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Fritz J. Raddatz: Er war das Feuilleton, ein Nachruf - SPIEGEL ONLINE
Die DDR, in der er nach dem Zweiten Weltkrieg einen "rasanten Start" als leitender Lektor beim Verlag Volk und Welt hatte, verließ er 1958, in einer, wie er es schilderte, filmreifen Szene: Während die Stasi ihn vor dem Verlagsgebäude festnehmen wollte, entwischte er quasi durch die Hintertür - und fuhr mit der U-Bahn nach West-Berlin. "Ich war siebenundzwanzig Jahre alt. Ich besaß 1 Anzug, 1 Paar Schuhe, 1 Wintermantel mit breitem Gürtel und großer Hornschnalle, 2 Hemden und 300 Westmark. Einen Beruf hatte ich, eine Aussicht, ihn auszuüben, besaß ich nicht. Gott Zufall regelte das."
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Auf Satire hereingefallen

In einem Leitartikel zur Buchmesse hatte Raddatz Goethe zitiert, der vom Frankfurter Bahnhof geschrieben habe. Er war auf eine Satire hereingefallen. Das Eisenbahnzeitalter hatte in Deutschland zu Goethes Lebzeiten noch gar nicht begonnen.

"Zeit"-Feuilletonchef war er nun nicht mehr, sein eigener Markenartikel, "Fritz-Jott" Raddatz aber blieb er, veröffentlichte Biografien zu Heinrich Heine oder Karl Marx, verfasste selbst einen Roman, "Der Wolkentrinker." 2003 erschienen seine Erinnerungen "Unruhestifter" - auch wegen ihrer ungewöhlichen Offenheit ein Ereignis. Im Jahr 2010 folgte der Auswahlband mit Raddatz' Tagebüchern, zusammengefügt zu einer Art Roman des eigenen Lebens und der intellektuellen Gesellschaft der Bundesrepublik, den man, wie Rainald Goetz schrieb, "wie im Rausch" lesen konnte.

Am 3. September 2001 findet sich darin folgender Eintrag, verfasst in Kampen auf Sylt: "70. Geburtstag. Grabstein gekauft."

Im September 2014 erklärte er seinen Abschied vom Journalismus. Jetzt ist er in der Schweiz gestorben - einen Tag vor dem Erscheinen seines letzten Buchs.

Er wurde 83 Jahre alt.
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february 2015 by snearch

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