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In den Wald gehen
Als ich Anfang des Jahres gehofft habe, “dass 2013 das Jahr wird, in dem das Netz stärker als zuvor in seine Schranken gewiesen wird.” hatte eigentlich etwas anderes gemeint, als mir jetzt nahegelegt wird …

“In der DDR gingen Menschen, die sich unbeobachtet von der Stasi unterhalten wollten, in den Wald oder in einen Park und sprachen unter vier Augen miteinander. Wer heute unbeobachtet bleiben möchte, sollte vielleicht nicht im Internet miteinander reden.“

Schreibt kein geringerer als Ludwig Greven, der schon auch ein Hardliner ist, aber dafür verblüffend oft Recht hat. Und er ist nicht alleine damit. Sogar sein Kollege Karsten Polke-Majewski, den ich immer als gemäßigt, besonnnen und vernünftig wahrgenommen habe, fällt jetzt ins Lager der Fatalisten (in dem ich ja auch stehe).

“Offenbar hat die Geheimdienste in Großbritannien und den USA nur eines zu ihrem Handeln angetrieben: dass sie es können.“

Vielleicht habe ich mich doch geirrt, als ich die Tage geschrieben habe, dass Prism und Tempora keine echte Auswirkung gehabt haben und schon wieder in der Wahrnehmung untergehen. Vielleicht ist 2013 doch ein Wendepunkt. Ich glaube zwar nicht, dass sich wirklich etwas ändern wird. Ich habe noch von niemandem gelesen, der seinen Google-Account wegen Facebook gelöscht hätte. Ich habe noch von keiner Site gehört, die ihre Like-Boxen ausgebaut hätte. Und wenn ich mich nicht irre haben sich auf die Umfrage-Werte der Piraten seither nicht verändert. Aber! Aber, das Bewußtsein ist jetzt anders. Wir haben die Gewissheit online vollständig überwachbar zu sein. Wir haben die Gewissheit, dass die großen Konzerne ein fundamentaler Bestandteil dieser Überwachungsmaschine sind. Wir haben die Gewissheit, mit jeder Mail, jedem Chat, jedem Klick, mit jeder Handlung hier im Netz Teil einer nicht zielgerichteten Rasterfahndung zusein. Und diese Gewissheit ist in der Tat Neuland.

Ich für meinen Teil bin dieses Jahr schon mehr im Wald gewesen, als die letzten 5 Jahre zuvor. Ist wirklich schön da.
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june 2013 by mxmerz
Django unchained
Noch ein Film von einem Hollywood-Titan, der in die Jahre gekommen ist. Nocheinmal das Thema Sklaverei. Noch eine Enttäuschung. Es mag daran liegen, dass auch ich nicht mehr ganz in Rufweite meiner Jugendjahre bin, aber exzessive Gewalt und superkuhle Dialoge tragen mich halt nicht mehr durch einen Zweieinhalb-Stunden-Film. Und wer jetzt “Ja aber, Chistoph Walz!” einwerfen will, dem entgegne ich, dass man besser daran täte sich in der Zeit lieber zwei Mal “Der Gott des Gemetzels” anzuschauen.

Aber mal zum einzigen erwähnenswerten Punkt des Filmes: Sklaverei. Und abstruse Gewaltdarstellungen. Überzeichnete Gewalt darf man wohl, ohne sich zu weite aus dem Fenster zu lehnen, als Quentin Tarantinos Markenzeichen betrachten. Dabei war seit seinen frühesten Filmen klar, dass sie zwar wohlberechnet und mit einem Sinn eingesetzt wird, aber nie ohne eine Freude an der Überzeichnung ihrer Darstellung. Und wenn Tarantino in Django unchained das Blut der Sklavenhalter, wie aus Gartenschläuchen spritzen läßt, und wenn er einen Schwarzen von Hunden zerfleischen läßt, dann ebenso mit einer Abischt, wie der pubertären Lust an der Provokation. Allerdings fällt es mir nicht so leicht etwas tiefschürfenderes darin zu erkennen als was Abraham Lincoln auch schon wußte: Ist keine so tolle Sache die Sklaverei. Und so ist Django nicht nur für unsere schwarzen Siegfried ein Abrechnung sondern auch für Tarantino selber: Wenn ich richtig mitgezählt habe sterben nur drei Schwarze im ganzen Film: Ein Ringkämpfer, einer der von den Hunden zerfleischt wird und der Verräter Samuel L. Jackson. Den Weißen hingegen läßt Tarantino gleich in der ersten Szene ihr gerechtes Schicksal zukommen und sie sterben danach in solchen Massen, dass ein Mitzählen sich nicht lohnt und mit Ausnahme von Christohper Waltz war keiner dabei, dem man es nicht gegönnt hat, einschl. Tarantino darstelbst.

Bleibt – wie auch schon bei Lincoln – die Frage der größeren Perspektive. Warum stellt man heute in einem Film die amerikansiche Sklaverei in den Mittelpunkt? Warum jetzt? Mit Barack Obama ist heute der erste schwarze Präsident im Amt. Vielleicht ein guter Zeitpunkt mal zu zeigen, wie lang der Weg hierin eigentlich war? Und in beiden Fällen vielleicht eine Erinnerung, daran das Ende der Sklaverei nicht heißt, das alles längst gut ist? Ersteres hat halbwegs geklappt, letzteres nicht so.
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june 2013 by mxmerz
To Rome with Love
Ich erkenne natürlich die Größe Woddy Allens und seiner Filme. Allein, es fehlt mir meist das Draht dazu, das Vergüngen daran. Midnight in Paris mochte ich sehr, was aber auch wahrlich kein Kunststück war. Wer nur einen Tropfen Liebe zur Literatur in den Adern hat und wem ein romantisches Gemüt nicht fremd ist, der kann nicht anders als diesen Film lieben.

To Rome with Love kommt da schon deutlich anders daher. Der Film besteht aus vier Episoden, denen außer der Tatsache, dass sie in Rom spielen und irgendwie was mit Liebe im aller-weitesten Sinne zu tun haben, nichts gemein ist. Die Geschichten selbst sind nett und man muss schon hier und da lachen. Und es ist auch ganz süß, dass jede der vier Geschichtchen die Realität etwas dehnt, die wohlfeilen Regel des Erzählens durchbricht und ein fantastisches Element mitbringt. Aber am Ende lassen sie mich doch mit reichlich wenig zurück. Es mag sein das das alles ein Metapher und Liebserklärung an Rom ist und wenn das Ausmaß in dem der Film dem Wunsch erweckt, nach Rom zu reisen ein Indikator dafür ist, dann hat das auch halbwegs gut geklappt. Aber zum unsterblichen Ruhm Woddy Allens hat der Film nicht wirklich beigetragen.
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june 2013 by mxmerz
Vorm Aquarium
Es gibt zwei grundlegende verschiedene Lesarten von dem, was Prism ist und bedeutet. Die Erste hat Felix drüben bei sich in eine schöne Metapher gepackt: Wir sind wie Kinder die im Zoo ans Aquarium klopfen, weil sie nicht die Kosequenzen des Klopfens verstehen und nicht erfahren können. Die Metapher ist wirklich schön und vermutlich für viele Menschen korrekt. Dieser Lesweise entspricht ja auch meine eigene erste Interpretation: Was dort passiert ist, ist ein Sündenfall des Staates, auch wenn wir ihm dabei geholfen haben.

Je länger Prism zurückliegt, desto mehr Zweifel habe ich allerdings an dieser Lesart und bin auf der Suche nach einer anderen. Es läßt mich, die Bürger, die Journaille und meine Regierungen ja doch verblüffend kalt. Das ist ganz sicher kein Watergate, kein echter Skandal, kein Sündenfall. Aber warum nicht? Darauf gibt es – meiner bescheidenen Meinung nach – zwei Antworten.

Die große Bedeutungslosigkeit
Die Erste lautet: “Mir doch scheißegal, ob die NSA meine Emails mitliest. Was sollen die schon damit machen?” Ich muss sagen, ich mag diese Antwort eigentlich sehr. Klar: Ich weiß, wenn mir jemand böses will, dann ist man ganz schön gearscht, wenn dieser jemand an meine Mails oder Dokumente oder was auch immer kommt, was online von mir rumfliegt. Ich weiß aber auch: Wenn mir einer Böses will, dann spielt es keine Rolle, ob er nun an meine Mails kommt oder nicht. Menschen zu schaden, ist keine Kunst, die erst das Internet ermöglicht hat. Und es überwiegt tatsächlich der Gesamteindruck: Nichts von dem, was ich hier im Netz tue ist von wahrer Bedeutung, es ist doch in aller Regel Datenmüll. Müll bleibt Müll, bleibt wertlos, egal, ob er sich in der Privatsphäre meiner Wohnung, in der vermeintlichen Privatsphäre meines Google-Accounts oder in einem öffentlichen Twitterstream oder meinem Blog befindet.

Bleibt noch der Umkehrfall? Was ist, wenn ich auf Grund von Daten, die der Staat mitliest zuunrecht verdächtigt, angeklagt, überwacht und sonstwie vom Staat behandelt werde? Hier gilt das gleiche wie oben: Staatliche Willkür und staatliches Unrecht sind keine Erfindung des Internets. In diese Mühlen zu Geraten war schon immer eines der schrecklichsten Schicksale, das die Götter für die Sterblichen bereithalten. Wir brauchen und haben so oder so Werkzeuge dagegen. Wenn die Geschichte der Demokratie eine Erfolgsgeschichte sein sollte, dann die Erfolgsgeschichte der Kontrollinstanzen.

Oder ich sage es nochmal anders: Die Vertreter der Sündenfall-These führen gerne das Briefgeheimnis als Metapher ins Feld. Man würde ja auch nicht wollen, dass der Staat all unsere Briefe liest. Es ist der Haken an neuen Medien, dass Metaphern von alten eben nicht auf sie passen. Denn ebenso ist das Internet das neue Fernsehen: Hätte ich was dagegen, wenn der Staat wüßte, welche Fernsehsendung ich gucke? Haha, das wäre sogar eine recht erheiternde Vorstellung. Der BND wertet das Fernsehverhalten der Republik aus.
Oder was wäre, wenn das Internet das neue Telefon wäre: Hätte ich was dagegen, wenn der Staat meine Telefongespräche mithören kann? Achso, das kann er ja. Macht er ja schon. Aber eben nur auf richterliche Anweisung. Wir sind nicht deshalb ein Rechtsstaat, weil wir nicht überwachen, sondern weil wir diejenigen kontrollieren, die überwachen …

Die große Alternativlosigkeit
Die zweite Antworte lautet: Wir haben Alternativlosigkeit inzwischen als den politisch-gesellschaftlichen Normalzustand akzeptiert. Hatten wir in der Eurokrise eine Wahl, ob wir die Banken retten wollten oder nicht? Wurden die Verantwortlichen für die Bankenkrise zur Rechenschaft gezogen? Wurden Maßnahmen ergriffen, um Gleiches künftig zu verhindern? Gibt es zu diesen Handlungen gangbare Alternativen? Die Antworten lauten stets: Nein. Alternativlosigkeit ist die hervorragendste Eigenschaft der Demokratien unserer Zeit.

Die Demokratien, in denen wir leben sind seltsame Gebilde: Schon vor der Weltwirtschaftskrise war der tatsächliche Anteil demokratischen Handels im Leben der meisten Bürger denkbar klein: Alle paar Jahre ein paar Kreuze, für ein paar Menschen oder sogar nur Parteien. Wie soll man mit einem Kreuz etwas zu den tausenden Sachfragen sagen, die sich uns als Gesellschaft täglich stellen? Wir haben uns längst und von Kindesbeinen an diese Reduktion gewöhnt. Dass die jenigen, denen wir unsere Entscheidungsgewalt per Kreuzchen übertragen nun auch keine richtige Entscheidungsgewalt mehr haben, kommt uns Wähler ziemlich normal vor: Wir leben schon immer so. Warum sollte es “denen daoben” besser ergehen? Die haben ’45 und ’89 einmal ein Kreuzchen bei “SKD – System für Kapitalismus und Demokratie” gemacht und müssen jetzt bis zu nächsten Systemwahl warten, bis sie wieder was entscheiden dürften. Bis dahin müssen sie sich als Zuschauer und Handlager in Geduld und Demut üben.

Wenn es effektiv ist (und daran besteht ja wenig Zweifel), was bei Google und Facebook passiert von Agenten mitlesenzulassen – warum dann also nicht? Es ist ja nicht so, als wären unsere Regierungen sonst besonders rückgratstark, von Werten und Überzeugungen geleitet oder gar “Gutmenschen”, was inzwischen ja ein weiten Kreisen als Schimpfwort gehandelt wird, haha, wo “Gutmensch” ein Schimpfwort ist, da kann “Prism” ja wohl kein Sündenfall sein.

Nochmal anders
Und noch einmal anders: Wenn Frank Schirrmacher davon spricht, dass Militär und Wirtschaft (womit er wohl Microsoft, Apple, Google und Facebook meint) mit Prism eine Ehe eingegangen sind, dann irrt er sich gewaltig: Das Netz ist sei seiner Geburt Teil des militärisch-industriellen Komplexes (Stichwort Arpa-Net), wie die gesamte Industrialisierung stets Hand in Hand mit militärischen Interessen gegangen ist (was zu übersehen von einem Erkonservativen wie Frank Schirrmacher, schon einiges an Verdrängungsarbeit und Selbstverleugnung bedeutet). Wie könnten die beiden auch nicht, sind sie in ihrem Kern doch bestensfalls von Sekundärtugenden bestimmt (‘Profit’ im Fall der Wirtschat und wahlweise ‘Stärke’ oder ‘Gehorsam’ im Falle des Militärs) und einander, aus ihrer Perspektive doch eine große Hilfe. Das Militär finanziert die Wirtschaft und die Wirtschaft steigert die Effizienz des Militärs. Ein Traumpaar seit jeher. Und seit jeher ebenso verwirrt, orientierungslos und hilfsbedürftig. Es liegt an uns, die Werte festzulegen, in deren Rahmen sie agieren sollen. Und es liegt an uns, die Kontrollinstanzen einzufordern, die überwachen, dass dort auch wirklich so gehandelt wird.

Wie ich irgendwann schon mal schrob: Ich habe nichts dagegen wenn der Staat in der Lage ist, meine Emails zu lesen. Aber: Nur mit einem Gerichtsurteil bitte. Und: Ich will wissen wer, warum Richter wird und wer das ist, der meine Emails lesen wird, und welchen Ansprüchen er genügen muss. Ich will die Überwacher überwacht wissen. “Geheim” ist der Unterschied zwischen Gestapo und Polizeiarbeit. “Transparenz” scheint mir in dem ganzen Kontext das zentrale Schlüsselwort. Der Transparenz, mit der wir dem Staat Einsicht in unsere Leben gewähren, in dem wir im Internet sind, muss der Staat eine äquivalente Transparanz entgegensetzen. Das Aquarium ermöglich ja den Besuchern, ebenso wie den Bewohnern im gleichen Maße Einblicke auf die andere Seite der Galswand. Und ich kann mir vorstellen, dass so mancher Fisch, der sonst sein Leben in einem dreckigen Tümpel verbracht hätte ganz angetan und erheitert von den buntgekleideten Affen ist, die jeden Tag vorbeikommen.
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june 2013 by mxmerz
Dame, König, As, Spion
Polithriller … das darf man wohl getrost als eigenes Genre betrachten. Gucke ich eigentlich viel zu selten. Ebenfalls viel zu selten gucke ich Filme mit alten Männern, und damit meine ich nicht nur Gary Oldman. Ein wirklich schöner Ensemble-Thriller, der das große Glück hatte, bei der Verfilmung nicht aktualisiert zu werden, sondern schön brav 1973 spielt.
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march 2013 by mxmerz
Orpheus
Übers Wochenende war ein alter Freund aus Studienzeiten zu Besuch. Er ist Jahrgang ’78 und erzählte Interessantes: Er hat nur noch seine Firmen-Email-Adresse und liest seine Emails nur noch in der Firma, also nur Mo-Fr zwischen 9 und 17 Uhr. Auch die Privaten. Er hat kein Smartphone sondern trägt stattdessen die alten Handies von Freunden und Bekannten auf. Daheim hat er nur einen völlig veralteten Windows-Rechner und das Internet dadrin nutzt er nur für sporadische Einkäufe. Selbst Simsen schreiben macht er nicht. Er ruft die Leute an. Ende der Geschichte.

Andere Geschichte: Martin Albrow erzählt in seinem Buch “Abschied vom Nationalstaat” vom Aufstieg und vom Fall des Nationalstaates. Der Aufstieg begann im Grunde mit der Industriellen Revolution, die größere ökonomische Strukturen schuf. Vorher war die staatliche Autorität oft auf viele unterschiedliche und meist deutlich kleinere Einheiten, wie Fürstentümer, Kommunen oder Städte verteilt. Es gab auch schlicht wenig Grund für nationales Handeln. Ab und an ein Krieg. Das war’s. Während seines Aufsteigs, übernahm der Nationalstaat immer mehr Aufgaben, die vorher auf anderen Ebenen angesiedelt hatte. Das ging schließlich soweit, dass das Nationalstaat von seinem Selbstverständnis und seinen Fähigkeiten her bis ins Privateste, bis in die Familie und die Lebensplanung völlig selbstverständlich eingriff. Und wir deutschen war dadrin besonders gut: Die totalitären deutschen Staaten des 20 Jahrhunderts dürfen wohl als Höhepunkte der Macht des Nationalstaates betrachtet werden.

Wichtig scheinen mir dabei zwei Aspekte. Erstens: Totalitarimus entsteht aus einem umfassenden Anspruch heraus. Eine Einrichtung ist mehr oder weniger bewußt “der Meinung”, dass sie ein Primat über alle anderen Lebensbereiche hätte. Sie drängt sich in Lebensbereiche, in dene sie zunächst nicht vorhanden war, erhebt handlungskoordinierende Kraft für annähernd Alles.

Zweitens: Totalitarismus bedeutet nicht, dass jeder einzelne Bürger überwacht und kontrolliert wird. Totalitarismus bedeutet, dass ein Wille zur Steuerung da ist und das ein Apparat existiert, die die Überwachung und Steuerung ermöglicht. Ob der einzelen dann wirklich überwacht wird oder nicht, ob es noch “Freiräume” und vermeintlich Gutes im Totalitarismus gibt, spielt dabei keine Rolle. Totalitär bleibt es doch.

In aller Deutlichkeit
Es kann nicht mehr darum gehen, das Netz “zurückzuerobern”. Der totalitäre Anspruch ist spätestens mit der Omnipräsenz von “Mobile” offensichtlich. Lustigweise kondensieren beide Entwicklungen im Iphone: Die Hardware liefert immer und über Netz und der App-Store liefert Software für alle Lebensbereich. Ich will damit nicht einmal Konzer-Schelte betreiben, denn es ist ja viel schlimmer: Der zentrale Unterschied zwischen den totalitären Staaten des 20 Jahrhunderts und der Netz in seiner aktuellen Ausbaustufe ist die Tatsache, dass Staaten eine Few-to-Many-Organisation sind, während das Netz eine Many-to-Many-Organistation ist. Gut. Facebook und Apple und Google arbeiten hart daran, sich die alten Pfründe und Monopole der Nationalstaaten einzuverleiben, aber am Ende sind es vor allem die Leute selbst, die sich im Netz und mit dem Netz unterjochen. Die großen Konzerne und die Nationalstaaten ergreifen nur die Chancen, die wir ihnen bieten.

Das Netz ist in der Hinsicht ein Spiegelbild der politischen Situation: Es gibt nur noch ein einziges, völlig konkurenzloses Gesellschaftsmodell: Die neoliberale, turbokapitalistische Pseudodemokratie; und es gibt nur noch ein Menschenmodel: die rationalen Egoisten. Im selben Maße, in dem das Gesellschaftsmodel selbst keine Ziele und Werte hat, sondern nur Sekundärtugenden kennt, wie Wachstum und Profit, ist das auch das Netz richtungslos. In gleichen Maße, in dem der Kapitalimus alternativlos ist, macht sich das Netz alternativlos. Am Ende ist das Netz vor zuerst die totalitäre Seite der Postmoderne. Das Ende der Meta-Erzählung in Code und Verhaltens-Codes gegossen.

Am Ende läuft es wieder und wieder auf Illich hinaus: Eine Technologie ist Nichts ohne einen gesellschaftlichen Willen. Und in diesem Fall trifft die vielleicht mächtigste Technologie seit Erfindung der Atombombe auf das vielleicht mächtigste Gesellschaftsprinzip.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das keineswegs pessimistisch gemeint! Ganz im Gegenteil. Ich freue mich sehr. Es kann immer nur darum gehen eine eigene Position zu beziehen. Je deutlicher man erkennt, was eigentlich um einen herum passiert, desto präziser ist das möglich. Es ermöglicht, klarer die Grenze zu siehen zwischen dem, was man hier macht und was man hier nicht macht.

2013 möchte ich für mich selbst gerne zu dem Jahr machen, in dem ich das Netz in seine Schranken verweise.
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january 2013 by mxmerz
Das Haus, das Verrückte macht
Das Kind habe ich den Asterix-Film “Sieg über Rom” sehr gemocht. Eine Szene daraus fand ich immer besonders lustig und hat sich seither als Metapher eingebrannt und wenn ich jetzt “Passierschein A-38″ sage, dann wissen die Eingeweihten schon wovon ich rede: Das Haus, das Verrückt macht.

Wie das mit Metaphern und Comic so ist, hält man das gerne für überzogen vielleicht mit einem Funken Wahrheit. Dem ist allerdings nicht so. Was wir bei Asterix und Obelix sehe ist die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Jeder der schon einmal versucht hat, bei einem Konzern einen laufenden Vertrag zu kündigen, weiß, das das so ist. Wir sollten Kindern das immer dazu sagen, wenn sie Asterix und Obelix gucken: Die in diesem Film gezeigten Ereignisse beruhen auf wahren Begebenheiten.
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november 2012 by mxmerz
Moon
Wie befürchtet: Ein ambitioniertes Drehbuch, ein Kammerstück, mit großer Liebe zu seinen Vorbildern inszeniert, aber leider, leider, leider reicht es nicht für etwas Epochales, leider trägt da irgendwas nicht genug. Immerhin: Es reicht um im Kontrast mit Prometheus zu zeigen, woran es Ridley Scott mangelt. Ein trauriges Fazit: Das Beste, was das Genre in den letzten Jahren hervorgebracht hat.
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november 2012 by mxmerz
hinsetzen, beten, danken und gerettet werden
Ich kann nicht anders als laut und anhaltend lachen. War Matthias Döpfner vor anderthalb Jahren noch der Meinung, jeder Verleger der Welt solle “sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.“, so frage ich mich, ob er heute morgen auch noch zu Steve Jobs (Gott hab ihn seelig) gebetet hat, nachdem er feststellen durfte, was es bedeutet, wenn man sich von Apple retten läßt.

In die – deutlich überwiegende – Schadenfreude mischt sich allerdings auch etwas Verwunderung. Ich meine … jemand wie Matthias Döpfner führt doch selber einen ziemlich großen Konzern, und das nicht gerade mit Samthandschuhen. Und wenn schon ein Hacker wie Jaron Lanier versteht und prognostizieren kann, was die großen IT-Konzerne gerade werden, nämlich Mittelstandsvernichtende-Monopol-Monster, dann frage ich mich doch, warum jemand wie Matthias Döpfner das nicht schon dreimal verstanden hat und trotzdem seine Gebete in den Rachen des Monsters schickt, und mehrere nicht ganz lebensunwichtige Körperteile gleich hinterher.

Ach. Eigentlich ist es mir doch egal. Die Heiterkeit überwiegt. Die Schadenfreude. Ich grinse immer noch und muss weiter regelmäßig laut lauchen. Das Sturmgeschütz der Demokratie – von den Verlegern selber zum Altmetallwert verhökert. Köstlich! “mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet” … ich könnt’ mich kringeln!

Linkdank geht an Basti!
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october 2012 by mxmerz
Keep the earth beneath my feet
Eine heitere Geschichte. Erster Akt. Ich war in Berlin mit meinem Internet und Telefon bei O2 und hatte eigentlich vorgehabt, auch bei O2 zu bleiben. Also habe ich Anfang September einen Umzugsantrag für Anfang Oktober gestellt, und die Dame am Telefon sagte auch, dass das früh genug wäre und der Techniker an einem der beiden Wunschtermine wohl kommen könnte. Wenig überraschend konnte der Techniker nicht am dem 4. oder 5. Oktober wie gewünscht, sondern erst am 23. Oktober. Soweit so scheiße. Drei Wochen ohne Netz im neuen Zuhause.

Zweiter Akt. Von meinen Vermietern erfuhr ich, dass unsere Vormieterin mit Telefon, Kabelfernsehen und Internet bei Unity-Media war. Da die ja nicht übers Telefon sondern übers Kabelfernsehen in die Wohnung kommen, hat man da deutlich ordentlichere Bandbreiten: Bei 50 MBit geht’s los, bis hoch zu 150 MBit. Eine Anruf mit erfrischend kurzer Wartezeit in der obligatorischen Warteschleife offenbahrte noch zwei tolle Dinge: Erstens könne der Techniker schon nächste Woche komme und zweitens erläßt mir Unitiy-Media meine Anschlußkosten, solange ich noch in meinem Vertrag bei O2 bin.

Dritter Akt. Also bei O2 angerufen. 35 Euro zahle ich dort derzeit für das größte DSL-Paket. Die wollten mir 5 Euro pro Monat Kosten erlassen (mit dem Zusatz, das wäre schon das Maximalangebot), wenn ich nicht wechsele. Soweit so nett. Ich wollte aber gerne wissen, welche Bandbreite ich bei denen derzeit habe, also schaue ich mal in deren Tarife und bin etwas überrascht: Erstens stehe dort nur Alice Tarife, zweitens haben die alle 16MBit und drittens kostet der teuerste Tarif 24.99 im Monat. Als ich die Dame am Telefon darauf anspreche meint sie, dass sie mir doch anbieten kann, jeden Monata 10 Euro zu erlassen, wenn ich meinen Vertrag jetzt um 24 Monate verlägere. Das war ihr dann allerdings schon hörbar peinlich.

Vierter Akt. Heute sollte ich dann bei Unity-Media anrufen, um einen Termin mit dem Techniker zu machen. Angerufen, weitergeleitet, “Könnte der Techniker auch heute schon zu Ihnen kommen?”. “Wie, ah, ja, la-tür-nich!”. Wie unglaublich sit das denn bitte?! Heute noch! Holy Cannoli!

Fünfter Akt. Es kommt aber noch besser. Da dachte ich mir, dass ich wenigstens bei O2 anrufe, um denen zu sagen, dass sie den Techniker übernächste Woche nicht schicken müssen. Also da angerufen. “Ja, ne, das geht leider nicht, das liegt an den langen Kommunikationswegen zwischen O2 und der Telekom.” Jetzt werde ich also übernächste Woche zuhause auf einen Telekom-Techniker warten, ihm freundlich die Hand schüttel und sagen, dass es für ihn hier nichts zu tun gibt.
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october 2012 by mxmerz
Da bin ich wieder
Im Sommer 2006 habe ich einen Job in Hamburg angenommen. Im Sommer 2010 dann einen Job in Berlin. Bis auf eine kurze Spanne von 6 Monaten, habe ich die letzten 6 jahren stets in zwei Wohnungen in zwei Städten gelebt.
Diese Zeit endet jetzt.

Als das 2006 anfing, startete ich mit einer – wie könnte es anders sein – wild-romantischen Vorstellung in meine Zukunft: Schon seit langen Jahren wollte ich an einer Cyberpunk-Geschichte schreiben (die nie das Licht der Welt erblickt hat), deren Protagonisten eine Mischung aus den Hackern, atheistischen Glaubensbrüdern und Samurai waren. Eine Art digitale Verschlichter-Dich-Kaste, die weltweit Büros und Wohnhäuser unterhielt und deren Mitglieder nicht viel mehr als einen Laptop und einen Seesack oder Koffer mit den nötigsten Habseligkeiten besaßen. Ein bischen, wie der Friendly Anarchist. Ich kam mir vor, wie einer jener Cybersamurai aus meiner eigenen Geschichte, als ich in dieses neue Berufleben startete.

Die wild-romantischen Vorstellungen traffen als erstes mal auf ein anderes wild-romantischen Gefühl – hartnäckiges Heimweh – nur um gleich darauf auf eine noch hartnäckigere Realität zu treffen – die des Wochenendpendlers. Und als ich im Spätsommer 2010 endlich wieder alle meine Dinge an einem Ort, an meinem Ort, bei mir hatte, wußte ich spätestens, dass Verschlichter Dich zwar eine valide Strategie gegen vollgestopfte Wohnungen ist, dass aber die Dinge – zumindestens für mich und um mich herum – einen Teil von mir ausmachen. Mein Herzblut ist in diesen Bücher, Schallplatten, Filmen, Pfeifen und Spielen. Wie könnte ich sie da nicht um mich herum haben wollen.

Schön früher hatte ich erkannt, was ich nicht sehen konnte solange ich darin lebte: Ich liebe meine Heimat, oder vielmehr meine Heimaten, denn ich habe immerhin zwei davon: Ostwestfalen und Nordfriesland. In Ostwestfalen kann ich wirklich zuhause sein. An allen anderen Orten fehlt etwas. Und das sind nicht nur gutes Brot und die besten Brötchen, den liebenswertensten Dialekt und die schönste, weil unspektakulär aber idyllische Landschaft, sondern vor allem eines: Das Gefühl, kein Fremder zu sein. Das Gefühl, hier hinzugehören. Und diese Gefühl läßt sich nichtt herbei argumentieren, läßt sich nicht herbei romantisieren. Entweder ich gehöre hier hin oder nicht. Ende.

Ich bin kein Cybersamurai. Ich bin ein schlüriger Ostwestfale, der mit seinem Kaffee über den Pickert pülschkert, am liebsten in bollerigen Buchsen rumpattkert, ständich was verdölmert und abends in seinem Pölter unter die geschlossene Wolkendecke kriecht, die träge und müde am Teutoburger Wald festhängt.

Da bin ich wieder.
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september 2012 by mxmerz
Ich will nicht vergessen …
Ich will nicht vergessen … ja was eigentlich? Ich habe nicht vergessen, dass Berlin mir einen warmen Empfang bereitet hat. Und ich habe nicht vergessen, dass mir Hamburg einen noch wärmeren Abschied bereitet hat. Jetzt also der Abschied von Berlin.

Also ich im Spätsommer 2010 nach Berlin kam, hatte ich schwer Schlagseite, die meisten Segel hat der Wind fortgerissen und Leeküste in steter Sichtweite. Ich habe es im Anschluß an den Winter oft gesagt: Keine andere Stadt ist besser geeignet als Berlin, wenn es einem richtig dreckig geht. Man kann einfach an einem Mittwochabend aus dem Verlagshaus gehen, drei Stationen mit dem Bus nach Kreuzberg reinfahren und die halbe Nacht saufen, als wäre es Freitag. In Kreuzberg ist jede Nacht Freitagnacht.

Ich will diese Abende in Kreuzberg nicht vergessen. Und ich werde nicht vergessen, mit wem ich sie verbracht habe: Madame La Julie et Monsieur Le Mo, ihr habt mir ganz sicher das Leben gerettet vorletzten Winter in Berlin!

Ein anderer Aspekt meiner Diaspora hier ist ziemlich bezeichnend für die ganzen zwei Jahre: Bevor ich nach Berlin zog, habe ich mich unbändig auf das Pergamon-Museum gefreut. Ich erinnere mich an meine bisherigen Besuche mit einem Gefühl, dass ich seither nie wieder gespürt habe. Eine Art Umfassung der Menschheitsgeschichte; meine Positionierung darin; und sehr viel Demut und Ehrfurcht. Ich hatte sogar überlegt eine Jahreskarte für’s Museum zu kaufen …

… seit ich in Berlin wohne, war ich kein einziges Mal im Pergamon-Museum …

… und nicht-ins-Pergamon-Museum-gehen, mich zum Perganon-Altar hinträumen, kann ich genauso gut in Bielefeld. In dem Sinne: Macht es gut, ihr steinernen Götter und Titanen! Gebt auf euch acht, liebe Freunde!
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september 2012 by mxmerz
Verständnis wird es nie geben
Drüben beim Fluter gibt es ein Gespräch mit einem schwulen Bundeligafußballspieler.

Ich würde das am liebsten so stehen lassen, mit dem ganzen Gewicht und der Bedeutung, die es in sich trägt.

Weil es aber wirklich “wie gerufen” kommt muss ich doch noch was sagen. Thomas hatte im Rahmen der Bettina-Wulff-Debatte kommentiert, dass Googles Autovervollständigung Fußballernamen oft von alleine um “schwul” ergänzt und ich fand das Beispiel weit eindringlicher, als das von Bettina Wulf. Wenn man sich durchliest, was der Mann zu sagen hat, wie sein Leben aussieht und wie er seine eigene Position wahrnimmt, dann treten der Zynismus und die Verachtung klar zu Tage, die mit der Anmaßung einhergehen, es könnte eine Suchmaschine geben, die neutral das über Innen- und Seelenleben dieses Menschen urteilt.

Dieses Gespräch steht bei mir persönlich in einer Reihe mit dem Atomausstieg und dem Ende der Wehrpflicht. Das ist wichtig für dieses Republik. Das ist uneingeschränkt gut. Ich bin fast ein wenig überwältigt, das erleben zu dürfen.
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september 2012 by mxmerz
Sonntagmorgens
Es gibt ein paar Gefühle, für die kenne ich keine Worte. Es gibt zum Beispiel diese eine Gefühl, das mich ab und an einholt, das ich noch kenne von den Wochenendmorgenden in einer meiner ersten Wohnungen. Ich war noch Zivi oder gerade schon Student. Die Zeit, als jenes mythische “richtige Leben” von dem uns 20 Jahre lang erzählt wurde gerade angefangen hatte. Jene Zeit in der die Zukunft ein englischer Landschaftsgarten wart, der schwer zu überblicken war, aber jeder neue Ausblick war wunderschön und selbst die Schattenlinien waren verheißungsvoll. Eine Zeit, in der die Flausen der Jugend mir noch täglich ein paar Milimeter aus dem Kopf schossen. In jenen Tagen am Wochenende morgens aufzustehen, wenn es noch ruhig war im Haus, in der WG und der Welt, den ersten Kaffee zu kochen und zu überlegen, was man mit dem Tag anstellen könne … vielleicht eine Runde HeroQuest spielen … oder ein wildes Gedicht schreiben …
… manchmal, immer öfter, kommt dieses Gefühl wieder zurück zu mir.
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september 2012 by mxmerz
Spiegelland
Die Schweiz ist vermutlich einer der ganz wenigen Orte in der Welt, in der man als Deutscher erfahren kann, wie es ist, wenn man als Fremder nach Deutschland kommt: Alles ist unglaublich ordentlich und geordnet und die Straßen sind voller neuer, großer und teuer Autos. Überhaupt ist alles schrecklich sondern es sieh auch noch alles teuer aus. Teure Schaufensterdekorationen, teure Bahnhöfe und alles voller Versicherungen, Versicherungsversicherungen und Banken. Die Menschen scheinen geradezu eingewickelt in Geld zu sein. Ich bin von einem Typen in Anzug und teuren Lederschuhen und Goldarmbanduhr angebettelt worden, nicht ohne dass er mich zuvor 5 Minuten über mein Karma, meine Zukunft und die Gesellschaft zugeredet hätte.

Und noch eine erstaunliche Spiegelerfahrung kann man als Deutscher in der Schweiz machen: Die Menschen sprechen eine seltsame, unmelodische, weitestgehend auch häßlichen Konsonanten bestehenden Sprache, die je zu erlernen geschweige denn akzentfrei zu beherrschen man getrost nach den ersten Wortwechseln aufgeben kann. Ein seltsames Ungetüm von einer Sprache, dass die, die sie beherrschen nicht zuletzt mögen und pflegen, weil es sie vom Rest der Welt trennt.

Ein Besuch in der Schweiz ist aber vor allem auch deshalb sehr heilsam, weil man in der Konfrontation mit mehr Ordnung, mehr Reichtum und mehr Eigenbrödlerei als man gewohnt ist, in eine stete Habachtstellung verfällt, ein stetes Unterlegenheitsgefühl, eine stet Rechtfertigungssituation, eine leicht aber stete Furcht, den Regeln und Ansprüchen der Überlegenen nicht zu genügen. Und ein solcher Besuch entläßt einen stets in die Heimat mit dem Gefühl, dass man die Dinge mal etwas entspannter angehen kann.

Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich werde immer schrecklich nett behandelt in der Schweiz, habe nicht den geringsten Anlaß, mich zu beschweren und alle Schweizer, die ich kenn sind schrecklich nett. Aber hier leben, nein danke.

Eine Umstand möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, der nicht in dieses Muster passt. Der zentrale, allanwesende Kern des Journalismuses in diesem Land des Luxus sind Gratiszeitungen. Vom Bänker über die Schickimicki Dame, vom Hipster über das verwöhnte Schulkind – das ganze Land ließt jedentag Zeitung in Millionenauflage. Und keiner bezahlt dafür auch nur einen müden Rappen.
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september 2012 by mxmerz
Worüber wir schreiben
Frau Tadellos hat einen beeindruckenden Text geschrieben, woraufhin Frau Fzerozero hat auch einen beeindruckenden Text geschrieben hat. Und obschon beide Texte ein wenig ins Ressort “Blogger bloggen übers Bloggen” fallen und ich dachte, dazu das meiste geschrieben zu haben, stoßen beide Texte etwas an, das niedergeschrieben werden will.

Zufällig habe ich gestern Nelson Goodmans “Sprachen der Kunst” aus dem Bücherregal der Ästhetin an meiner Seite gezogen und die ersten zwei zehn Seiten gelesen. Goodman sagt – weil er bei der Betrachtung der Künste mit den Bildern anfängt – dass es ziemlich schwer ist, die Konzept “Kunst” und “Repräsentation” mit einander zu verbinden und es desweiteren noch viel schwieriger ist, die Konzepte “Repräsentation” und “Ähnlichkeit” miteinander zu verbinden. Das scheint mir wahr. Darum, im Sinne von Frau Tadellos und Frau Fzerozero: Bloggen hat vielleicht eine Repräsentationsfunktion unseres Lebens, diese erwächst aber nicht zwingend aus der Ähnlichkeit dessen, was in Blog-Artikeln steht mit unseren Leben.

Oder um mal Butter bei die Fische zu tun: Was an Schmerz und Gewittern und Häßlichkeiten in meinem Leben war und ist, ist auch in diesem Blog. Wie könnte es nicht. Es gibt halt nur keine “einfachen” Texte, davon handeln. Aber trotzdem sind diese Tage und diese Gedanken und dies Situationen da, nur haben sie eben keine direkte Ähnlichkeit, sie sind nur Re-Präsentanten.

Darum – und da trifft Frau Fzerozero den Punkt – darum ist das Schreiben so wichtig.
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august 2012 by mxmerz
Cidre, Cider, Zider und Sidra
Cidre, Cider, Zider und Sidra sind in Norddeutschland zuunrecht nur unzulänglich im Umlauf. Der Süddeutsche kennt Äppelwoi ja schon länger. Aber wenn es einen Namen hat, der dem Franko- und Anglophilen schmeichelt, macht es gleich doppelt soviel Spaß, sich damit zu erfrischen und gleichzeitig zu betrinken. Ich mag ja kein Bier, mochte noch nie welches und werde in diesem Leben damit wohl auch nicht mehr warm. Aber seit ich Cider entdeckt habe, kann ich die Begeisterung der anderen Deutschen für’s Bier etwas besser verstehen, glaube ich.

Es weiß nicht zufällig wer, wo man in Bielefeld Cider kästenweise in 0,3 Flaschen kaufen kann? Strongbow oder OBC oder so?
Ars_Vivendi  Artikel  Bielefeld  from google
august 2012 by mxmerz
Le Bat
Ich glaube ja, dass Batman der Dr. Faust der Amerikaner ist. Die amerikansiche Kultur hat sich ihr eigenes Pantheon an Helden und Antihelden geschaffen, die immer und immer wieder reinszeniert und reinterpretiert werden können. Mit Batman allerdings habe ich ein Problem, nicht erst, seit “The Dark Knight rises“. Ich kann Batman nicht sehen, nicht greifen. Er ist nur eine leere Hülle.

Das Mann hinter der Maske
Am deutlichsten wird es für mich an der Frage, wer – meiner bescheidenen Meinung nach – die Idealbesetzung für Batman wäre. Als Superheld unterscheidet er sich von fast allen anderen Superhelde dadruch, dass er keine Superkräfte hat. Seine Stärken bestehen aus drei Dingen: 1. Technische Tricks, 2. Brillanter Verstand und 3. Konsitution eine Schwergewichtboxers. Mehr noch als die anderen Superhelden, die ich kenne bekommt Batman regelmäßig und heftigst auf die Fresse, teilt aber auch entsprechend aus. Damit ist drahtige Christian Bale eigentlich schon eine Fehlbesetzung. George Clooney hatte da schon eher eine passende Statur, aber ihme fehlte das Düstere, das spätestens seit Frank Millers Comicserie “The Dark Knight” von 1986 ein Eckpfeiler seine Charakters ist. Es gibt nicht viele Schauspieler mit der Statur eine Preisboxers, die gleichzeitig auch glaubhaft als aus bestem Hause, Milliardäre, Konzerninahaber und hochintelligent durchgehen.

Bruce Willis, Harrison Ford und Mel Gibson kommen wir da als erstes in den Sinn. Alle drei würden sich reichlich strecken müssen, wenn sie als superclever durchgehen wollen. Aber ich kann sie mir kaum in einem Batman-Kostüm vorstellen. Wobei ich die Tatsache, dass sie nicht mehr zur jüngste Garde oder auch nur zur zweitjüngsten Garde zählen sogar fast noch als Vorteil sehen würde. Frank Miller hat seinen Batman schließlich auch mit grauen Haaren versehen und ich fand, dass das dem pa­ter­na­len Wesen von Batman (“Ich muss meine Stadt beschützen”) sehr entgegen kommt.

Ich glaube, ein etwas gealterter, aber noch nicht so fetter Marlon Brando wäre ein guter Batman geworden. Er hatte die Statur, den Charme und den starken Willen. Da es derzeit kaum einen Schauspieler gibt, den ich lieber sehe, als Clive Owen, überrascht es nicht, dass ich auch ihn für eine bessere Besetzung halten würde. Es hat nicht ganz die Statur von Marlon Brando oder Bruce Willis, ist aber auch nicht so gertenschlank wie Christian Bale. Gleichzeitig hat er in seinen bisherigen Rollen oft “den Guten mit dem Knacks” gegeben. Bruce Waynes dunkelere Seiten, seinen Schwermut bekäme er sicher gut hin.

Der Mann ohne Eigenschaften
Mit dem Mann hinter der Maske gehen die Probleme aber erst los. Das eigentlich Problem ist, dass ich die Figur “Bruce Wayne” fast keinen Charakter hat außer, Milliardär, Konzerinhaber, Preisboxer, Held. Ja, er hat seine Eltern verloren, yaddy yaddy yaddy. Das mag zur Gründunggeschichte der Figur gehöre, ist aber inzwischen aber eines aller allerabgegriffensten Klichees überhaupt und hätte in der Zwischenzeit ja man durch die eine oder andere echte Facette ergänzt werden können. Batman – und das sieht man in Nolans Filmen vielleicht am deutlichsten – hadert mit seiner selbstgewählten Aufgabe, mit seiner Stadt, mit seinem Alter-Ego. Fair enough. Das läßt ihn ein gutes Stück menschlicher erscheinen als seinen Kumpel Superman. Aber da hört es dann auch schon auf.

Mal zum Vergleich: Wolverine (um mal jemanden aus dem Nachbaruniversum zu nehemen) oder Indiana Jones kann ich als Figuren sofort fassen. Sie haben Ecken, Kanten und Geschichte und trotzdem noch Geheimnisse.

Der dunkle Prinz
Ich kann natürlich nicht über eine schwermütige Figur schreiben, über eine Figur, die mir sich selber und ihrem Schicksal hadert, die auf Rache aus ist und

Eine ziemlich bedeutende Eigenschaft vereint unseren Dunklen Ritter und unseren Dunklen Prinzen: Sie schrecken vor Selbstjustiz nicht zurück. Wobei Hamlet davor latürnich schon zurückschreckt, aber eher weil er selber ein Zurückschrecker ist, nicht weil er moralische Probleme mit Selbstjustiz hätte.

Die leere Bat-Hülle
Ich würde das alles hier vermutlich nicht schreiben, wenn Batman nicht noch eine weitere bemerkenswerte Eigenheit in sicher vereinen würde: Er ist die mit Abstand erfolgreichste Comic-Superheld: Sowohl messbar (Anzahl der Serien, Filme, Comics, Franchise-Spinnoffs) als auch nicht messbar (Breite der Zielgruppe und Verbreitung in der Gesellschaft, Stichwort “Genschman” …). Da stellt sich ja die Frage, ob das nicht vielleicht sogar in Zusammenhang steht. Die These müsste hier lauten: Eben weil die Figur leer ist, ist sie eine gute Porjektionsfläche.

Den Batman im Aufmacherbild habe ich überigens selbst gezeichnet, hihi.
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august 2012 by mxmerz
Sherlock Holmes – Spiel im Schatten
Zugegeben, Robert Downey jr. als exentrischer Superverbrecherjäger gegen den exzentrischen Superverbrecher Moriaty (schon der Name ist kuhl ‘Moriaty’, hihi) zusammen mit ein, zwei Bullettime-Effekten ist eigentlich eine nette Idee. Eigentlich. Leider nämlich irgendwie doch nicht. Hätte man auch vorher wissen können. Wenn ich doch nur nicht allem so erlegen wäre, was nach Steampunk ausschaut …

… und immerhin hat sich der Film schon alleine für den unendlich kuhlen und unendlich unbekleideten Auftritt von Stephen Fry gelohnt. Ich glaube, Stephen Fry wäre ein guter Weltpräsident.
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july 2012 by mxmerz
Meine Sigg-Flaschen
Ich sollte mir mal ein paar davon zulegen.
sigg  water  bottle  benjamin-birkenhake  Artikel 
july 2012 by mxmerz
This must be the Future
Alle Anzeichen deuten darauf hin: Es steht eine 20 am Anfang der Jahreszahl, wir bedienen Computer mit Gesten, Autos sehen aus wie Lutschbonbons, wir spielen Computerspiel in virtuellen Realitäten, eine Frau ist Bundeskanzlerin, wir sind jederzeit und überall erreichbar, der mächtigste Mann der Welt und der beste Golfer der Welt sind schwarz, während der beste Rapper weiß ist, Dronen sind Kriegsgerät und überwachen unsere Städte und ein Bayer ist Papst. Yep, es ist soweit, das hier muss die Zukunft sein.

Das ulkige an dieser Zukunft aber ist, dass sie nicht aussieht, wie der Zukunft. Ich ich kenne mich damit ziemlich gut aus. Ich habe aus schlichtem Hunger heraus ziemlich willfährig Science-Fiction verschlungen. Filme, Bücher, Comics, Spiele. Egal. Ich bin auf ziemlich viel vorbereitet, auf den Überwachungsstaat, auf Zeppeline mit Werbung drauf in unseren Innenstädten, auf fliegende Autos, mechanische Augenimplantate und vieles mehr. Aber dass die Zukunft so aussieht wie die Gegenwart. Ja sogar wie die Vergangenheit (Leggins in der Öffentlichkeit!), darauf hat bereiten einen die Scifi-Autoren nicht vor.

Inzwischen ist das so frapierend, dass man es wohl als eigenen Aspekt küftiger aller Zukunfütigkeit den Autoren mal ins Stammbuch schreiben sollte: Die Zukunft sieht nicht anders aus. Die wichtigsten Veränderungen sind kaum sichtbar. Insbesondere unsere Städte verändern sich fast gar nicht.

Zugegen in Berlin wird viel gebaut. Größe Baustelle Europas, blabla … nur, was dort hingebaut wird, sieht verblüffend aus, wie etwas dort zumindest zuvor schon gestanden haben könnte. Dafür könnte es zwei lustige Ursachen geben: Zum einen muss man wohl festhalten, dass die Architekur der 90er und 00er sich nicht gerade durch eine Neuerfindung ausgezeichnet hat. Das bisschen Dekonstruktivismus reich nicht aus, um ein Stadtbild zu verändern. Eisenmans Mahnmal und Libeskinds jüdisches Museum sind nur Trofpen in der Spree. Nein, die Postmoderne ist heimlich still und leise in eine Post-Postmorderne, eine Neomoderne übergeganen, eine Formensprachliche Ausweglosigkeit, die eigentlich ein zauberhftes Gegenbild zur Gesamtgesellschaftlichen Situation ist. Gefühlt regiert noch immer Kohl und das Land sieht auch so aus.

Das führt ganz zauberhaft zum anderen Grund: Die größen Veränderungen liegen hinter uns: Wir haben unsere Städte bereits dem Auto geopfert und in Deutschland fällt die Bevlerungsexplosion aus. Stattdessen wir die “Die Überalterung” gegeben. Und eins noch obendrauf, zweckrationaler als heute, ist selten gebaut worden. Vielleicht noch in der Zeit, als man “die Platte” für eine gute Idee hielt.

Und ein dritter Grund gesellt sich auch noch dazu: Völlig überraschenderweise und auch wenn uns Sciene Fiction Film oft und anhaltend gerne das Gegenteil verkauft haben: Die Zukunft findet nicht ausschließlich nachts statt. Auch hier gibt es noch Tageslicht, Sonnenschein, blauen Himmel und – eine der wirklich großartigen Sachen an Deutschland – viel Grün in den Städten.
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june 2012 by mxmerz
Der Regen von Castamere
Für alle Fans der Serie: Die unvergleichlichen The National haben “The Rains of Castamere” eingespielt, dem in der zweiten und dritte Staffel von Game of Thrones tragische Bedeutung zukommen dürfte, wenn es sich an die Buchvorlage hält.

via Suzy, ein Tumblr-Blog, dass ich Freunden des Lieds von Eis und Feuer zum gelegentlichen Besuch nur ans Herz legen kann …
Artikel  Das_Lied_von_Eis_und_Feuer  from google
may 2012 by mxmerz
Was macht das Geld?
In der Nachbereitung des Endspieles Championsliga hatte ich am Sonntagmorgen noch ein interessantes Gespräch. Ausgangspunkt war, die Kommerzialisierung des Profifußballs in den letzten ein, zwei, drei vielleicht sogar vier Jahrzehnte. Wir waren uns schnell einig, dass das keine gute Entwicklung sei, sogar ich – als jemand, der auf Fußball einen Scheiß gibt – schnell eingesehen habe. Die heitre Überlegung in dem Zusammenhang war: Was passiert, wenn die Einnahme der Vereine um 90% einbrechen würden?

Es gibt Sportarten, bei denen ist das Geld immanent wichtig: Formel1 zum Beispiel. So ein Formel 1 Rennwagen und das ganze gegurke um die Welt kostet halt sauviel Geld. Mit 90% weniger, könnte man den ganzen Sport einstampfen. Oder der Opern-Betrieb (was jetzt kein Sport ist, zugegeben). So ein Bühnenbild kostet halt viel Geld.

Aber Fußball … es würde ja vermutlich ganz genau der gleiche Fußball gespielt werden, wenn weniger Geld in dem System wäre. Die Stadien wären vielleicht nicht so prächtig aber das wär’s dann auch schon. Fußball selber kostet ja aus sich selbst heraus nicht mehr Geld als irgendein anderer Job auch. Und Fußball-Strategie und Vereinsführung ebenso.

Da fragt man sich doch: Was macht das Geld? Was tut es? Damit wir uns nicht falsch verstehen: Als jemand, der für einen digitalen Pandabären, der nichts kann, 10 Euro ausgegeben hat, verstehe ich sehr gut, dass die Leute nun ihr Geld nicht für die Dinge ausgeben, die einen Nutzen haben oder einem Zweck dienen, sondern für die Dinge, die ihnen etwas bedeuten. Es geht mir also nicht darum den moralischen Zeigefinger zu heben, sondern die Lupe des Hobbywissenschaftlers. Soviel Geld, muss doch irgendwas machen, wenn es schon den Fußball nicht besser macht, das muss doch irgendwas tun.
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may 2012 by mxmerz
Spaß mit Spam
Vorletzte Woche ist etwas witziges passiert. Ich bekam eine Spam-Mail. Und dann eine Mail von jemandem, der offenbar die gleich Spam-Mail bekommen hatte und darum bat, aus dem Verteiler rausgenommen zu werden. Da dachte ich noch, dass ein Spammer meine Email-Adresse als Absender benutzt hätte. Dann kamen aber noch mehr Mails der Art und dann eine Mail von einem Heise-Redakteur mit den Wort “Test” drin, oder so ähnlich. Und genau wie ihm dämmerte mir auch langsam, dass das eine Spam Mail gewesen war, auf die man antworten konnte und die die Antwort dann an alle weiterverschickte, die ebenfalls im Verteiler des Spammers drin standen.

Auf die obligatorischen “Bitte unterlassen Sie es mir Spam zu schicken, oder ich hetze Ihnen meinen Anwalt auf den Hals” folgten ein paar Mail von Leuten, die ebenfalls verstanden hatten, was vorsich ging und versuchten, alle Mitgefangenen auf dem Verteilen aufzuklären. Das waren schon ganz witzige Wortwechsel dabei. Inbesondere weil die Anwaltsdrohnungen nicht aufhören wollten. Dann finden die ersten Mitgefangen an, Werbung für ihre eigenen Unternehmen selber über den Verteiler zu schicken. Dann schicke jemand eine Bewerbung über den Verteiler raus. Er würde ab Juni oder so einen neuen Job im Bereich Logistik in Hamburg suchen, könnte dies und jenes und würde sich über Antwort freuen … da dämmerte mir dann langsam, dass hier vielleicht mehr passierte als nur ein schiefgelaufener Mail-Verteiler.

Das ist im Grunde der Chat-Roulette-Effekt, nur anstatt immer nur zwei Menschen zufällig miteinander zu verknüpfen, verband der wildgewordene Spam-Verteiler plötzlich hunderte oder tausende Menschen (zugegebenermaßen unfreiwillig) miteinander. Da müsste man eigentlich mehr draus machen können …
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april 2012 by mxmerz
Von der Streitkultur
Ich habe ja in Sachen Verwertungsrechte, Sopa, Acta, Cispa und wie der ganze Kram heißt, längst alle Leidenschaft und jede Überzeugung verloren, selbst das Urheberrecht ist mir scheißegal. Ich verwende fremde Inhalte, wo es mir gefällt. Ich habe nicht den Hauch eines Unrechtsbewußtseins, was das angeht. So wie mein Vater seine Rezepte aus den Kochzeitschriften ausreißt und in einen Ordner einheftet, reiße ich meine liebsten Inhalte aus dem Netz und hefte sie hier in meinem Blog ab. Sollte ich eines Tages dafür belangt werden, mache ich den Laden hier vielleicht dicht.

Bis dahin ist mir aber scheißegal, welche Gesetze wer erläßt, welche Lobby wen schmiert, welche Parolen die Publizisten ausgeben oder welche Partei sich eine Reform auf die Fahnen schreibt. Wirklich. Macht doch alle, was ihr wollt! Macht ihr ja eh. Kann mir doch keiner erzählen, die Verfechter des Status Quo hätten nur MP3s auf ihreren Rechnern, die sie bezahlt haben. Kann mir doch keiner erzählen die Verfechter eine Reform handelten aus altruistischen Gründen. Nein, geliebte Freunde, es lädt jeder runter, was er haben will, wenn er glaubt, nicht bestraft zu werden, und es nimmt jeder die Kohle, die ihm angeboten wird. Mache ich ja auch so.

Nein, der Diskurs der hier gerade so schnell geführt wird, schneller als ich Links nachlegen kann, der dreht sich nur um eines und das ist Politk. Und die einzige brauchbare Definition von Politik, die ich bisher gefunden habe, ist die von Carl Schmitt und die lautet; “Wir gegen die“.

Politik ist laut Schmitt derjenige Bereich, in dem zwischen Freund und Feind unterschieden wird.

Ende. Es geht nicht um Inhalte, oder Dinge, oder die Zukunft, oder die Gesellschaft, oder die Welt. Es geht einzig um Freund und Feinde. Das Ergebnis von Politk ist folglich nur etwas, das sich in diesem Kontinuum abspielt. Die Piraten sind keine Internetpartei und keine Contentrechtsreformpartei, wird im Interview mit Manfred Güllner, dem Forsa-Chef sehr schön deutlich wird. Die Piraten sind eine Protest-Partei. Ihre Funktion ist es, keine der alten Parteien zu sein (zu denen inzwischen auf die Grünen gehören), vielleicht sogar eine “junge” Partei zu sein, dem ewigen Wechsel der Generationen in Form einer Partei. Das ist alles.

Die Urheberrechts-Debatte wird weder mit dem Ende des Abendlandes noch mit dem Beginn eines goldenen Zeitalters enden. Es wird einen faulen Kompromiss geben. Wie immer. Mir ist dieser Kompromiss gleich. Was es mir dabei einfach macht, ist der Tonfall, der auf beiden Seiten angeschlagen wird. Eigentlich nicht mehr zu ertragen. Ich glaub, ich muss auch mal ein Gedicht darüber schreiben … :]
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april 2012 by mxmerz
Trost
“Es ist kein Trost darin zu finden, allein auf Sylt im Stehen Austern zu fressen.”

Dieser Satz von Wolfgang Joop ist mir in letzter Zeit öfter in den Sinn gekommen. Nicht nur, weil er in meiner Erinnerung aus Benjamin von Stuckard-Barres Text über seine Zeit in Jünne Goschs Fischbude am Lister Hafen stammt und Sascha gerade Sachen von Benjamin von Stuckhart-Barre ließt. Nicht nur, weil ich gerade in besonderer Weise nach Trost suche, sondern weil er auf die Ursache des nötigen Trosts zeigt: Wer allein auf auf Sylt im Stehen Austern frißt, dem fehlt es nicht an Geld und Wohlstand und Erfolg – und diese Dinge bringen etwas mit sich, das nach Trost verlangt.

Trost ist – wenn man sich das genau betrachtet – eine seltsame Sache. Wer Trost sucht, ist unglücklich. Doch der Trost jedoch beseitigt die Ursachen des Unglücks. Er lindert das Unglück nur, er macht es leichter, es zu ertragen. Das Unglück bleibt, die Wehmut beleibt, die Melancholie bleibt, die Trauer bleibt, der Schmerz bleibt, die Enttäuschung bleibt.

Zurück zu Wolfgang Joop, der alleine auf Sylt im Stehen Austern fressen muss. Und zurück zu mir. Es hat ja – vermutlich – einen Grund, warum ich in letzter Zeit an diesen Satz gedacht habe. Zum einen gibt es den konkreten Schmerz über die gescheiterten Uptopien vom Netz, über den gefallenen Engel Apple und gefallenen Riesen Google. Zum anderen feiern die ersten meine Freunde aus Jugendtagen nächstes Jahr ihren 40ten. Es kommt mir etwas komisch vor, das Midlife-Crisis zu nennen, und ich weigere ich einfach mal dagegen. Aber objektiv betrachtet, ist die Vermutung nicht so weit entfernt. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mir geht es gut! Ich trinke kaum und bin auch weit davon entfernt einen Sportwagen zu kaufen. Mein Leben läuft gut und bald ziehe ich zurück in die Heimat. Und doch … Trost ist stets willkommen, in welch wundersamer Form er auch kommen mag.
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march 2012 by mxmerz
Walt Whitman – Grashalme
Das Erste, was ich über Walt Whitmans “Grashalme” berichten muss, ist das Format. Ich hab schon vor einer Weile die Ausgabe aus der Reclam Universalbibliothek gekauft. Ich habe sehr, sehr lange kein Reclam-Heft mehr gelesen. Weil der Moby Dick für die meisten Reisen (Ubahn zur Arbeit, Flug) etwas sehr unhandlich ist, habe ich seit einer Weile halt die Grashalme in der Wintermanteltasche. Und was soll ich sagen? Wie großartig ist eigentlich die Reclam Universalbibliothek?! Kauft und lest mehr Reclamhefte!

Dann muss man auch schon auf Herrn Whitman darselbst zu sprechen kommen. Ich hab ja bisher nicht viel über ihn gewußt, aber doch genug, um ein zwei Bilder im Kopf zu haben. Weißer Bart, weltentrückter Blick. So in der Art. Wie man sich einen großen Lyriker halt vorstellt.

Fängt man an die Grashalme zu lesen, merkt man allerding schnell, dass Text und Autorenbild nicht so recht zueinander passen. Und das Nachwort verrät auch sofort den Grund: Als Whitman die erste Ausgabe der Grashalme – im Selbstverlag nebenbei bemerkt – veröffentlichte, war er mitte 30 und man kann die Jungend noch deutlich aus den Grashalmen herauslesen. Und das ist gut so. Ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, dass Lyrik und Jugend zusammengehören, oder dass die Junged besonders gute Lyrik hervorbringt. Aber die Lyrik der Jugend hat doch eine ganz eigene Synergie und Kraft, mehr als die Summe ihrer Teile.

Nicht vergessen darf man bei der Lektüre der Grashalme allerdings auch, dass Whitman sie praktisch sein Leben lang weitergeschrieben und immer wieder neue, erweiterte Ausgaben herausgegeben hat. Was für “normale” Werke etwas absurd erscheint, macht für die Grashalme aber Sinn, ja es ist Teil der ganz eigenen Ästhtitk der Grashalme und ich bedaure im Grund sehr, dass er nicht mehr hier ist, um sie weiterzuschreiben.

Die Grashalme haben eine besondere Form; der Titel beinhaltet das im Grunde schon völlig. Der gesamte Text gliedert sich in sehr gleichförmige, lange Zeilen, die nur lose zu größeren Einheiten zusammengefasst sind. Von Strophen oder gar Gedichten zu sprechen, finde ich im Grund nicht mehr angemessen. Jede Zeile ist ein Grashalm. Die Wiese ist das Werk.

Und wie immer, wenn ich größere Mengen – sprich ein ganzes Buch – Lyrik lese, keimt der Gedanke, warum man überhaupt etwas anderes liest, warum man sich das antut, jeden Tag Nachrichten und Werbung und Reportagen und all diese profanen Texte zu lesen, warum man nicht einfach nur noch Lyrik liest. Ich hab schon fast Mitleid mit all den Wörtern, die für im besten Fall langweilige und uninspirierte Zwecke miss- und gebraucht werden, so die gleichen Wörter doch soviel mehr sein könnten. Lyrik gehört schon so lange zu mir. Es geht mir besser, wenn ich viel Lyrik lese. Die Welt fühlt sich richtiger an.
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march 2012 by mxmerz
Black Boxes in Black Boxes
Ich schaue mich gerade durch die Serie “Structur and Interpretation of Computer Programms“. Einer – der viele – spannende Aspekte der Vorlesung ist die Tatsache, dass die “Computer Sciences” Prozesse für den Umgang mit Black Boxen liefern, aus denen sich Architekturen hoher Komplexität bauen lassen. Die Idee ist, dass man immer eine Black Box baut, die mit mehren Black Boxen wieder in eine Black Box gelegt werden. So wird Komplexität versteckt. Einsen und Nullen werden mit in einer Black Box zu richtigen Zahlen verwandelt. Zahlen werden in einer Black Box in Buchstaben verwandelt. Ein Black Box für’s Dateisystem, eine für Hochsprachen und so weiter. PHP ist eine Black Box für diejenigen, die sich mit der Komplexität von Pointern und der Speicherverwaltung von C nicht mehr beschäftigen möchten.

Der verblüffende Moment der Einsicht bei mir, war dieser: Das geht immer weiter. Ein graphisches Betriebssystem ist eine Black Box für die Leute, die sich mit der Komplexität der Shell nicht mehr beschäftigten möchten. Drupal ist ein Black Box für Leute, die sich mit der Komplexität von CMS-Programmierung nicht mehr beschäftigen möchten. iOs ist nichts als eine Black Box für die Leute, die sich mit der Komplixtät von Dateien und Programmen nicht mehr beschäftigen möchten. Facebook ist eine Black Box für Leute, die sich mit der Komplexität des Internets nicht mehr beschäftigen möchten. Journalismus ist ein Black Box für Leute, die sich mit der Komplexität der tatsächlichen Ergeignisse nicht beschäftigen möchten.

Daraus ergibt sich – mehr oder weniger – eine interessante Nebenbeobachtung: Die Frage nach dem Urteil über eine Black Box hat nicht unwesentlich damit zu tun, in wie weit die Black Box für mich als Beobachter wirklich “Black” ist, d.h. wie weit meine Fähigkeiten und Möglichkeiten reichen eben doch in diese Box zu schauen und zu verstehen, was dort passiert. Facebook kann ich als Black Box nicht leiden, weil ich weiß, wie man Webseiten selber baut, weil ich das kann und seit Jahren mache. iOS als Black Box ist mir unsympathisch, weil ich meine Dateiverwaltung beheersche und wie man Programme installiert. Das, was die Black Box an Komplexität verschleiern will, ist für mich nicht mehr komplex.
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february 2012 by mxmerz
Wulff geht
Wulff geht. Viel zu spät. Und man darf dabei nicht vergessen zu erwähnen, warum. Weil die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Imunität beantragt hat. Tiefer kann man als Präsident zwar fallen, aber das habe ich selbst von Wulff nicht erwartet. Ich glaube, man kann zur Zeit gar nicht überschätzen, was in den letzten Monaten eigentlich passiert ist. Es hat sich etwas verändert in dieser Republik. Und nicht zum Guten.

Angela Merkel hat damit den zweiten Präsidenten in einer Amtsperiode verloren. Das sagt auch vieles über Sie und ihre Regierungszeit aus, viel über das Land, das sie geschaffen hat.

Ebenfalls darf man dabei den aktuellen Kontext nicht aus den Augen verlieren. Deutschland versucht gerade Europa zusammenzuhalten. Wir nehmen dabei viel Verantwortung und Lasten auf uns. Wir erwarten aber auch viel von den anderen Europäern. In diesen Zeit den Präsidenten zu verlieren, schon den zweiten Präsidenten seit Beginn der Krise, das ist nicht gerade eine Hilfe.

Aber selbst wenn man den Blick nach vorne richtet, sieht das nicht gut aus. Das höchste Amt des Staates ist seit heute Freiwild. Jeder der jetzt Präsident wird, muss damit rechnen, rückhaltlos für jede Tat und jeden Aspekt seines Lebens gegenüber der Presse Rede und Antwort stehen zu müssen. Ich weiß wirklich nicht ob wir solche Heiligen anzubieten haben.

Wer kommt?
Und da stellt sich auch schon die Frage, wer der nächste wird, oder werden sollte. Mir selber fallen nur drei Kandidaten ein.

Wolfgang Thierse ist mir als allererstes in den Sinn gekommen. Seit seiner Zeit als Bundestagspräsident ist er mir als demütiger, aufrichtiger und grunsympatischer Mann in Erinnerung geblieben, der auch deutlich Worte finden kann. Wenn überhaupt ein Politiker in diesem Land noch eine weiße Weste hat, dann Wolfgang Tierse. Ich glaube aber, dass er auf Grund seiner Parteizugehörigkeit eher ausscheidet, vielleicht auch sogar ausscheiden sollte.

Ulrich Wickert halte ich persönlich für den besten Kandidaten. Er kommt nicht aus der Politik und seine Zeit bei den Tagesthemen haben ihn zu jemandem gemacht, den nicht nur die meisten Deutsche kennen, mögen und achten, sondern er war immer einer, der uns die Wahrheit gebracht hat, der sie uns die Welt erklären hat und dem man zugehört hat. Er war immer dicht an den Menschen, manchmal sogar fastschon jovial, wirkte aber immer seriös. Ich könnte spontan nicht sagen, ob Wicker eher links oder rechts ist, was ich für eine gute Ausgangsituation halte. Und. Wicker war selber Journalist, ein Journalist, vor dem selbst Journalisten noch Respekt haben, glaube ich. Das könnte als Nachfolger von Wulff ein wichtiger Vorteil sein. Wicker wäre mir tatsächlich der Liebste.

Armin und Christoph. Gut, zugegeben, der Vorschlag ist nicht so gaaanz ernstgemeint. Aber er weißt vielleicht in die richtige Richtung. Ich fände es schön, wenn der Präsident jemand wäre, den die Menschen erstmal mögen. Als Erstes. Dass man sonst keine Qualifikation braucht, hat Wulff eindringlich bewiesen.
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february 2012 by mxmerz
Wir kommmen alle mal zuspät und wir können nix dafür
Mir fehlt Hanns-Joachim Friedrichs.

Ich hab ihn nicht vergessen.
Ich hab nicht vergessen, was wir einmal hatten.
Ich wünschte, er wäre noch hier, um mir jeden Abend die Welt zu erklären.
Ich wünschte, ich könnte wieder einem Journalisten so trauen, wie ich ihm vertraut habe. Und es macht mich traurig, dass er nicht noch mehr fehlt, dass er nicht jeden Abend fehlt, sein Platz nicht jeden Abend leer ist, dass die Lücke, die er hinterlassen hat, so ganz offensichtlich gefüllt wurde. Die Welt sollte anders sein.
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january 2012 by mxmerz
Escalator Studies
Dieser Artikel ist von Malte Brandenburg, einem Berliner, der in Kopenhagen lebt und arbeitet. Malte konzentriert sich überwiegend darauf, die Architektur von Kopenhagen fotografisch festzuhalten. Seine Fotos finden sich auch auf Facebook und Google+.
Man kennt das ja: Hundertmal gesehen, aber nie wirklich bemerkt. So geschehen bei mir und der Kopenhagener Metro. Jeden Tag bin ich mit den Rolltreppen runtergefahren, habe auf die Metro gewartet und mich zu meinem Bestimmungsort fahren lassen.

Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass dies in der Regel morgens auf dem Weg zur Arbeit war, zu dieser Tageszeit reicht meine Aufmerksamkeit nicht über die nächste Tasse Kaffee hinaus.

Doch eines Tages fielen mir dann die Linien und Formen der Rolltreppen auf, wie sie sich geradezu schwerelos quer durch den Raum ziehen, in die Höhe strecken oder in die Tiefe fallen. Ich fasste augenblicklich den Entschluss, dies bildlich festzuhalten.

Jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nutzte ich von da an, um die unterschiedlichen Rolltreppen der Stadt zu erkunden. Mir war sehr schnell klar, dass ich eine Bilderserie machen wollte. Es sollte jedoch eine Serie sein, auf der keine Menschen zu sehen sind, sondern nur die Architektur der Rolltreppen.

Ich musste daher ein Zeitfenster finden, in dem relativ wenig Menschen die Metro benutzen: Nachts. Ein paar Wochen später kam ich an einem Samstag kurz nach Mitternacht nach Hause und auf Anraten meiner Freundin fasste ich mehr oder weniger spontan den Entschluss, noch einmal mit der Kamera loszuziehen, um die erste Rolltreppe abzulichten.

Vor Ort angekommen, schlug meine Vorfreude jedoch sehr bald in Enttäuschung um, als ich feststellte, dass 18mm Brennweite noch zu viel waren. Ich war zu dicht dran und aufgrund der Konstruktion der Metrostation war es nicht möglich, den Abstand zu vergrößern. Also habe ich die Kamera wieder eingepackt und bin leicht frustriert wieder nach Hause gefahren, dem ersehnten Schlaf entgegen.

Die nächsten zwei Wochen verbrachte ich mit Nachforschungen über verschiedene Super-Weitwinkel-Objektive. Kaufen wollte ich erst einmal nicht, per Zufall fand ich jedoch ein Geschäft, das Objektive für umgerechnet 27€ pro Tag verleiht. Also angerufen, reserviert und an einem Freitag nach der Arbeit abgeholt. Brennweite ab 10mm, das musste einfach passen. Den Rest des Abends verbrachte ich mit der Planung einer Route, die ich dann der Reihe nach abfahren würde, um so alle Rolltreppen auf meiner Liste ablichten zu können.

Kurz nach 1 Uhr nachts ging es dann los. Angekommen bei der ersten Location, „Nørreport Station“ im Zentrum von Kopenhagen, baute ich dann meine Kamera mitsamt Stativ auf und wartete, bis die Rolltreppe für wenige Sekunden frei von Menschen war. Die ersten paar Bilder waren vielversprechend. Aufgrund der relativ schlechten Beleuchtung kam ich jedoch auf Belichtungszeiten von bis zu sechs Sekunden, wenn ich die ISO-Einstellung auf Minimum belassen würde.

Ein ungewollter Nebeneffekt war, dass die sich bewegende Rolltreppe verschwamm. Ich wollte sie jedoch „einfrieren“. Ich musste also warten, bis die Rolltreppe von selbst stehenblieb, was sich als unmöglich herausstellte, da sie ständig benutzt wurde.

Eine weitere Erkenntnis war, dass 1:30 Uhr in der Nacht von Freitag zu Samstag eigentlich ein noch schlimmerer Zeitpunkt war als tagsüber. Es sind nur minimal weniger Menschen unterwegs, aber dafür sind fast alle betrunken – Kopenhagen ist eine Stadt mit ausgeprägtem Nachtleben und ihre Bewohner feiern gerne und viel.

Die nächste Stunde versuchte ich dennoch, das Bild erfolgreich auf meine Speicherkarte zu bannen, während ich mich mit betrunkenen Nachtschwärmern herumschlug. Meine Kamera mit Stativ reichte aus, um in kürzester Zeit größtes Interesse auf mich zu ziehen.

Statt meiner Rolltreppe musste ich Fotos von Menschen machen, die stolz ihre Flasche Bier in die Höhe reckten; Paaren, die sich innig küssten; jungen Frauen, die mir ihre Posing-Fähigkeiten zeigten oder Alleinunterhaltern, dir mir Dinge zeigten, die ich nicht sehen wollte. Und währenddessen standen mir immer mindestens zwei ungefragte Assistenten zur Seite, die entweder mir oder meinen „Models“ Anweisungen zuriefen oder über die Bildkomposition diskutierten.

Um viele Erfahrungen reicher, aber auch in hohem Grade frustriert, machte ich mich dann wieder auf den Weg nach Hause. Die nächsten Tage hatte ich die Nase voll von meinem Projekt und konnte mich nicht überwinden, an einer Lösung zu arbeiten. Nach einer Weile jedoch schöpfte ich neuen Mut und beschloss, es noch einmal zu versuchen, diesmal an einem Dienstag.

Meine Überlegung war, dass in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch die wenigsten Menschen unterwegs wären, da das verlängerte Wochenende meistens montags endet und viele erst frühestens Mittwochabend mit dem Ausgehen beginnen würden.

Also hatte ich mir den Mittwoch freigenommen, das Objektiv für Dienstag reserviert und bin gegen Mitternacht losgezogen. Wieder bei meiner ersten Location angekommen, machte mein Herz einen kleinen Sprung, denn ich war allein auf der Metrostation! Die nächsten Stunden fotografierte ich sämtliche Rolltreppen an allen Locations auf meiner Liste aus allen erdenklichen Winkeln.

Das Problem mit der langen Belichtungszeit löste sich letztendlich auch, da es tatsächlich Momente gab, in denen die Rolltreppen zum Stehen kamen. Diese waren jedoch sehr selten und ich musste teilweise lange auf die nächste Gelegenheit warten. An einer der letzten Locations, dem Hauptbahnhof – Københavns Hovedbanegård, hätte ich dann wieder fast alles hingeworfen, da eine Rolltreppe partout nicht stehenbleiben wollte.

Das Hochschrauben der ISO wäre die Notlösung gewesen, ich wollte das jedoch unbedingt vermeiden, da es ja auch bei (fast) allen vorherigen Locations geklappt hat und ich einen durchgängigen Ansatz verfolgen wollte. Durch einen Zufall bin ich dann aber irgendwie mit einem Stativ-Bein auf den Nothalte-Knopf gekommen. Das Projekt war zu weit fortgeschritten, um jetzt noch Abstriche zu machen.

Es war 6 Uhr morgens, als ich dann meine Ausrüstung nach dem letzten Shooting einpackte. Der Morgen graute und ich war hundemüde, hungrig und musste auf die Toilette. Doch ich war auch erleichtert und hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Das Gefühl, als ich nach Hause fuhr, während der Tag noch nicht ganz begonnen hatte, war unbeschreiblich und ich erinnere mich heute noch gern daran.

Die nächsten Tage verbrachte ich dann mit der Nachbearbeitung. Es war von Anfang an geplant, die Bilder in schwarzweiß zu halten, um die verschiedenen Lichtreflexe und Schatten entsprechend hervorzuheben. Alles sollte sauber und aufgeräumt aussehen. Dazu hatte ich vor Ort verschiedene Belichtungsreihen gemacht, die ich nun nutzen konnte, um sämtliche Details meiner Motive herauszuarbeiten.

Aus einer Laune heraus entschied ich mich zum Schluss dazu, den Farbton leicht in Richtung Selenium/Blau zu ändern. Nur noch schärfen und fertig. Ein paar Tage später ließ ich alle neun Fotos der fertigen Serie ausbelichten, um zu sehen, wie sie in echt wirken.

Ich habe später noch andere Fotoprojekte geplant und umgesetzt, aber „Escalator Studies“ war mein erstes und bisher herausforderndstes konzeptionelles Fotoprojekt. Das lag sicher auch an meiner mangelnden Erfahrung, aber ich habe durchgehalten und bin daran gewachsen.

Ich habe mir zwischenzeitlich ein Auto gekauft und fahre daher nur noch selten mit der Metro. Doch wenn ich sie doch mal benutze und dann eine der Rolltreppen herunterfahre, fühlt es sich fast so an, als träfe ich einen alten Bekannten. Mit einem Schmunzeln fahre ich dann meinem Ziel entgegen, während meine Gedanken zu jener langen Nacht zurückgehen.
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january 2012 by mxmerz
Denn wir wissen nicht, was wir tun.
Ich habe gestern eine Zeitreise gemacht. Ich hatte ein Blick in eine größere Plattform, deren Konzepte ganz offensichtlich 2006/2007 entstanden ist und die seither im Einsatz ist. Auf einer administrativen Übersichtsseite dort, gab es folgende Optionen: Ein neues Forum anlegen, ein neues Wiki anlegen, ein neues Blog anlegen, einen neuen Podcast anlegen. All das, was einem 2006 die Web-2.0-Evangelisten gepredigt haben, die inzwischen zu Social-Media-Evangelisten konvertiert sind. Da ist mir das anfängliche Schmunzel doch etwas im Gesicht steckengeblieben und hat sich schnell in Zorn verwandelt.

Ich sag’s mal so: Die da, mit ihrer Web-2.0-Plattform haben immerhin noch alle ihre Inhalte unter eigener Kontrolle. Das ist ja schon mal was. Aber die hundertausende Euro, die sie für den ganzen Code ausgegeben haben, weil man mal dachte, das wäre wichtig, das Zeugs zu haben, die sind weg. Und ich will garnicht wissen, was wohl passiert, wenn die mal eines Tages diese Plattform ablösen wollen.

Wer heute den Leuten rät, bei Facebook oder Google+ zu sein, der sollte sich auch bewußt sein, welche Konsequenzen das hat und welche Verantwortung man damit übernimmt. Wer heute den Leuten, Unternehmen und Institutionen zu Social-Media-Präsenzen rät, sollte mal erstmal gut in sich hineinhören, ob er heute auch noch zu Firmen-Wikis, eignene Communities und Podcasts raten würde, und wenn die Antwort “nein” lautet und er nicht gewillt ist, eben jenen Menschen, die er berät auch zu verraten, dass ihre Inhalte ebenso verloren sind, wie ihre jetzigen Investition und die Ergebnisse der Arbeit der kommenden Jahr bis zur nächsten bedeutungs- und funktionslosen Online-Modeerscheinung , dann sollte er erstmal schön das Maul und die Füße still halten.

Boah. Krieg ich Halsschlagadern wie Gartenschläuche, wenn ich sowas sehe.
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january 2012 by mxmerz
Indistinguishable
Eigentlich ist es ein Aspekt meiner Arbeit als Entwickler, der mir seitjeher sehr vertraut ist, nie wirklich verschwindet und mich längst nicht mehr verwundern sollte. Für die Menschen für die Programme schreibe, ist es in den seltensten Fällen praktisch nicht nachvollziehbar, warum ich für Aufgabe A fünf Minuten und für Aufgabe B fünf Manntage brauche.

Am Ende läuft es auf die unsterblichen Worte Arthur C. Clarkes hinaus: “Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.”

Was das eigentlich erstaunliche daran ist – und der eigentliche Grund für diesen Artikel, den Clarkes Zitat habe ich hier ja schon oft genug erwähnt – ist die Tatsache, dass im Umgang mit Open Source und Web-Entwicklung die Spanne zwischen A und B immer größer wird, bzw. die Dauer für A immer kürzer wird. Wir sind kurz davor, das die Dinge weit einfacher werden, als “Abrakadrabra, dreimal schwarzer Kater” zu sagen. Wie soll man das den Leuten dadraußen noch erklären?
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january 2012 by mxmerz
Ich wünschte, es wäre schon soweit …
Diese wenigen Tage im Winter, an denen für die kurzen Stunden die Sonne scheint und der Himmel leuchtet … da keimt in mir inzwischen immer ganz plötzlich und wider jede Vernunft die Hoffnung auf, dass es schon vorbei sei, dass es jetzt Frühling wird.
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january 2012 by mxmerz
Mode
Zwei Dinge verstehe ich immer weniger. Krawatten und Anzüge. Krawatten verstehe ich wirklich null. Matse hat das neulich schon auf den Punkt gebracht: “Keiner, aber auch wirklich niemand, mag Krawatten und keiner will sie tragen und trotzdem machen es alle. Warum?”

Zum Glück war ich nie dazugezungen regelmäßig Krawatte zu tragen und bin es heute weniger denn je. Aber grundsätzlich stand ich dem zwar für mich selbst ablehnen gegenüber, was andere Leute sich um den Hals hängen, war mir aber fast immer egal. Inzwischen finde ich Krawatten aber richtig gehend absurd. Der wichtigste Grund dafür ist einfach: Es gibt nur ganz wenige Krawatten, die nicht lächerlich aussehen. Die meisten sind einfach nur scheinbar konzeptlose Auswahl an Farben, gestreift. Und es gibt nur ganz wenig Männer, denen Krawatten wirklich stehen. Leider will es das Gesetz der Wahrhscheinlichkeit, dass die wenigen nicht-lächerlicher Krawaaten parktisch nie an den wenigen nicht-lächerlichen Männern hängen.

Der zweite Grund ist noch absurder. Ja. Ich verstehe, dass Krawattetragen irgendetwas mit Respektsbekundung zu tun hat und deswegen habe ich ja auch welche und trage sie auch, zu gegebenen Anlässen. Aber. Gerade im Geschäftsumfeld ergibt das für mich praktisch keinen Sinn.

Ähnlich wie den Krawatten stehe ich inzwischen Anzügen gegenüber. Was für schrecklich unzweckmäßige Kleidungsstücke. Und wieder: Es gibt nur wenige, die nicht abstoßend aussehen und es gibt nur wenige Männer, die die Anzüge tragen können und immer ist irgendwie der falsche Mann in den falschen Anzug gewickelt. Und der Hälfte von ihnen sieht man an, dass sie fast nichts lieber würden, als so schnell wie möglich aus dem Ding raus.

Was ich verstehe, ist das was Sweeny mal gesagt hat, was er aber wiederum auch nur von irgendwem zitiert hat: “Die Sicherheit gut gekleidet zu sein, kann einem keine Religion der Welt geben.”
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january 2012 by mxmerz
Wann gehen wir schlafen? Wann soll ich Dich abholen?
Gleich vorne weg: Ich habe das Amt des Bundespräsidenten nie verstanden, nie besonders viel Beachtung geschenkt und nie aufrichtig respektiert. Rainald Grebes “Ich bin der Präsident” trifft – wie so vieles von Rainald Grebe – mein Verhältnis zu meinem Präsidenten wohl am prazisesten.

Ich bin mit Richard von Weizsäcker als Bundespräsident aufgewachsen. Und Johannes Rau war für mich die Krönung des Amtes. Ich glaube ich werde nie wieder jemanden vom Format dieser beiden Männer im Amt des Bundespräsidenten sehen. Sie sind für mich archetypisch für das, was ich mir unter einem Bundespräsidenten vorstelle. Und obschon Roman Herzog und Horst Köhler nie an diese Größe heranreichen konnten, passten sie doch irgendwie halbwegs in die Reihe.

Wäre ich eine Woche vor Köhlers Rücktritt auf eine Antarktis-Expedition ohne Internet, Zeitungen und Nachrichten (ich weiß, sowas gibt es nicht mehr) gefahren, und wäre gestern abend wiedergekommen und hätte dann Christian Wulffs Interview gesehen, ich hätte es nicht geglaubt, was mir die ARD und das ZDF gestern gezeigt haben. Die Ereignisse der letzten Tage sind für mich eigentlich nur deshalb zu nicht als völlig absurd hinzunehmen, weil sie sich so langsam gesteigert haben und weil ich Christian Wulff schon seit vielen Jahren nur als Töffi sehen kann. Auf den Punkt bringt es Berthold Kohler in der FAZ.

“Diese [Krise] ist an dem bisher nicht vorstellbaren Punkt angekommen, an dem sich die Deutschen fragen müssen, ob sie einem Boulevardblatt glauben oder dem Staatsoberhaupt.”

Ganz genau das ist es! Ich bin geneigt Kai Diekmann und der Bild-Zeit eher zu glauben, als dem Bundespräsidenten und das nehme ich Christian Wulff persönlich übel, das verzeihe ich ihm nicht. Hätte mir das vor Köhlers Rücktritt jemand gesagt, ich hätte es wohl nicht für möglich gehalten. Wir reden hier nicht von irgendeiner Zeitung, nicht mal von irgendeiner Boulevard-Zeitung. Wir reden hier von der Bild-Zeitung.
DER VERDAMMTEN BILD-ZEITUNG!
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january 2012 by mxmerz
Und noch einmal ganz von vorne …
Aufmacherbild:

Ich habs die Tage drüben bei Gedeih und Verderb schon mal gesagt, finde den Gedanken aber spannend genug, um ihn hier noch mal aufzugreifen. Bei der Diskussion um Inform und Computer Litracy geht es mir nicht darum Programmieren abzuschaffen oder einfach nur zu überlegen, wie man Content Management System oder Social Networks einfach etwas besser machen könnte. Es geht mir um folgendes Gedankenexperiment.

Was wäre, wenn heute Nacht das ganze Internet zerstört würde? Alle Server, alle Dateien, alle Datenbanken, alle W3C-Spezifikationen, alle Browser und alle Backups … was würden wir dann morgen tun? Wie würden wir, wie würde ich das Netz wieder aufbauen?

Ich glaube fest daran, dass das Netz der größte zusammenhängende Kulturraum ist, den die Menschheit je geschaffen hat. Und ich glaube ebenso fest daran, das 95% dessen, was wir hier im Netz tun aus nichts anderem besteht, als Lesen und Schreiben, aus Sprache. Es war dies die erste Funktion des Netzes und es ist und bleibt die zentrale, die einzig zentrale. Sprache ist alles. Es gibt nichts besseres als Text. Alles andere ist dem nachgeordnet. Und wenn ihr mich fragt, ist das auch gut so.

Sprache ist der zentrale Konsens, der kleinste gemeinsame Nenner unserer Gesellschaft. Die sprachliche Beteiligung an der Gesellschaft steht jedem offen. Sprache und sogar Schrift und Schreiben sind die vielleicht niedrigschwelligsten Beteiligungsformen. Und – und das vergißt man leicht – sie sind nicht kontorllierbar. So gerne die Sprachspießer und Rechtschreiber dadraußen das auch gerne hätte – Orthographie ist nichts als ein kraftloser Versuchm Strukturen und Kontrolle in etwas zu bringen, dass sich nicht strukturieren, nicht kontrollieren läßt. Lebendige Sprache ist Chaos, wie ich eben bei Konstantin kommentiert habe. Ein zutiefst demokratisches Chaos, den sie verweigert sich der Steuerung durch wie auch immer geartete Eliten.

Ich glaube heute festern denn je daran, dass, wenn wir die Versprechen, die wir dem Netz mitgegeben haben, einlösen wollen, dann müssen wir das Netz mehr zu etwas machen, das funktioniert, wie Sprache … und weniger zu etwas machen, das funktioniert, wie Buchhaltung, wie Mathe, wie Videorekorder oder Autos. Wenn ich das Netz nocheinmal ganz von vorne machen könnte, würde es erstmal keinen Hauch von Technik haben. Es müsste so einfach sein, wie ein wie ein Gespräch unter Freunden, wie ein Edding und eine Klowand.

Alles andere kommt erst danach. Keine URLs, keine Auszeichungssprachen, keine Programmiersprachen, keine Apps, keine Rechteverwaltung, keine Identifikation. Nur Gespräche. Gespräche, die jeder jederzeit – privat oder öffentlich – beginnen und frei gestalten kann.
Von dort ausgehend kann man dann meinetwegen den ganzen Rest wieder aufbauen. Aber am Anfang, im Zentrum steht die Macht der Sprache und die Leichtigkeit des Gesprächs, unverrückbar, unumstößlich, unkontrollierbar.
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december 2011 by mxmerz
The International
Aufmacherbild:

Tom Tykwer hat also (schon vor ein paar Jahren) einen Thriller gedreht gedreht. Mit internationaler Besetzung und offensichtlich internationalem Budget. Dass es trotzdem ein deutscher Film ist sieht man schon an der ersten Szene. Clive Owen steht vor dem Berliner Hauptbahnhof. Was dann folgt ist ein so guter Politthriller, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, warum ich das Genre so selten sehe, und mir sogar vorgenommen habe, mal mehr zu sehen. Um genauzusein hätte ich gleich noch einen Film von dem Kaliber hinterherschieben können.

Obacht! Im Folgenden werden Dinge verraten, die derjenige Teil der geneigten Leserschaft vielleicht nicht lesen möchte, der noch vor hat diesen Film unvoreingenommen zu lesen.

Mal ganz abgesehen davon, dass es wie eh und je eine Freude ist Clive Owen, beim Der-männlichste-Mann-des-Planeten-sein zuzusehen und mal davon abgesehen, dass es latürnich eine Freude ist Tom Tykwer dabei zuzusehen, wie er das Guggenheim-Museum in handliche kleine Teile zerballern läßt; man kann das Grinsen des Regisseurs hinter der Kamera geradezu hören! Mal davon abgesehen, dass es eine gute, wichtige und anspruchsvolle Geschichte ist, die sauber erzählt wird.
Von den Offensichtlichen also mal abgesehen, haben mir drei Wendungen am Ende sehr gut gefallen.

Erstens. Der Moment in dem der Killer in den Armen von Salinger stirbt. Der Killer war einem gerade sympathsich geworden und die Gleichgültigkeit, ja der Zorn mit dem Salinger auf den Tod des Killers reagiert, erschreckt schon ein wenig. Da merkt man sehr deutlich, wie weit Salinger schon gegangen ist, vielleicht zuweit.

Zweitens. Kurz vor Schluß entscheidet Salinger, dass er den Rest des Weges ohne Naomi weitergeht. Das hat mich überrascht. Das gibt es nicht oft. Nicht aus äußerem Druck, sondern aus innerer Einsicht heraus, wird einfach so die zweite Protagonistin ausgeklinkt. Supergeil.

Drittens. Dass Salinger das entscheidende Gespräch nicht aufzeichen kann, das er im Moment in dem der Sieg zum Greifen nahe ist, im wahrsten Sinne des Wortes, dass so so kurz vorher noch scheitert, das tut körperlich weh. Und macht Spaß. So soll es ja auch sein.

Viertens. Dass nicht Salinger den Bad-Banker erschießt, sondern ein Killer der italienischen Waffenhändler. Das ist super. Und die letzte Einstellung, das allerletzte Bild, wie die Sonne Salingers Gesicht überstrahlt, im Hintergrund die Hagia Sophia … brillant schön.
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december 2011 by mxmerz
Der Gott des Gemetzels
Der Gott des Gemetzels ist die Verfilmung des gleichnamigen und sehr erfolgreichen Kammerspiels. Beides sieht man dem Film bereits innerhalb der ersten Minuten mehr als deutlich an, also sein Kammerspieldasein und seinen Erfolg. Eigentlich hätte es gar nicht eines so heterogenen wie grandiosen Ensembles bedruft, um daraus einen großartigen Film zu machen. Aber Roman Polanski muss nicht geizen und so dürfen wir genüßlich dabei zusehen, wie sich Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Walz und John C. Reilly als Ehepaare fleißig über einer Rpügelei ihrer Söhne in sehr kurzweiligen 75 Minuten malerisch dahinmetzlen.

Ein Stück wie dieses hinterläßt mich immer mit der Frage, wofür es eigentlich steht, was es uns über uns offensicht so präzise über uns erzählt, dass es so erfolgreich ist. Pars pro Toto ist die erzählerische Grundoperation, die soziale Grundfunkton der Literatur. Penelope, Michael, Nancy und Alan stehen latürnich in vielfacher Hinsicht für uns alle. Die einfachste Deutung wäre, dass wir alle verkorkste Beziehungen haben, unsere Kinder nicht mehr erziehen können und im Grunde weder mit den Menschen, die uns am nächsten sind, noch mit uns selber zurechtkommen. Aber das wäre ein wenig zu einfach. Eine Interpretation, die mir schon ein wenig sympatischer ist, wäre, dass eine gute Flasche 18 Jahre alter Single Malt so einiges zum Besseren zuwenden vermag.

Das erzählerisch stärkste Elemente, war aber – mein bescheidenen Meinung nach – die zwei Situationen, als Nancy und Alan schon fast raus waren. Alan stand schon einmal im Fahrstuhl. Und ich hab sooo mitgefiebert. “Geht doch endlich! Los. Nur noch ein Schritt!” Aber nein, sie haben den Absprung nicht geschafft. Es gibt da etwas, das uns den klaren Schnitt, das schnelle Ende, die Auflösung des Minimalkonsens scheuen lässt. Mehr noch als die Selbstzerfleischung ist dieses Nicht-weg-können das, was das Stück für mich so zeitgeistig macht. Es gibt keinen Ausweg und selbst die Konfrontation, selbst der Konflikt führt nicht zu einer Veränderung der Verhältnisse, sondern nur zum gemeinsamen Saufen und Auskotzen. Aber ändern, ändern tut sich rein gar nichts.

Bemerkenswert finde ich auch das, was auch nicht passiert und was doch ständig präsent ist: Gewalt. Gut, Penelope prügelt einmal etwas auf Michael ein, aber das ist, wie so vieles was unsere vier tun, nur halbherzig und nicht ernst gemeint. In einem 70er Film, hätte Michael vermutlich Alan schon zur Hälfte des Films, was auf die Fresse gehauen. Und obwohl sich alle Beteiligten bis auf’s Blut reizen, bis auf’s Innerste verletzen, wird nicht einmal ernsthaft die Hand erhoben. Das ist insbesondere deshalb lustig, weil das ja genau der Anlaß für dieses soziale Gemetzels ist und weil genau das ihre Söhne weit besser hinbekommen.
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december 2011 by mxmerz
Die Rückkehr der kindlichen Kaiserin
In meinem Freundeskreis haben vermutlich noch überdurchschnittlich viele ein Abonnement einer Zeitung, Zeitschrift oder eins Magazins. Von wenigsten zweien weiß ich, dass ich den Spiegel lesen, einer hat die Taz im Abo, ein anderer die GEO Epoche. Und zwei gute Freunde von mir waren Abonnenten der Wochenzeitung Die Zeit. Im Frühjahr hat die eine von beiden gekündigt und als ich letzten Sonntag den anderen wiedertraf erzählt er auch, dass er sein Abo gekündigt hätte.

Ich selber war jahrelang Abonnent und habe mehr als 4 Jahre, meistens begeister und überzeugt für Zeit Online gearbeitet. Aber schon in der Zeit konnte ich nicht umhin, festzustellen, dass sich das Blatt mitunter in eine seltsame Richtung bewegt, die ich ad hoc als konservativ-populär-esoterisch bezeichnen würde. Das hielt sich so als merkwürdiger Eindruck in den letzten Jahren und Monaten, aber ohne wirklich bei mir Konsequenzen zu zeitigen. Bis heute. Heute titelt Die Zeit mit Karl Theodor zu Guttenberg.

Dienstag habe ich von Sascha zu ersten Mal vom “Comeback” gehört und gestern gab es einen Guttenberg-Artikel im von mir hochgeschätzten Kopfzeiler. Und was soll ich sagen: Eine Welt in der ich nie wieder von Guttenberg gehört habe, wäre mir lieber, aber den beiden bin ich nicht böse. Der Zeit hingegen schon. Mehr noch. Das markiert für mich eine ziemlich deutliche Zäsur. Guttenberg auf die Titelseite zu hiefen kann eine Reihe von Gründen haben – keiner davon hat etwas damit zu, wofür Die Zeit seit meiner Jugend stand.

Ich habe das vor ziemlich genau zwei Jahren schon einmal gesagt. Karl Theodor zu Guttenberg ist die Sehnsucht der Deutschen nach ihrem verlorenen Kaiser.

Dies und nichts anderes als dies. Und jede Beschäftigung mit ihm kann folglich nur gegenaufklärerisch, antidemokratisch, aristokratisch, boulevardesque, unsachlich und schließlich mit Denken nicht zu rechtfertigen sein. Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich verachte diesen Mann. Er ist überheblich, selbstgefällig, dreist und dumm. Weit mehr aber verachte ich seine Hofberichterstatter. Was diese Menschen tun, halte ist gedankenlos und gefährlich.

Herr Stromzufuhr ist auch irgendwie meiner Meinung, wie ich gerade erst gesehen habe. Dafür aber auch schon länger als ich.

Das Photo ist von der Bundeswehr, Flickr, CC BY-ND 2.0
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november 2011 by mxmerz
The Geek inherit the World
Nico hat schon vor ein paar Tagen einen ebenso richtigen wie wichtigen Artikel über den Kern der großen Social Media Sites geschrieben. Darin erwähnt er einen etwas längeren, dafür aber auch noch ein wenig spannenderen Artikel von Maciej Ceglowski, “The Social Graph is Neither“. Beide Artikel haben meiner bescheidenen Meinung nach zwei Kernpunkte.

Was die großen Social-Media-Sites machen, ist Datensammeln, Datensammeln und Datensammeln, in der begründeten Hoffung, diese verkaufen zu können, oder zumindest auf ihrer Grundlage Zugang zu den Menschen zu verkaufen, die dort aktiv sind.
Diese Daten bilden nicht die Wirklichkeit ab. Sie sind Konstruktionen, die sich aus dem Online-Verhalten ergeben, haben aber nur ein – wenn überhaupt – sehr loses Verhältnis zu dem, was die Menschen hinter diesen Daten sind und verbindet.

Die letztere Tatsache bringt Maciej sehr schön mit einem Satz auf den Punkt.

“Asking computer nerds to design social software is a little bit like hiring a Mormon bartender.”

In dieser Aussage kulminieren wieder zwei zentrale Aspekte, die das Netz und unser Zusammenleben definieren.

Als erstes Mal dürfte das niemanden überraschen, der sich in den letzten 15 Jahren auch nur Ansatzweise mit Sozialwissenschaft, Erkenntnistheorie oder meinetwegen auch nur irgendeiner Geiteswissenschaft beschäftigt hat. Konstruktivismus und Dekonstruktivismus haben (je nachdem welche Position einem näher ist) hinlänglich beweisen, dass unsere geistigen Modelle ebenso komplex wie beschränkt sind. Jedes unserer Konzepte, sei es nun Freundschaft, Verwandtschaft, Geschlecht, Identität oder was auch immer, hat ganz ganz klare Grenzen an denen es aufhört zu funktionieren.

Es handelt sich dabei immer, immer immer um Modelle. Das darf nie vergessen. Ebenso, wie ein Model eines Segelschiffes, nicht das echte Schiff ist, sind die Konzepte in unseren Köpfen und erst recht in unseren Datenbanken immer Modelle, die vereinfachen, verkürzen und vielen Fällen nicht gerecht werden.

Und als zweites muss, muss, muss man unbedingt festhalten, dass wir Geeks, indem wir diese Modelle (Datenbanken und Social-Media-Site) erschaffen, eine quasie-definitorische Macht über die (scheinbare) Wirklichkeit erlangen. Dieser Punkt schon war von anfang an ein zentraler Kritikpunkt am Semantic Web: Wer gestaltet, das Semantik Web, wenn nicht Nerds und Geeks? Und welchen Anspruch erhebt es, wenn nicht Weltwissen abzubilden? Folglich kann das Semantik Web immer nur die Welt der Nerds und Geeks abbilden.

Das ist Bedeutungsimperialismus. Für Social-Media gilt genau das gleiche. Und je wichtiger das Netz wird, je mächtiger Google und Facebook und 4Chan und Wow werden, desto schwerer wiegen die ungerechten und undemokratischen Herrschaftsverhältnisse. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich halte demokratische Mechanismen keineswegs für die optimalen Werkzeuge zur Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse, aber sie sind immer noch besser als Technokratie, Plutokratie oder Willkür.
Artikel  from google
november 2011 by mxmerz
Schöner Lesen
Drüben bei Netzwertig schaut man sich die erfolgreichen Lesedienste an. Dabei liegt – meiner bescheidenen Meinung nach – ein kleines Missverständnis vor. Es geht nicht um “schöneres […] Lesen”. Es geht um Lesbarkeit. Es geht darum, dass das Lesen im Netz und von Netzinhalten endlich, endlich, endlich bei dem ankommt, was Typographen und Gestalter in hunderten von Jahren Handwerksarbeit aufgebaut haben. Es geht darum, dass wir (Webdesigner und Webentwickler) endlich, endlich, endlich nicht mehr so tun, als hätten wir die Typographie neu erfinden müssen, als stünden wir nicht in einer langen Tradition und auf den Schulter von Giganten.

Dass es überhaupt einen Bedarf für einen Dienst wie Readability gibt, ist ein Armutszeugnis für eine ganze Branche, eine ganze Generation, ein ganzes Medium.
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november 2011 by mxmerz
GEO Epoche – Römische Republik
Rom hat mich fasziniert, seitdem ich meine ersten Sandalenfilme gesehen habe. Wobei! Vermutlich war mein erstes Asterix Comic noch früher. Egal.

Nach der genüßlichen Lektüre der ersten GEO Epoche, die sich dem römischen Reich widmet habe ich glaube ich jetzt etwas besser verstanden, was mich an Rom so fasziniert. Es ist das Aufsteigen aus dem Nichts. Da wo Rom steht, das Forum Romanum, die sieben Hügel Roms, da war vor Roms das Nichts der Vorzeit. Klar haben die Stämme zu denen die ersten Römer gehörten einen Namen, aber im Grunde ist es diese Geschichte: Aus der namenlosen Vorzeit, als Menschen in Hütten wohnten und ein wenig Landwirtschaft betrieben, erwächst mehr oder weniger plötzlich eine moderne Zivilisation, mit einem Namen und einer klaren, bis heute wirkenden Identität.
Artikel  Geschichte  Antike  GEO  Imperium_Romanum  Rom  from google
november 2011 by mxmerz
Inform
Eigentlich ist das ganz-ge-nau mein Ding. Eigentlich hätte ich davon schon vor Jahren wissen sollen. Die Schnittstellen zwischen Literatur und dem Computer waren im Grunde die Triebfeder meines gesamten Studiums. Und doch habe ich es geschafft, den ganzen Bereich Interactive Fiction zu übersehen. Unglaublich.

Exkurs für den Teil der Leserschaft, dem das unbekannt ist: Interactive Fiction ist ein Untergattung des Computerspiels, die nur aus Text besteht. Am bekannstesten sind da vermutlich noch die sog. Textadventures. Bei befindet sich die Interactive Fiction, genau wie ihre Schwester die Hyperfiction eher auf der Seite der Literatur, als auf der Seite des Computerspiels, zumindest, was das Selbstverständis ihrer Macher betrifft.

Heute fehlt mir leider die Zeit und inzwischen auch ein wenig die Leidenschaft, mich in das Thema IF einzuarbeiten. Aber es gibt etwas, das mich doch ziemlich umgehauen hat: Inform 7, eine speziell für Interactive Fiction entwickelte Programmiersprache. Das obligatorische “Hello World!” Beispiel liest sich noch unspektakulär, aber doch immer hin hübsch, zeigt es doch schon wodruch sich Inform auszeichnet: Es unterscheidet sich kaum von geschriebenem Englisch.

“Hello World” by “I.F. Author”
The world is a room.
When play begins, say “Hello, world.”

Wirklich beeindruckend sind dann die etwas größeren Beispiele für Inform-Programme.

“Hello Deductible” by “I.F. Author”

The story headline is “An Interactive Example”.

The Living Room is a room. “A comfortably furnished living room.”
The Kitchen is north of the Living Room.
The Front Door is south of the Living Room.
The Front Door is a door. The Front Door is closed and locked.

The insurance salesman is a man in the Living Room. “An insurance salesman in a tacky polyester suit. He seems eager to speak to you.” Understand “man” as the insurance salesman.

A briefcase is carried by the insurance salesman. The description is “A slightly worn, black briefcase.” Understand “case” as the briefcase.

The insurance paperwork is in the briefcase. The description is “Page after page of small legalese.” Understand “papers” or “documents” or “forms” as the paperwork.

Instead of listening to the insurance salesman for the first time:
say “The salesman bores you with a discussion of life insurance policies. From his briefcase he pulls some paperwork which he hands to you.”;
move the insurance paperwork to the player.

Das, meine höchst geneigte Leserschaft, ist ein Computerprogramm!

So können Computerprogramme aussehen. Das ist ein Text. Das ist Sprache. Eine aus natürlicher Sprache geschriebene Maschine. Ich sehe nicht, warum wir uns mit weniger begnügen sollten. Warum soll HTML nicht so aussehen, warum CSS nicht, warum nicht ein ganzes Redaktionssystem? Warum bauen wir unser Internet nicht genau so?
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das sind keine technischen Fragen, kein ingeniuersmäßigen. Das sind moralische Fragen!

Dank geht an Mo, für’s gezeigt haben!
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november 2011 by mxmerz
(Gute) Landschaftsfotos entstehen nicht am Frühstückstisch.
Es folgt ein Artikel von Maximilian Zimmermann. Er ist Schüler, 17 Jahre alt und fotografiert seit ca. 2 Jahren. Sein fotografisches Interesse gilt vor allem der Landschaftsfotografie. Maximilians Bilder können auf Flickr besichtigt werden, auf Tumblr ist er auch zu finden.

Samstagmorgen 8:00 Uhr. Der Frühstückstisch ist gedeckt, es duftet nach Kaffee und frischen Brötchen. Draußen verhüllt der erste herbstliche Nebel die Landschaft. Es ist kalt. Perfekte Bedingungen für einen Landschaftsfotografen. Mein Blick wandert zwischen Kamerarucksack und Frühstück hin und her.

Seufzend schnappe ich mir Rucksack und Stativ, ziehe mich an und laufe los Richtung Dorfrand. Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Mit vielen guten Aufnahmen im Gepäck machte ich mich auf den Rückweg, in Gedanken schon beim lang ersehnten Kaffee.

Der Blick zum Himmel lässt die ersten blauen Stellen erahnen. Blauer Himmel. Das bedeutet, dass sich oben auf den Bergen ein ganz besonderes Naturschauspiel ereignen wird. Denn wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Bäume dringen und vom Nebel sichtbar gemacht werden, tauchen sie den Wald in ein atemberaubendes Licht.

Dieses Schauspiel kann ich mir eigentlich nicht entgehen lassen. Andererseits habe ich nasse Füße, mir ist kalt und ich habe Hunger. Ein zweites Mal an diesem Morgen entscheide ich mich gegen ein gemütliches Frühstück und mache mich auf den langen und steilen Weg Richtung Gipfel. Trödeln darf ich dabei nicht, denn wenn der Nebel erst einmal weg ist, war mein Umweg umsonst.

Kaum bin ich oben, brechen die ersten Sonnenstrahlen durch den Wald. Der Anblick ist unglaublich, der Wald ist vom Licht durchflutet und die Speicherkarte füllt sich fast wie von selbst. Glücklich mache ich mich auf den Weg nach Hause, wo mich schon eine heiße Tasse Kaffee und ein loderndes Kaminfeuer erwarten.

Was ich mit dieser kleinen Geschichte sagen möchte, ist, dass es oft Situationen gibt, an denen man sich entscheiden muss. Entweder man wählt die bequemere Variante und macht sich, wie in meinem Fall, einen schönen Vormittag oder man wählt die unbequeme, zweite Möglichkeit, auf die man gar keine Lust hat, die Einsatz erfordert, die aber gute Fotos verspricht.

Kurzfristig erscheint einem die erste Variante als die bessere. Langfristig gesehen, wird man aber länger an den Bildern und vor allem an dem Erlebnis Freude haben.

Ich könnte hier noch einige Begebenheiten nennen, bei denen ich mich gegen die Bequemlichkeit entschieden habe und mit guten Fotos belohnt wurde.

Sei es, dass ich mich im Urlaub in Spanien morgens um 6:00 Uhr aus dem Bett gequält habe, um den Sonnenaufgang zu fotografieren oder nach einer langen, anstrengenden Tour im tiefsten Winter quer durch den Wald noch einen weiten Umweg gemacht habe, um einen einsamen Baum zu fotografieren und erst im Dunklen völlig erschöpft wieder zu Hause ankam.

Keine dieser Entscheidungen habe ich bereut und bin stolz auf die Bilder, die dort entstanden sind.

Ein Trugschluss ist es aber, zu glauben, dass man automatisch gute Bilder macht, wenn man die unbequeme Variante wählt. Mir ist es auch schon passiert, dass ich morgens um 5:30 Uhr aufgestanden und weit mit dem Fahrrad gefahren bin, nur um zuzusehen, wie sich kurz vor dem Sonnenaufgang der Himmel zuzieht.

Gerade im Winter stapft man oft stundenlang durch den Schnee, ohne anschließend mit einem halbwegs brauchbaren Bild wieder nach Hause zu kommen. So aber lernt man aus seinen Fehlern und kann das nächste Mal besser abschätzen, ob es sich wirklich lohnt, loszugehen.

Prinzipiell lässt sich aber sagen, dass man lieber einmal mehr das warme Bett, den gedeckten Frühstückstisch oder was auch immer zurücklässt, als die Chance auf ein gutes Foto zu verpassen.

Denn wie heißt es so schön: Man bereut nichts im Leben – außer dem, was man nicht getan hat.
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august 2011 by mxmerz

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