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Tschüs sagen
Nach der Veranstaltung setzen wir uns kurz an den Kanal und lassen die Beine baumeln. Manchmal lohnt es sich auch innezuhalten. Auf meinem Knie plötzlich ein zotteliger Freak, der sich nur mühsam fortbewegen kann. Beim Versuch, ihn zu retten, rutscht er ab und fällt ins Wasser. Eigentlich hätte er ein Schmetterling werden sollen. “Es gibt zu wenig Schmetterlinge”, bemerkt sie, und wir sagen an diesem Tag noch einmal tschüs und blicken der Raupe nach, wie sie vom fließenden Wasser davongetrieben wird. Sonnenstrahlen kitzeln unsere Nasen; das Wetter ist zu gut für diesen Tag. Wir sehen uns …
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september 2011 by toco
Zeichenmissachtung
Wir steigen irgendwo aus und wissen nicht mehr wo wir sind,
Die Welt ist voller Zeichen, doch für manche sind wir blind.
Wir kommen durcheinander mit verschiedenen Signalen,
Wenn uns was zu krass wird, dann wollen wir das nicht haben.
Wir sind viele und wir sind zu zweit,
Wir sind big in Berlin tonight.

(Die Sterne, Big in Berlin)

Was wir gut können: Zeichen missachten.
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september 2011 by toco
Betriebsbahnhof
In die Straßenbahn des Todes,
die heulend sich zum Stadtrand quält,
werd ich mich klaustrophobisch zwängen,
weil auch die kleine Geste zählt.

(Element of Crime)

In Gedanken und in der Tram sitzend höre ich aus dem Ohrenwinkel wie etwas aus den Lautsprechern gemurmelt wird: “Abweichende Linienführung und Schienenersatzverkehr”. Schließlich werde ich nicht – wie sonst üblich – unfreundlich aufgefordert, die Straßenbahn endhaltestellenankunftsbedingt zu verlassen. Für einen kurzen Moment klingt es tatsächlich ein bißchen, als hätte ich die Wahl. Je weiter sich jedoch der Zug von der Zivilisation entfernt, desto klarer wird, dass ich in der Falle sitze. Wo man landet, wenn man versäumt, bei Zeiten in den Bus umzusteigen: Auf irgendeinem verlassenen Betriebsbahnhof. Und von hier gibt es kein Zurück.
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august 2011 by toco
Bier 2
Primus inter pares.

Ein Herz für Biere.
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july 2011 by toco
Operation
Der Mann im weißen Kittel stellte sich nicht mit Namen vor. Er sagte, dass er der zuständige Anästhesist sei. “Aha, Sie haben also eine Operation mit Vollnarkose gebucht. Möchten Sie lieber während oder nach der OP aufwachen?”, fragte er mich mit sanfter Stimme, bevor er mir die Maske ins Gesicht drückte. Das Letzte, was ich hörte, war eine Melodie. Jemand pfiff Doktor Schiwago. Dann wurde es plötzlich dunkel.

Ein gewisser Doktor Schiwago arbeite gar nicht in dieser Klinik, wurde mir nach dem Erwachen versichert. Wen aber sollte ich jetzt verklagen?
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july 2011 by toco
Kleine Handreichung für gelingende Abschlusspartys
Für eine gelingende Party ist unerlässlich, dass sich etwaige Redner kurz fassen mögen. Darüber hinaus ist dafür Sorge zu tragen, dass die Bereitstellung von Schnaps – bevorzugt Korn – und Butterkuchen in ausreichender Menge gewährleistet ist.
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july 2011 by toco
Bäume
Kennen Sie das auch? Man wird morgens vom Gezwitscher der Vögel und dem strahlenden Sonnenlicht, das in das Fenster scheint, geweckt. Die Luft ist lau und der Himmel ist blau. Plötzlich verspürt man den unbändigen Drang, hinaus in die Natur zu müssen. Einfach so, um Bäume zu fällen.
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july 2011 by toco
Backwahn
Menschen entwickeln in ihrem Leben sonderbare Verhaltensmuster. So auch er. Während er es früher liebte, bei einem guten Handwerksbäcker frische Brötchen zu erwerben, buk er in letzter Zeit immer häufiger selbst. Wie die meisten anderen Dinge auch, konnte er dies zwar nicht sonderlich gut, aber es hatte irgendwie eine beruhigende Wirkung auf ihn. Immer wenn ihn die Melancholie beschlich, und das tat sie oft in letzter Zeit, knetete er wie ein Berserker Hefeteig.

Immer häufiger träumte er davon, irgendwann einmal eine Großbäckerei zu eröffnen. – Mittelmäßig schmeckende Backwaren, aber dafür Unmengen an zu knetendem Teig. Ja ja, das wär’s.

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july 2011 by toco
Bier
“Da man aber nicht immer nur schreiben kann, gab es große Lücken zu füllen.
Ich füllte sie mit Scotch, Bier, Ale und Frauen. Mit den Frauen hatte ich meistens
Pech, und die Folge war, dass ich mich stark aufs Trinken konzentrierte.”

(Charles Bukowski, Hollywood)

Gestern nur ein einziges Bier getrunken, heute trotzdem dehydriert erwacht. War vermutlich doch zu wenig.

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july 2011 by toco
Menschenallergie
Ich hab nichts gegen Menschen als solche,
meine besten Freunde sind welche.



(Blumfeld, Penismonolog)

Menschen sind es, die einem das Leben erschweren. (Nicht alle, aber doch zu viele.) Man selbst ist ja schließlich auch nur Mensch.

Da ist es nur konsequent, wenn auch immer mehr Katzen unter einer Menschenallergie leiden. Warum sollte es ihnen auch besser ergehen als uns und umgekehrt?

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june 2011 by toco
Kleine Theorie der Baustelle
Spät nachts durch dieses Berlin schlendernd erläutere ich meiner Begleitung meine kleine Theorie der Baustelle: Wer sich zu dieser Stunde hinter einem Bauzaun aufhält und keinen scharfen Hund an der kurzen Leine führt, ist kein mit dem Objektschutz bauftragter Mitarbeiter, sondern entwendet widerrechtlich Baumaschinen und -material.

Um den Beweis anzutreten, rüttle ich mutig an einem Bauzaun, um den dahinter befindlichen Mann zu uns zu bitten. “Was machen Sie da?”, frage ich ihn. Er scheint nicht sonderlich verwundert von meiner Auskunftsbitte zu sein, und antwortet höflich, dass er die Baustelle bewache. Es werde viel geklaut und randaliert etc. “Und wo ist Ihr Hund?”, bohre ich kritisch nach. “Ich habe keinen und ich brauche keinen”, sagt er. Daraufhin weihe ich ihn in meine Theorie ein, was den Sicherheitsmann ein wenig zu amüsieren scheint. Ich möchte wissen, ob es für ihn so ganz ohne Vierbeiner, mit dem man des Nachts sprechen könne, nicht äußerst langweilig sei, so die ganze Zeit allein um den Rohbau zu marschieren. “Ich schreibe Gedichte”, entgegnet er mir, was wiederum mich in ein mittleres Entzücken versetzt. Ein Wachmann der Gedichte schreibt, bringt meine Theorie ins Wanken, denn naturgemäß kann man keinen bissigen Hund festhalten, während man feinste Gedanken in einem Notizbuch niederschreibt.

Zu gern hätte ich vor dem Bauzaun noch ein Stück Wachdienstlyrik gehört, allerdings konnte sich der Objektschützer nicht durchringen, aus seinem Werk zu rezitieren. Möglicherweise dichtet er gar nicht – so wie es auch nicht mein Beruf ist, im Puff Klavier zu spielen, was ich es lästigen Nachfragern gegenüber gelegentlich behaupte. Beiderseits ein wenig erfreut von diesem kurzen Gespräch wünschen wir einander eine gute Nacht. Er dreht seine Runden, wir ziehen weiter: Mit dem Gedanken, dass auch meine kleine Theorie demnächst in Verse gegossen werden könnte.

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june 2011 by toco
Über das Schnarchen
Berliner Philharmonie

Gelegentlich schnarche ich. Ich selbst höre es fast nie, es sei denn, ich erwache davon. Das ist nicht weiter schlimm. (Zuweilen soll es sogar Damen geben, die hin und wieder zu schnarchen pflegen. Als Gentleman bevorzuge ich es jedoch, in diesen äußerst selten Fällen darüber zu schweigen oder – wenn es unvermeidbar ist – von einem lieblichen Säuseln zu sprechen.)

In der Wohnung unter mir wohnt neuerdings ein dicker Mann. Er schnarcht nicht nur gelegentlich, sondern ununterbrochen. Im Prinzip schnarcht er morgens, mittags und abends (und nachts sowieso). Hisste man sein Gaumensegel auf einem Viermaster, käme man selbst bei Flaute in Rekordgeschwindigkeit um die Welt.

Früher bewahrte ich in dem kleinen Schränkchen neben meinem Bett für den Fall der Fälle Kondome auf. Dafür ist heute kein Platz mehr, denn ich benötige in meiner Nähe griffbereit stets eine Klinikpackung Ohropax. Manchmal, wenn ich wach liege, obwohl ich eigentlich müde bin, sehne ich mich danach, neben einem Sägewerk zu wohnen, einer Großbaustelle oder zumindest einem Flughafen ohne Nachtflugverbot.

Kürzlich hat der Mann aufgehört zu schnarchen. Ich befürchtete das Schlimmste: Ist er im Schlaf erstickt? Drei Tage und drei Nächte war aus der Wohnung unter mir nichts zu hören. Plötzlich begann ich, mir Sorgen zu machen. Gerade als ich überlegte, an seiner Tür zu klingeln, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei, war es wieder da, das Schnarchen. Jedenfalls hat der Nachbar die drei Tage der Abwesenheit nicht genutzt, um sich in einer Hals-Nasen-Ohren-Klinik das Gaumensegel entfernen zu lassen. Auch wenn beruhigt das falsche Wort ist – ein bißchen war ich es.

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Angst
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june 2011 by toco
Rührei
Die Zubereitung eines Rühreis funktioniert schon ganz gut. Nur dieses Leben an sich bereitet noch größere Probleme.

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may 2011 by toco
Grillen
Das Ritual des Angrillens: Unvermeidlich, obwohl eigentlich nur für Menschen, die einander “Mahlzeit!” oder “Wünsche, frohe Weihnachten [wahlweise Ostern, Pfingsten oder andere mehrtägige Festivitäten einfügen] gehabt zu haben” zuraunen. Aber wie man es auch nennt:

Irgendwann wird halt das erste Mal im Jahr gegrillt, und dann wundert man sich womöglich, dass der Elektrogrill noch irgendwo in der Ecke der Balkonage steht – ungereinigt, voller Fett und schon ein bißchen verrostet. Aber das macht nichts, schließlich findet das Grillieren heuer auf einer anderen über dem Geländeniveau an einem Gebäude befindlichen Plattform statt.

Erneut wird das Gargut nicht auf einem repräsentativen Schwenker zubereitet, sondern auf einem bescheidenen Einweggrill mit eingebautem Anzünder. Freilich entlockt dieser dem Profi mit seiner vermeintlich lustigen Grillschürze, auf der “Grill Instructor” oder “Vegetarier essen unserem Essen das Essen weg” gedruckt steht, sowie seiner extralangen Meister-Grillzange mit eingebautem Flaschenöffner lediglich ein müdes Lächeln. All das stört mich nicht, denn in diesem Jahr gibt es eine Neuerung: Fleisch.

Nach Jahren der mit Entbehrung verbundenen schonenden Garung von mühsam zubereiteten Gemüsespießen sowie mit Fetakäse gefüllten Champignons und in Alufolie eingewickelten Lachsfilets auf einem Elektrogrill, ist dies trotz unzulänglicher Hardware ein Schritt in die richtige Richtung. Fleisch ist eben nicht nur ein Stück Lebenskraft, sondern auch noch mein Gemüse. Guten Appetit!

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may 2011 by toco
Pasta (mit Rezept)
Was sich manchmal lohnt: Machen Sie einfache Dinge kompliziert. Möchten Sie jemanden beeindrucken, z. B. um leichter Zugang zu ihrem oder seinem Schlafgemach zu gelangen, so greifen Sie ruhig einmal beherzt zum Kochlöffel (seien Sie aber auch darüber hinaus möglichst charmant). Weitaus schneller als mit einer Kochlehre oder einem liebevoll zubereiteten Kartoffelgratin erreichen Sie Ihr Ziel mit einer leckeren Pasta Walnuss-Gorgonzola-Sherry-Sauce. Natürlich können Sie dieses Gericht auch einfach dann zubereiten, wenn sich bei Ihnen ganz ohne irgendwelche Hintergedanken ein Hungergefühl einstellen sollte.

Hierzu brauchen Sie:

zwei Hände voll Walnusskerne (gibt es fertig geknackt zu kaufen, das spart eine Menge Zeit)
ca. 500 g Bandnudeln (nehmen Sie frische Pasta aus dem Kühlregal, die schmeckt viel besser)
ca. 150-250 g Gorgonzola (gibt es beim abgepackten Käse, hier gilt: viel hilft viel)
1 Flasche Sherry (kaufen Sie ruhig den günstigen für ca. 4 Euro/Flasche, aber trocken sollte er sein; natürlich benötigen Sie für dieses Rezept nicht den gesamten Flascheninhalt)
Pfeffer (am besten frisch gemahlen aus der Pfeffermühle) und Salz

und ganz wichtig

eine Portion Ehrlichkeit. (Sagen Sie ruhig, dass Sie nur einmal kochen werden, weil Sie nämlich überhaupt nichts anderes können.)

So überschaubar die Zutatenliste, so einfach die Zubereitung. Um den schönen Schein zu wahren, machen Sie ein möglichst großes Bohei um etwaige Zauberzutaten und Zubereitungstricks. Dazu ist es erforderlich, die zu bekochende Person nicht in ihre Töpfe gucken zu lassen, und schicken Sie sie mit einem Glas Wein ins Wohn- oder Esszimmer.

Los geht’s:

Zunächst die Walnüsse etwas mit der Hand zerbröseln und in der Pfanne rösten. Einfach die Pfanne erhitzen, kein Fett hinzugeben und aufpassen, dass die Nüsse nicht schwarz werden.

Dann den Gorgonzola in kleineren Stücken dazugeben und warten, bis dieser schmilzt. Außerdem das Ganze nach Belieben mit Sherry strecken. Die Pfanne sollte dabei nicht zu stark erhitzt werden – nicht dass sich am Ende alles verdampft. Alles sollte möglichst gemächlich vor sich hinköcheln. Nicht vergessen, die Sauce mit Pfeffer und Salz abzuschmecken und alles ab und zu ein bißchen umzurühren. Sie bekommen das schon hin – wenn Sie daran gedacht haben, das Nudelwasser zeitig aufzusetzen.

Nach ein paar Minuten des Köchelns wird die Sauce langsam fertig sein. Drehen Sie Temperatur etwas herunter und widmen Sie sich jetzt mit ganzer Aufmerksamkeit dem Nudelkochen. Haben Sie ausreichend Salz in den Topf gegeben? Toll! Frische Pasta benötigt nur ca. 2-3 Minuten im kochenden Wasser. Alles immer umrühren und merke: Die Sauce wartet gern ein wenig auf die Nudeln (umgekehrt ist dies leider nicht der Fall).

So, alles ist nun fertig, alles ist nun lecker. Mhhhhhh. Wer sich noch ein bißchen mehr Mühe geben will, serviert einen kleinen Salat als Beilage. Als Wein empfehle ich einen Pinot Grigio (Grauburgunder). Die feine Säure und so, Sie wissen schon. Guten Appetit!

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may 2011 by toco

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