau sagen will, Stauffenberg taugt nicht dazu, die Osama-Liquidation zu relativieren. Hier sollte mal ein innerer Kompass rejustiert werden…

20. Juli 1944 – Hitlers Machtbereich hat sich stark verkleinert, aber es sollte noch neun Monate dauern, bis das Reich zusammenbricht und Hitler sich selbst tötet. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hitler noch immer eine gewaltige Militärmaschinerie unter sich. Ihn einfach so zu “verhaften” wäre einer ausländischen Macht nicht möglich gewesen, allenfalls Putschisten. In dieser Situation ein Attentat zu verüben, kann man auch als Notwehr auffassen. Jenseits des Dilemmas, Menschenleben aufzurechnen, sollte das Attentat schlimmeres verhindern und einen grausamen Krieg beenden. Nicht die Staatsmacht versuchte, ein Attentat zu verüben, verzweifelte Bürger waren es. Wie wir wissen, gab es 1944 kein Ende mit Schrecken, sondern Schrecken ohne Ende.

2. Mai 2011 – Eine Sondereinheit der US-Armee überfällt ein Anwesen in der Nähe von Islamabad und tötet dort Osama Bin Laden. Bin Laden ist ein lang gesuchter Terrorist und jemand, der vor ein Gericht gestellt werden müsste. Ob Bin Laden zum Beispiel versuchte zu fliehen und beim Versuch erschossen wurde, ist nicht bekannt. Vielmehr spricht die Nachrichtenlage für eine Exekution. Die Einsatzkräfte hatten strikte Order, ihn zu töten, Gefangennahme und Prozess war nicht vorgesehen. Das ganze war von vornherein als Vergeltungsaktion geplant.

Hier geht es nicht um den Tyrranenmord verzweifelter Bürger aus Notwehr, sondern um die Liquidation durch eine Staatsmacht. Das ist deswegen problematisch, weil sich ein Staat immer an rechtsstaatliche Regeln zu halten hat, wenn er als Demokratie und Rechtsstaat gelten möchte. Man hätte zumindest versuchen müssen, Bin Laden zu verhaften. Das ist ein Versagen der USA als Demokratie und Rechtsstaat, und zwar völlig unabhänig davon, wessen Bin Laden sich schuldig gemacht hat. Präsident Obama enttäuscht: Er trat an mit dem Versprechen, Guantanamo zu schließen. Stattdessen zieht mit dieser Guantanamo-Gedächtnis-Aktion in den Wahlkampf.

Von Seltsamkeiten wie der Entsorgung der Leiche im See und was das wieder an Verschwörungstheorien auslöst, will ich hier gar nicht weiter reden. Die Aktion diente noch nicht einmal, den “War on Terror” zu beenden. Im Gegenteil: Überall werden gerade die Sicherheitsmaßnahmen wieder hochgefahren, weil Vergeltungsanschläge der Al Qaida zu erwarten sind…

Besonders enttäuscht bin ich von Frau Merkel und allen, die diese Liquidation nicht nur bejubeln, sondern sogar finden, deutsche Sicherheitskräfte sollten das auch dürfen. Wenn ich das lese,läuft es mir kalt den Rücken herunter. Das Recht auf Widerstand gegen die Staatsgewalt steht noch heute im Grundgesetz. Das Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und einen fairen Prozess ebenfalls.

Update: Mittlerweile heißt es z.B. bei Spiegel Online:

Erste Berichte, die Seals hätten von Anfang nur einen Tötungsbefehl gehabt, dementieren US-Regierungskreise: Bin Laden sei einzig erschossen worden, weil er sich gewehrt habe.

Spiegel Online übersetzt woanders im Artikel “killed in action” mit “im Kampf gefallen” – man ist bemüht, allem einen Anstrich zu geben, der so militärisch wie möglich ist, um die Frage, ob ein Staat so etwas darf, abzuschwächen. Die Wahrheit schwimmt im Meer. Angeblich waren Obama und sein Stab live dabei – wann zeigen sie uns das Video?
Politik  Bin_Laden  Stauffenberg  from google
may 2011 by toco
das magazin » warum ich israel verteidige
bevor manche reflexhaft agieren, bitte einfach mal bernard-henri lévi lesen...
isreal  politik  haltung  flotilla 
june 2010 by toco
kinderpornographie - simple lösungen für ein komplexes problem - computer - sueddeutsche.de
wäre es nicht so tragisch, könnte man sich über diesen "kinderkram" amüsieren. die folgen reichen jedoch in den alltag. spürbar
zensur  zensursula  politik  internet  netzsperren  netzpolitik  news  deutschland  recht  süddeutsche 
august 2009 by toco
schweden für jeden
und gerade: schweden für europäer und europa. ein halbes jahr ratspräsidentschaft in interessanten zeiten und mit vielen vorhaben und herausforderungen. und vielleicht der richtige brückenbauer zur richtigen zeit
schweden  europa  politik  kuktur  design  film  literatur  musik  klima 
july 2009 by toco
opponent.de » berlin-kreuzberg, die “sozialistisch befreite zone”
begebenheiten rund um den 1. mai, toleranz, respekt und beschränktem denken
deutschland  berlin  politik  cdu  partei  toleranz  respekt 
may 2009 by toco
peng, du bist tot!
"der staat betritt mit gewalt eine welt, in der er nichts zu suchen hat... damit aber löst der staat kein problem. er wird selber zu einem." (lorenz maroldt)
politik  deutschland  privacy  gesetz  law  tagesspiegel 
may 2009 by toco
antibuerokratieteam.net » ein liberaler aufklärer, der sich irrtümlich für einen konservativen hält
eine a-team-buchbesprechung zu "unter linken - von einem, der aus versehen konservativ wurde" von jan fleischhauer
politik  partei  haltung  deutschland  literatur  kritik  rezension 
may 2009 by toco
fiket · warten auf schweden
eine artikelserie aus der dagens nyheter auf fiket.de ind deutsche übersetzt. sehr lesenswert
schweden  einwanderer  politik  staat  gesellschaft  print  dagensnyheter 
may 2009 by toco
zeitgeist: unter linken - spiegel online - nachrichten - kultur
drei-spon-seitiger textauszug aus "unter linken. von einem der aus versehen konservativ wurde" von jan fleischhauer
politik  deutschland  neigung  haltung  lager  links  rechts  partei  geschichte 
may 2009 by toco
tammoxsche gedanken: wo sie recht hat, hat sie recht.
"wissenswertes zum tagesgeschehen" einen gewissen mixa und dessen institution betreffend.
religion  politik  geschichte  kritik  zeitgeist  information  kirche  deutschland 
april 2009 by toco
die gelbe revolution (kultur, aktuell, nzz online)
eine lobeshymne auf die simpsons... kann man nach 20 staffeln ja mal schreiben
thesimpsons  rückblick  hommage  gesellschaft  politik  usa 
march 2009 by toco
“obama hat durch organisation gewonnen, nicht durch das internet” — carta
ein interview mit einem, der den erfolg von barack obamas einzuschätzen weiß und die wahrnehmung hierzulande bemängelt
interview  politik  usa  barackobama  wahlkampf 
february 2009 by toco
fact - fiction » npd brandgefährlich - dramatische zugewinne in hessen
beim stöbern durch die ergebnisse für die verschiedenen wahlkreise hessens ist mir das mit der npd ebenfalls aufgefallen, nur hätte ich es wohl nicht so gut, so knapp, so zutreffend wiedergeben können
gegenrechts  politik  wahlen  landtagswahl  hessen  germany 
january 2009 by toco
vorläufiges endergebnis | hessen klarmachen zum ändern!
die piraten nach der landtagswahl 2009 in hessen: am ziel vorbei aber wenigstens ein kleines erfolgserlebnis. die zahl der piraten(-wähler) wächst.
hessen  wahlen  politik  piratenpartei  partei  landtagswahl 
january 2009 by toco
na also « freunde der offenen gesellschaft
"aufruf zur solidaritätskundung mit israel am 11. januar 2009 von 12-15 Uhr ort: berlin."
ort:berlin  politik  israel  demonstration  solidarität  kundgebung 
january 2009 by toco
willkommen österreich (folge 50)
reaktion, die: passend im bezug auf die trauer rund um jörg haider (part1)
jörghaider  willkommenösterreich  orf  österreich  politik  satire  video  stermann&grissemann 
november 2008 by toco
willkommen österreich: witze über jörg haider (diskussion)
stermann und grissemann und ihre problemzone: jörg haider .... äääh kärnten ... äääh menschen, die andere für sich denken lassen
jörghaider  diskussion  österreich  satire  meinungsfreiheit  politik  kultur  trauer  willkommenösterreich 
november 2008 by toco
lange wahlnacht - fachdings für dingens
irrtümlich erwartete ich die "lange weihnacht" aber der artikel ist dann doch zeitgeistiger, interessant und schön fundiert
blogs  wahlkampf  usa  politik  zdf 
november 2008 by toco
zitat des tages - alice cooper zum wert politischer aussagen von künstlern
“if you’re listening to a rock star in order to get your information on who to vote for, you’re a bigger moron than they are. why are we rock stars? because we’re morons. we sleep all day, we play music at night and very rarely do we sit around reading the washington journal.” (alice cooper)
zitat  alicecooper  musiker  politik 
october 2008 by toco
wirtschaftliche freiheit » das ende des „laissez-faire“
... liegt schon hinter uns, zumindest das zur zeit inflationär auftretende gemeinte
wirtschaft  aufsatz  finanzkrise  politik  neoliberalismus  kapitalismus  system  kritik 
october 2008 by toco
« earlier      
per page:    204080120160

related tags

4Nerds  9/11  abgeordnete  activism  afghanistan  agh11  aktionismus  alanposener  alicecooper  aliceschwarzer  Alkohol  alltag  Amtsantritt  analyse  Anne_Will  anti  Antideutsch  antisemitismus  arbeit  ard  armut  army  article  assimilation  atheism  atheismus  audio  Aufmacher  aufsatz  aufstand  ausschreibung  Auto  Autonyme  baader  baden-württemberg  barackobama  Barrierefreiheit  behörde  Benedikt  berlin  beruf  Besser  betreuung  bewerbung  bilder  bildung  Bin_Laden  blogging  blogs  bodensee  boulevard  bpb  bundespräsident  bundestag  bush  business  Bürokratie  cancer  carlbildt  ccc  cdu  china  christiansen  chávez  colbert  comedy  Community  congress  conneisland  Constantin_Seibt  copyright  creationism  culture  dagensnyheter  dailyshow  Dana  datenschutz  death  debatte  democracy  democrats  demokratie  demonstration  design  deutscherherbst  deutschewelle  deutschland  dialog  diegrünen  dielinke  diezeit  Die_Partei  dirkvonlowtzow  diskussion  dossier  education  einstellung  einwanderer  einwanderung  elite  elvis  emanzipation  Energie  erklärung  erlaubt  essay  ethik  EU  euro08  europa  evolution  evoting  Extrem-O-Mat  exzellenzinitiative  faz.net  fck  fdp  fehler  filetype:pdf  film  finance  finanzen  finanzkrise  Finnland  flotilla  fm4  Fotografen  Fotografie  Frauenfuß  FrederickForsyth  free  freedom  freiheit  friedensnobelpreis  fritzwalterstadion  funding  funny  fusion  fußball  förderung  g8  gastronomie  Gebärdensprache  gedenken  gegenrechts  geheimdienst  Gehörlose  Geld  generation  generator  georgien  gerechtigkeit  german  germany  geschichte  gesellschaft  gesetz  gespräch  gesundheit  gewerkschaft  gez  gipfel  glaube  glaubwürdigkeit  gleichheit  gleichstellung  globalisierung  Godwin's_Law  Google  GooglePlus  gore  gott  graphics  gratis  greenhelmetman  Griechenland  Groups  grundgesetz  Grüne  grüner_Stift  gsg9  Göteborg  Haha  haltung  hamburg  haraldmartenstein  haraldschmidt  hartaberfair  hartmutundich  hartz4  harvard  health  helmutkohl  helmutschmidt  Helmut_Schmidt  henrykmbroder  hessen  Hip_Hop  Hirnwindung  hisbollah  history  hitler  hohn  hommage  Homophobie  homosexualität  horstköhler  identität  ideology  inflation  info  information  Inhalte  innovation  Inspiration  integration  international  Internationale_Künstler  internet  interview  In_Kürze  irak  iran  Irland  islam  islamismus  israel  isreal  James_Nachtwey  jauch  jmstv  jobs  jonstewart  josefjoffe  jostkaiser  Journalismus  juancarlos  juden  Jugend  jugendgewalt  jörghaider  kabarett  kaiserslautern  kampf  kandidatur  kanzlerin  kapitalismus  karlmarx  karte  Katastrophe  Katzencontent  kerner  kids  kinder  kirche  KIZ  Klarnamen  klauskocks  klima  klimawandel  kolumne  kommentar  kommune  Kommunikation  konferenz  konflikt  konservativ  konstanz  koran  kreationismus  kreuzberg  kriminalität  krise  kritik  krugman  kuktur  kultur  kundgebung  kurtbeck  könig  lafontaine  lager  landshut  landtagswahl  langeweile  laut.de  law  learning  leben  lebenskunst  lecture  leehazlewood  legal  Leistungen  lemmykilmister  Lesbar  lesen  liberal  liberalism  liebe  liederabend  life  Linke  links  lists  literatur  lobby  lohn  love  Lustig  maischberger  Malte_Spitz  mankiw  maps  marketing  martinblumenau  Martin_Sonneborn  marxismus  mashup  matthiasmatussek  Max_Goldt  media  media:document  Medien  Medienrecht  Medizin  meinungsfreiheit  meme  memoiren  mensch  Menschen  Menschen_mit_Behinderungen  merkel  meta  michelfriedman  military  militär  Ministerium  mittelschicht  modernerfußball  moral  motörhead  muhabbet  music  musik  musiker  n-tv  nachbarschaft  nachfolge  Nachrichten  nachtleben  nation  Natur  nazi  neigung  neoliberalismus  network  netzpolitik  netzsperren  news  nierenkrebs  nobelpreis  no_homo  Nymwars  nypost  nytimes  nzz  o'reilly  obama  oliveruschmann  olympia  online  opendata  opensource  opensourceware  opinion  orf  organisation  ort:berlin  oscar  oswaldmetzger  outing  Papst  Papstbesuch  Park's_Law  parlament  partei  parteispenden  party  paternalismus  patriotismus  pdf  pds  people  Peter_Altmaier  philo  philosophy  photos  piracy  Piraten  piratenpartei  podcast  police  politics  politik  polizei  pr  praktikum  preis  Prenzlauer_Berg  pressemitteilung  print  privacy  productivity  programm  projekt365  propaganda  protest  präsidentschaft  Pseudonyme  psychology  Pyro  radsport  randypausch  Rap  rationalität  Ratzinger  raubkopie  rauchfrei  RBB  recht  Rechte  rechts  rede  reference  reform  reise  Reisen  religion  republicans  republikaner  research  respekt  review  revolution  rezension  rheinlandpfalz  richardvonweizsäcker  rocknroll  rudidutschke  russland  rückblick  sacrifice  satire  Schlechter  schmidt&pocher  Schreibblockade  Schreiben  Schulden  Schuldenkrise  schweden  science  Sebastien_Nerz  security  sed  sek  Seltsam  senat  sex  skandal  social  socialnetworks  socialsoftware  society  software  solidarität  songwriter  Sookee  Soziales  Sozialstaat  spanien  spanishrevolution  spd  spekulation  spenden  spielsucht  spon  sport  springer  staat  stadt  statistik  Stauffenberg  steinbrück  steinmeier  stermann&grissemann  steuer  steuern  straße  studium  stuttgart  sun  survey  sweden  swedish  system  sz  szene  süddeutsche  tabakindustrie  tabaksteuer  tagesspiegel  talkshow  Tapete  taz  technik  technology  terror  Terrorismus  theater  thedailyshow  theory  thesimpsons  thinktank  time  Time_Magazine  titanic  tocotronic  toleranz  tools  tourismus  transcript  trauer  tv  türkei  UlrichKWegener  umwelt  uni  unternehmen  Untertitel  urheberrecht  urlaub  usa  vanityfair  venezuela  verband  verboten  Verbraucher  verein  Verkehr  Vermischtes  verwaltung  via:holgi.blogger.de  video  Videoaufzeichnung  videotext  visualization  vlog  Vorstandsvorsitz  vote  vote2008  wahl  wahlcomputer  wahlen  wahlkampf  wallstreetjournal  war  waronterror  wasg  Web  web2.0  website  webzine  welt.de  Weltmeisterschaft  werbung  wiki  willkommenösterreich  wirtschaft  wisdom  wissen  Wissenschaft  Wohnen  writing  www  yale  zdf  zeit.de  zeitgeist  zensur  zensursula  zionism  zitat  zitty  zufriedenheit  Örebro  Überwachung  öffentlichrechtliche  ölpreis  österreich  überwachung 

Copy this bookmark:



description:


tags: