neolib   40

Neoliberalismus, Demokratie und die supranationale Föderation – Merkur
Der Historiker Daniel Rodgers, hervorgetreten unter anderem mit Studien zur Geschichte der Arbeitsethik und der transatlantischen Sozialpolitik, argumentierte, unter »Neoliberalismus« würden meist vier distinkte Erscheinungen subsumiert: die spätkapitalistische Wirtschaft, ein bestimmter Strang von Ideen, eine Reihe von global zirkulierenden politischen Maßnahmen sowie schließlich eine uns umgebende hegemoniale Kultur. Da es aber für jedes einzelne Phänomen eine präzisere, unmissverständliche begriffliche Alternative gebe (nämlich Finanzialisierung, Marktfundamentalismus, Katastrophenkapitalismus und das kommodifizierte Selbst), sei der unhandlich-totalisierende Gesamtbegriff aufzugeben. Die Mehrheit der Replizierenden indes widersprach Rodgers. Verwiesen wurde dabei auf den intrinsischen Zusammenhang der vier Phänomene, der für den politischen Erfolg des Projekts zentral sei.
neolib 
5 days ago by MicrowebOrg
The Market Police | Boston Review
slobodian rezension, siehe auch die von milan .. ovic
neolib 
5 weeks ago by MicrowebOrg
Neoliberalism – the ideology at the root of all our problems | Books | The Guardian
So pervasive has neoliberalism become that we seldom even recognise it as an ideology. We appear to accept the proposition that this utopian, millenarian faith describes a neutral force; a kind of biological law, like Darwin’s theory of evolution. But the philosophy arose as a conscious attempt to reshape human life and shift the locus of power.

Neoliberalism sees competition as the defining characteristic of human relations. It redefines citizens as consumers, whose democratic choices are best exercised by buying and selling, a process that rewards merit and punishes inefficiency. It maintains that “the market” delivers benefits that could never be achieved by planning.

Attempts to limit competition are treated as inimical to liberty. Tax and regulation should be minimised, public services should be privatised. The organisation of labour and collective bargaining by trade unions are portrayed as market distortions that impede the formation of a natural hierarchy of winners and losers. Inequality is recast as virtuous: a reward for utility and a generator of wealth, which trickles down to enrich everyone. Efforts to create a more equal society are both counterproductive and morally corrosive. The market ensures that everyone gets what they deserve.

Something else happened during this transition: the movement lost its name. In 1951, Friedman was happy to describe himself as a neoliberal. But soon after that, the term began to disappear. Stranger still, even as the ideology became crisper and the movement more coherent, the lost name was not replaced by any common alternative.

At first, despite its lavish funding, neoliberalism remained at the margins. The postwar consensus was almost universal: John Maynard Keynes’s economic prescriptions were widely applied
neolib 
august 2018 by MicrowebOrg
Hauptschüler: Die gesellschaftliche Produktion von Verachtung | HOBBYPOP
Neues Buch 2018, Feldstudie zu Hauptschülern
Wellgraf betreibt Feldforschung im Großstadtdschungel der Berliner Hauptschulen. Und mit dem Blick des Ethnographen gelingen ihm spannende Beobachtungen. Er sitzt im Unterricht, er beobachtet die Hauptschüler beim Bodybuilding, in ihren Liebesbeziehungen, in ihren Freundschaften, auf der Straße in ihrer Freizeit und bei der Abschlussfeier. Er schaut sich ihren Internetauftritt in den sozialen Netzwerken an, er sieht ihre Frisuren, ihren Schmuck, ja sogar ihre Art sich zu bewegen und zu sprechen. Und in der Reflexion darüber, fordert er Erhellendes und Wissenswertes zutage.
Hauptschüler erfahren Verachtung von allen Seiten: Arbeitsmarkt, Medien, Schüler anderer Schularten und sogar von den Lehrern und Schulsozialarbeitern. Wellgraf zeigt wie sie vergeblich versuchen dieses Defizit an Anerkennung (das Wellgraf als Verachtung definiert) mit ihren Goldketten, Markenklamotten, Gewalttätigkeit und Körperformung auszugleichen. Und Wellgraf zeigt: Diese Verachtung wird produziert.

Neoliberalisierungsprozesse bezeichnen zunächst eine tiefgreifende Ökonomisierung der Gesellschaft im Sinne von Deregulierung, Wettbewerbsförderung und dem Rückbau sozialer Sicherungssysteme. Unter dem schillernden Schlagwort „neoliberal“ lässt sich darüber hinaus eine mit dieser Vermarktlichung einhergehende Herrschaftstechnik fassen, bei der den von der Gesellschaft missachteten und vom Arbeitsmarkt ausgegrenzten Hauptschülern selbst die Schuld für ihre Lage zugeschrieben wird. Erfahrungen des Scheiterns, etwa bei der Ausbildungsplatzsuche, werden dann eher als individuell zu verantwortende Fehlleistungen und weniger als gesellschaftlich bedingte Ausgrenzung verstanden. Wenn deprivilegierte Jugendliche in erster Linie selbst für ihre Lage verantwortlich gemacht werden, hat dies unterschiedliche pädagogische Konsequenzen: Das Spektrum neoliberaler Pädagogiken reicht von einem massiven empowerment im Sinne eines „jeder kann es schaffen“ bis zu strengen Disziplinarmaßnahmen gegenüber sich verweigernden Schülern, ein Beispiel dafür wäre die Androhung von Haftstrafen für Schulschwänzer.

Neoliberalisierung meint keineswegs ein laissez-faire, sondern kennzeichnet eine aktive Umgestaltung unserer Gesellschaft. Dabei werden repressive Maßnahmen gegenüber denjenigen durchgesetzt, die sich der gewünschten Form der aktiven Selbstregierung verweigern. Die notorisch aufmüpfigen Berliner Hauptschüler sind dafür ein gutes Beispiel. Die konfrontative Pädagogik mit ihrem Prinzip des harten Durchgreifens steht beispielhaft für eine neue Form von Disziplinarregime unter neoliberalen Vorzeichen, und sie wird gleichzeitig als konservative Antwort auf die alte 68er-Pädagogik inszeniert, die als verweichlicht und verweiblicht diskreditiert wird.

„Teach First“ und „Rock your Life!” sind zwei jüngere Bildungs-Initiativen nach U.S.-amerikanischem Vorbild, ein „Fellow“- bzw. „Mentoring“-Programm von Akademikern für Hauptschüler und benachteiligte Jugendliche. Ihre Werbekampagnen sind enorm erfolgreich, weil sie mit ihren Übertreibungen, Anglizismen und penetrant guter Laune einem amerikanisch geprägten Zeitgeist entsprechen. „Rock your Life!“ ist ja bereits eine unmissverständliche Aufforderung, dass eine „normale“ Lebensführung scheinbar nicht mehr ausreicht. Demgegenüber sehnen sich Hauptschüler in erster Linie nach einem stabilen und gesicherten Leben, da sie selbst häufig in prekären familiären und ökonomischen Verhältnissen aufgewachsen sind. Bei „Teach First“ bekommt man schnell den Eindruck, es gehe in erster Linie um die Karrieren der „Fellows“. So wird mit Slogans wie „Das Kanzleramt kann warten“ sowie den Harvard- und McKinsey-Karrieren der Absolventen geworben. Beide Organisationen folgen einer neoliberalen Logik, indem sie das Problem tendenziell in den „Brennpunktschulen“ oder bei den „Problemjugendlichen“ verorten und nicht bei sich selbst oder auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene.

er schulische Bildungsbereich ist ja teilweise bereits ökonomisiert und privatisiert. Von staatlicher Seite wird gezielt eine stärkere Wettbewerbsorientierung im Schulbereich vorangetrieben, die Zahl von Privatschulen nimmt stark zu und die bildungspolitische Eliteorientierung produziert unweigerlich auch „Restschulen“. In Berlin wird diese Tendenz durch die Einführung der Ganztagesschulen bei gleichzeitigem Lehrermangel weiter verstärkt, da die zusätzlichen Nachmittagsangebote zum Teil von privaten Trägern organisiert werden. Selbst die schulischen Bewerbungshelfer sind teilweise nur von Zeitarbeitsfirmen engagiert und müssen dann in den Ferien selbst zum Arbeitsamt. „Teach First“ und „Rock your Life!“ sind Teil dieser Entwicklung und ihnen gelingt es, sich im harten im Wettbewerb der Bildungsträger ganz gut zu verkaufen

Mit Verachtung meine ich eine auf negativen moralischen Zuschreibungen und emotionalen Abwehrmechanismen basierende Form der gesellschaftlichen Diskreditierung bestimmter Personen oder Bevölkerungsgruppen. In meiner Studie zu Hauptschülern habe ich jenen Zuschreibungsmodus beschrieben, durch den niedriger sozioökonomischer Status mit Geringschätzung verbunden wird. Das führt im Alltag vor allem zu Demütigungen, zu ständigen Vorhaltungen man sei „dumm“ oder „faul“, was auf Dauer ein negatives Selbstwertgefühl zur Folge hat. Den Kontext und Nährboden solcher Exklusionsprozesse bildet ein neoliberales Herrschaftsmodell, das die Vorstellung propagiert, man sei für seine Situation selbst verantwortlich. Eine primär an ökonomischen Erfolgsprinzipien orientierte Kultur produziert demnach beständig sozialmoralische Anklagen gegenüber den sozial Deklassierten, die nicht nur ausgegrenzt werden, sondern denen auch selbst die Schuld an ihrer Misere zugeschrieben wird.

EOe: Wie reagieren die Schüler darauf und welche Rolle spielen die Lehrer bei der gesellschaftlichen Produktion von Verachtung?

SW: Schüler reagieren darauf eher in einem emotionalen Modus, der von Angst, Scham, Wut und Neid bis zu Coolness und Ironie reicht. Dabei werden die Zuschreibungen teilweise in ein negatives Selbstbild überführt, teilweise wird verzweifelt dagegen aufbegehrt oder es wird versucht, auf listige Weise mit Zuschreibungen zu spielen, beispielsweise wenn Jugendliche mit „wir sind doch nur Hauptschüler“ antworten, um eine besonders unangenehme Schulaufgabe nicht erfüllen zu müssen. In meinem neuen Buch – „Schule der Gefühle. Zur emotionalen Erfahrung von Minderwertigkeit in neoliberalen Zeiten“ – konzentriere ich mich auf diese emotionale Dimension von Exklusionsprozessen. Auf Lehrer habe ich mich in meiner Studie weniger fokussiert. Hauptschullehrer werden als Pädagogen teilweise ebenfalls verachtet oder als Lehrer dritter Klasse behandelt und geben das dann mitunter auch an ihre Schüler weiter. Viele versuchen den Schülern aber auch Wege aufzuzeigen, damit diese die Hoffnung nicht verlieren. Wenn von einem ganzen Abschlussjahrgang von 45 Schülern aber nur zwei Hauptschul-Absolventen einen Ausbildungsplatz finden,
neolib  bildung  hauptschule  mikrobuch:add:guerilla  mikrobuch:bluecollar 
august 2018 by MicrowebOrg
EUROPP – Why there is less between social democracy and neoliberalism than meets the eye
I recently debated Philip Mirowski on whether neoliberalism can provide a positive basis for university policy. This may seem strange, since neoliberalism is usually blamed for all the problems that universities face these days. Nevertheless, I argued that it is also the source of all that is good, starting with Lionel Robbins’ landmark 1963 report which opened the door to state-driven marketisation in UK higher education, effectively breaking down the Oxbridge monopoly. After Robbins, new academic providers sporting US-style campuses and new interdisciplinary programmes attracted young people who might otherwise have been deterred from attending university altogether. The strategy worked and was extended in a less capital-intensive way in 1992, resulting in today’s diverse higher education sector and unprecedented enrolment levels that are only now declining.
The long arc of this policy has been neoliberalism writ large, which becomes less surprising once we recall that Robbins himself was one of the staunchest opponents of Keynes’ collectivist idea of ‘welfare’ as the prime objective of economic science, and as LSE economics chair he had hired the neoliberal luminary Friedrich Hayek. Nevertheless, my audience thought that I was attributing to ‘neoliberalism’ what properly was due to ‘social democracy’. What’s at stake in the alternative labelling? Much less than meets the eye, I believe. In fact, their overlapping ideological space defines what I have previously called the ‘Alt-Left’.

As it turns out, Robbins began life – like both Hayek and Keynes – as a Fabian socialist, but with Hayek he parted company with all forms of socialism in the 1920s in the wake of the First World War and the Bolshevik Revolution. This was in fact typical of how social democracy and neoliberalism parted ways in the twentieth century, a division that became ensconced over time in the Mont Pelerin Society. But very often the policy differences have turned more on rhetoric than substance, which in recent times has made it easy for, say, Bill Clinton, Tony Blair, Gerhard Schröder and François Mitterand to advertise themselves as ‘social democrats’ but end up appearing ‘neoliberal’.
Here it is worth recalling that after Robert Michels’ classic Political Parties, social democracy has been the paradigm case of an ideology that will do anything to secure power, not least by adapting its principles to circumstances. Michels recounts how the German Social Democratic Party (SPD) quickly sold out much of its Marxist heritage by championing Bismarck’s social insurance proposals, a set of Tory reforms designed to avert a working class revolt that soon afterward became the template for what we now call the ‘welfare state’. As for the part of the Marxist heritage that the SPD retained – the championing of the labour movement – concern was mainly focused on getting people to join unions so as to render their votes ‘reliable’ in elections.
To be sure, Michels, a follower of Vilfredo Pareto, spun a cynical tale, given that by the eve of the First World War, the SPD was the largest party in the Reichstag and fully behind the Kaiser’s belligerent foreign policy. However, the SPD’s ascendancy was taken quite seriously overseas, especially by the UK Fabians and the US Progressives. Bertrand Russell’s first book was based on his lectures on the SPD as a lecturer in the newly formed LSE. And both Theodore Roosevelt and Woodrow Wilson frequently expressed their admiration for Bismarck’s transformation of Germany’s political landscape

However, it would be a mistake to say neoliberals are anti-state. On the contrary, neoliberals believe that a strong state is needed to create and maintain markets, which – following the Marquis de Condorcet – they treat as social mechanisms for ‘making people free’. Neoliberal hostility to collectivism in the twentieth century should be seen as extending liberal hostility to the herd mentality in the nineteenth century, as enshrined in Mill’s On Liberty. Mill too believed that the apparatus of government had to be organised in a certain way to enable people to be free, since they might otherwise just follow the crowd. Whereas for Mill truth itself was at stake (a la Hayek and Popper), neoliberals have been more concerned with the full realisation of human potential, which after the US Progressive economist Irving Fisher is still called ‘human capital’.
Both social democracy and neoliberalism can be credited with an enormous amount of social experimentation and innovation, some of which succeeded and some of which failed – but all of which is worthy of study. My guess is that a crucial difference between the two lies in their respective attitudes toward policy failure. A rough first approximation is that social democrats are inclined to blame the rich and absolve the poor, while neoliberals absolve the rich and blame the poor – which in turn reflects a divergence in how they think about how power in society is organised. That is only a start at an analysis of two ideologies that deserve to be understood as closer together than they currently are
neolib  spd2.0_star5 
august 2018 by MicrowebOrg
Der Markt und seine Gesetze (neolib, Hayek, Schröder ...)
Wie hat sich die Kategorie "der Markt" selbstverständlich durchgesetzt? Parallel zur Börse überall in B5 usw. ..

Welche Immunschwäche anderer hat das erlaubt? usw.

Eine Änderung der "neoliberalen Pseudoumwelt" braucht die Bewusstheit über seine Denkgrundlagen und über die Barrieren, die hier dem Denken auferlegt sind.
Man sollte zum Beispiel klar erkennen, dass es "den Markt" und seine "Gesetze" schlichtweg nicht gibt. In der Überwindung dieses Denkens kann der Blick auf mögliche Zukunftsentwürfe frei werden, die von vielen - so ist zu hoffen - kraft ihrer Imaginationskraft entworfen werden.

Auf diese Weise kann die ganze Gesellschaft kippen: "Das geistige Klima einer Periode wird von einigen wenigen Grundbegriffen und allgemeinen Vorstellungen bestimmt, die das Urteil der Intellektuellen leiten". Langfristig kann so nach Hayek "ein kollektives Unbewusstes" geformt werden: "Die Macht abstrakter Gedanken beruht in hohem Maße auf eben der Tatsache, dass sie nicht bewusst als Theorien aufgefasst, sondern von den meisten Menschen als unmittelbar einleuchtende Wahrheiten angesehen werden, die als stillschweigend angenommene Voraussetzungen fungieren." Hayek will also ein gesellschaftliches Unbewusstes beeinflussen.

Die eigentliche "neoliberale Wende" stellt die "Agenda 2010" in der zweiten Regierungsperiode von Gerhard Schröder und Joschka Fischer ab 2003 dar. Im Streit der Flügel hatte sich Schröder im März 1999 auf die Seite der "Reformer" gestellt, worauf Oskar Lafontaine die Regierung verlässt. Das Blair-Schröder-Papier vom Juni 1999 skizziert eine neoliberale Programmatik in sozialdemokratischer Terminologie - zum Beispiel wird der traditionelle Gerechtigkeitsbegriff entsprechend adaptiert. Interessant ist auch, dass es in diesem Papier fast wortgleiche Passagen zum Lambsdorff-Papier gibt. Der hier eingeleitete Wandel zu einer "Marktsozialdemokratie" (wie das Oliver Nachtwey nennt) wird von vielen in der SPD immer noch nicht verstanden.
Noch ein Satz zu meiner Zunft, der Ökonomie. Man hat es in der Ökonomie jahrzehntelang versäumt, Hayek ernst zu nehmen und fundiert zu kritisieren. Ich kann mich noch gut erinnern, wie verständnislos 1972 meine Professoren auf den (so genannten) Nobelpreis für Hayek reagiert haben.
neolib  spd2.0_star5  martin:ligarepublik  diem25 
august 2018 by MicrowebOrg
"Wir leben in einer Gesellschaft, die von Propaganda und Manipulation durchdrungen ist" | Telepolis
Vor allem war Lippmann ein politischer Liberaler. Er hat den Liberalismus immer als politischen Liberalismus verstanden, darüber war er sich mit dem britischen Ökonomen John M. Keynes, mit dessen Ideen Lippmann sympathisierte, einig. Das Netzwerk, das zur Verbreitung des Neoliberalismus sorgen sollte, hat sich danach radikalisiert und Lippmann wird 1947 zur Gründungsveranstaltung der Mont Pèlerin Society (MPS), nicht mehr eingeladen.Jetzt rücken die Radikalen unter der Führung des Ökonomen Friedrich August von Hayek in den Vordergrund und formulieren eine Agenda für einen ökonomischen Liberalismus, bei dem Menschenrechte und politische Freiheitsrechte nicht mehr erwähnt werden. Der Neoliberalismus der MPS will einen ökonomischen, aber keinen politischen Liberalismus.Die Demokratie wird von Hayek und seinen Mitspielern nicht vorbehaltslos unterstützt. Sie wird nur dann verteidigt, wenn sie eine Markt-Gesellschaft stützt und fördert. Sollte das nicht der Fall sein, zum Beispiel wenn die Bevölkerung auf demokratische Weise eine andere Wirtschaftsordnung oder eine andere Version des Kapitalismus will, dann werden Neoliberale zu Kritikern der Demokratie. Hayek hat eine "entgrenzte" Demokratie, die "in den Markt" eingreift, eine "totalitäre Demokratie" genannt - das ist das stärkste negative Eigenschaftswort, das Hayek zu vergeben hat.

Hayek will einen völligen Neustart, dazu muss die Gesellschaft von Grund auf neu gedacht werden. Sein Ziel ist hochgesteckt: Er will den Liberalismus als "dominantes, wenn nicht absolutes Prinzip sozialer Organisation" weltweit verankern, das könne - so sagt er - zwei bis drei Generationen dauern.
Die Mont Pèlerin Society (MPS) wird gegründet, um erstens diese Utopie in einer exklusiven intellektuellen Elitegruppe theoretisch auszuarbeiten und zweitens in immer größeren Netzwerken praktisch zu realisieren. Bei der Eröffnungsrede der MPS sagt Hayek, man müsse sich "losmachen" von "den Vorurteilen, in der der Politiker" aktuell "gefangen ist". Und: "Wir müssen kühl überlegen, was mit Überredung und Belehrung erreicht werden kann."
Hayek entwickelt dazu zweierlei: ein theoretisches Konzept, wie eine Beeinflussung der öffentlichen Meinung möglich sein kann, und zweitens eine organisatorische Infrastruktur, um dies nicht ein Mal, sondern andauernd zu realisieren.
Was haben denn Hayeks Vorstellungen von Beeinflussung mit denen von Lippmann zu tun?
Walter Ötsch: Hayek besitzt wie Lippmann das Konzept einer "Elite", die "die Masse" führen soll. Er weiß auch, dass grundlegende Ideen bewusst verändert werden können, dass man die öffentliche Meinung manipulieren kann und dass das manchmal auch einer kleinen Gruppe gelingen kann. Er spricht aber von einer anderen Elite als Lippmann und verfolgt ein ganz anderes Ziel für die Gesellschaft.

"Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass wenn erst einmal der aktive Teil der Intellektuellen zu einem bestimmten Set an Glaubenssätzen bekehrt ist, der Prozess der allgemeinen Akzeptanz dieser Sätze nahezu automatisch und unwiderstehlich verläuft. Die Intellektuellen sind das Organ, das moderne Gesellschaften entwickelt haben, um Wissen und Ideen zu verbreiten und ihre Überzeugungen und Meinungen wirken wie ein Sieb, durch das alle neuen Vorstellungen hindurchmüssen."
neolib 
august 2018 by MicrowebOrg
Das neoliberale Projekt | NZZ
Nur wenige Denkrichtungen sind so umstritten wie der Neoliberalismus. Meist dient der Begriff nurmehr dazu, eine angeblich zu passive Politik zu geisseln, die alle möglichen gesellschaftlichen Übel zu verantworten habe. Dabei wandte sich der Neoliberalismus einst genau dagegen, wofür der Begriff heute benutzt wird. Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise, des Scheiterns der Weimarer Republik und der Machtergreifung der Nationalsozialisten verorteten die 26 Denker, die vor achtzig Jahren – vom 26. bis 28. August 1938 – am «Colloque Walter Lippmann» in Paris zusammengetroffen waren, den Schuldigen im «Laissez-faire» einer vom klassischen Liberalismus geleiteten Politik. Angestossen durch das Buch «The Good Society» des damals einflussreichen US-Journalisten Walter Lippmann, ging es ihnen um eine Runderneuerung des Liberalismus. Der Kern dieses neoliberalen Projekts bestand darin, den Staat wieder stärker in die Pflicht zu nehmen – als Hüter einer liberalen Ordnung und als «Marktpolizei». In Deutschland, durch den Krieg isoliert, entwickelte sich daraus als Sonderweg der Ordoliberalismus.
Keine Antidemokraten

Die Debatten des Sommers 1938 sind von beklemmender Aktualität, sowohl was die Themen angeht als auch die Atmosphäre. Nach Louis Rougier, der das Colloque Lippmann organisiert hatte, war allen Teilnehmern klar, dass sie «auf der Schwelle dramatischer Ereignisse lebten, in denen es um den Frieden der Völker und das Schicksal Europas ging». Sie erörterten, wie sich der Nationalismus eindämmen liesse; wie der Wettbewerb gesichert werden könne; wie Freiheit, Sicherheit und Soziales zu verbinden seien. All dies ist jetzt nachzulesen. Der Politologe Jurgen Reinhoudt (Hoover Institution, Stanford) und der Philosoph Serge Audier (Sorbonne, Paris) haben die Aufzeichnungen ins Englische übertragen. Sie haben sie mit Anmerkungen ergänzt und Wissenswertes über die Teilnehmer – unter ihnen Raymond Aron, Friedrich A. von Hayek, Ludwig von Mises, Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow – zusammengetragen. Zudem ordnen sie die Standpunkte behutsam ein. So richtig wie wichtig ist ihre Warnung: Es führe keine direkte Linie vom Colloque Lippmann zum heutigen Neoliberalismus, und die Teilnehmer hätten auch nicht die Interessen des Kapitals vertreten. Auch wenn ihr Verhältnis zur politischen Freiheit heikel sei, könne man sie doch nicht als Antidemokraten bezeichnen.
«Der Neoliberalismus ist eine hegemoniale Ideologie, wie früher das Christentum»
Daniele Muscionico 22.5.2018, 05:30

Wie nötig diese Warnung ist, wird klar, wenn man sich dem Handbuch von Damien Cahill (University of Sydney) und Mitherausgebern widmet. Es zeigt drastisch, warum es auch in der wissenschaftlichen Debatte so mühsam ist, mit manchen Kritikern auf einen grünen Zweig zu kommen. Schon die Prämissen der Beiträge erschweren die Verständigung: Der Neoliberalismus ist demnach eine Kalamität, gegen die «Widerstand» geboten ist. Zudem habe er trotz seinen Widersprüchen – man meint Marx zu hören – Dominanz errungen und den Westen von langer Lobbyistenhand und globalen «Denkkollektiven» in Richtung Ökonomisierung, Privatisierung und Deregulierung gesteuert. Mit den sozialen Verwerfungen, die er zu verantworten habe, stehe der Neoliberalismus an der Wurzel des sich neu ausbreitenden Nationalismus und Rechtspopulismus. Niemandem scheint hier auch nur zu dämmern, wie weitgehend die populistischen neuen Rechten einen Gutteil der linken Narrative adaptiert haben.

Warum also sollte man sich durch die rund 600 Seiten arbeiten, über die sich 48 Survey-Beiträge von 64 Autoren verschiedener Disziplinen erstrecken? Weil sie durchaus nützliche, wenngleich betrübliche Einsichten darüber vermitteln, warum sich mit dem Verweis auf die Wurzeln des Neoliberalismus kaum eine Brücke zu dieser Art von Kritikern bauen lässt. Es tröstet sie keineswegs, dass die historischen Neoliberalen den Staat nicht abschaffen, sondern stärken wollten. Sie werfen ihnen vor, den Staat rein wirtschaftlich, also verkürzt zu legitimieren und ihn «neoetatistisch» zu pervertieren, indem sie ihn dazu missbrauchten, den Raum des demokratisch Verhandelbaren zu begrenzen – mit Verfassungsregeln und Institutionen wie unabhängigen Zentralbanken. Es ist für sie nur das Paradoxon einer inkonsistenten Theorie, des «neoliberalen Imaginären», dass der Staat die Ordnung setzt und sichert, aber auf die Steuerung des Prozesses verzichtet. Sie haben recht, wenn sie darin einen Konstruktivismus sehen, der keiner sein will – bloss führt sich dieser damit nicht ad absurdum. Und die neoliberale Ordnungsidee nur auf die Ökonomie zurückzuführen, ist schlicht falsch.
Herrschaft und Eigentum

Der Historiker Quinn Slobodian (Wellesley College) ist von einer ähnlichen Grundhaltung geprägt. Doch immerhin verkneift er sich in seinem faktenreichen, flott geschriebenen Buch, in dem er Historisches und Ideengeschichtliches verwebt, so manche, wenn auch nicht alle Spitzen. Er übernimmt dabei die Kritiker-These vom Neoetatismus und vom Ökonomismus der Neoliberalen und entfaltet sie auf der Folie der Entwicklung des Welthandelssystems. Er erzählt dessen Weg der Integration seit den zwanziger Jahren, hin zu EWG, WTO und Gatt, als Geschichte der Theorieentwicklung, der Netzwerke und der politischen Einflussnahme der Neoliberalen. Dabei rückt er die «Genfer Schule» ins Rampenlicht: Röpke, Mises, Hayek, Michael Heilperin, Lionel Robbins und Gottfried Haberler. Sie alle lehrten zeitweise am Institut universitaire de hautes études internationales in der Nähe des heutigen Sitzes der WTO – die einen wie Röpke länger, die anderen wie Hayek nur kurz als Gast.

Slobodian nennt sie «Globalists», wobei er sich vom Gebrauch dieses Begriffs in rechten (und oft antisemitischen) Diskursen distanziert. Das Ziel der Globalisten sei gewesen, «Imperium» und «Dominium» zu trennen, öffentliche Herrschaft und privates Eigentum. Deshalb hätten sie Institutionen entworfen, die den Kapitalismus vor der irrationalen nationalen Demokratie und deren wiederkehrenden Forderungen nach «sozialer Gerechtigkeit» und Umverteilung beschützten: eine universalistische Ordnung mit Abkommen zur Abschaffung der Zölle, mit eigener, unabhängiger Justiz. Es sei ihnen um den Multilateralismus als System kollektiver Selbstbindung zum Wohl des Markts und der (kapitalistischen) Akteure gegangen.
Künstliche Widersprüche

Der Autor gräbt eine Fülle spannender historischer Details aus und schaut, seiner akademischen Sozialisation gemäss, vor allem dort genauer hin, wo er Widersprüche wittert. Manche sind künstlich, etwa wenn er rügt, dass Hayek vor der Anmassung von Wissen warnte, gleichzeitig aber für eine freiheitliche Ordnung warb. Dass man nicht weiss, wohin der Fortschritt führt, ist durchaus damit vereinbar, ihn ermöglichen zu wollen. Andere Widersprüche sind echt und bedürfen der Aufarbeitung, so die verstörenden rassistischen Töne Röpkes, die Slobodian zu Recht mit dessen Betonung der christlichen Religion als einzig wahren Quells unabdingbarer Werte in Verbindung bringt.

Das lesenswerte Buch endet mit der Mutmassung, die Neoliberalen hätten die Abkopplung des Markts von der Demokratie durch supranationale Strukturen zu weit getrieben und müssten deshalb nun erleben, wie das Pendel zurückschwinge. Über die Kausalität mag man streiten; bedenkenswert ist der Verweis auf die «gefühlte» demokratische Legitimation aber schon. Der Befund ist offensichtlich: Der Welt droht eine besorgniserregende Desintegration.
neolib 
august 2018 by MicrowebOrg
Verso: Against the Neoliberalism Taboo
Rather than be discarded, the term "neoliberalism" needs to be defined with greater precision.

...
neolib 
august 2018 by MicrowebOrg
Walter Ötsch | Tagung zur Geschichte des Ordoliberalismus
!! Die Tagung widmet sich der Theorie- und der Wirkungsgeschichte des deutschen Ordoliberalismus. Die Geschichte und die Bedeutung des Ordoliberalismus für die Politik, insbesondere die Wirtschaftspolitik (West-)Deutschlands wurden und werden gerade im Zuge der deutschen und europäischen Krisenpolitik bekanntlich sehr unterschiedlich interpretiert. Bei der Tagung betrachten wir den Ordoliberalismus als Denkkollektiv im Sinn von Ludwig Fleck (1935/1980).

Ein Denkkollektiv hat zwei Seiten: eine kognitive und eine soziale. Dementsprechend fragen wir:

Welche Denkformen zeichnen den Ordoliberalismus aus?
In welchen Netzwerken und mittels welcher Netzwerke übten ordoliberale Ökonominnen und Ökonomen politischen und wirtschaftspolitischen Einfluss in (West-)Deutschland aus?
Kann man für (West-) Deutschland für welche geschichtlichen Phasen von einer ordoliberalen (Wirtschafts-)Politik sprechen?

Dabei geht es um folgende Fragen

Denkformen des Ordoliberalismus?

Was zeichnet den Ordoliberalismus als ökonomische Theorie aus, was als politisch einflussreiche Strömung?
Besteht der Ordoliberalismus aus mehreren Schulen oder handelt es sich um eine einzelne? Was sind deren zentralen Gemeinsamkeiten?
In welcher Stellung steht der Ordoliberalismus zur Österreichischen Schule und zu Ansätzen, die nach 1945 in der Chicagoer-Schule entwickelt worden sind, vor allem dem Monetarismus oder mikroökonomischen (bzw. neoklassischen) Ansätzen?
Was ist das Liberale am Ordoliberalismus? Welche Zusammenhänge gibt es zum „Chicagoer-Liberalismus“ oder zu anderen liberalen und „neoliberalen“ Strömungen?

Netzwerke des Ordoliberalismus?

In welcher Weise war der Ordoliberalismus politisch und wirtschaftspolitisch erfolgreich?
War er nur in einer begrenzten Zeitdauer einflussreich? In welcher Form gibt oder gab es eine „Wiederkehr“ des Ordoliberalismus?
Wie müsste man den Ordoliberalismus wissenschaftssoziologisch beschreiben?
Mit welchen gesellschaftlichen und politischen Kräften war oder ist der Ordoliberalismus in (West-)Deutschland verbunden? Können einzelne Wirkungskanäle im Detail beschrieben werden?
Welche Bedeutung für die Wirkungsgeschichte des Ordoliberalismus besitzen die Netzwerke um das Walter Lippmann Colloque und die Mont Pèllerin Society?
Welchen Beitrag leisteten Ordoliberale zur Verdrängung des Keynesianismus?
Welchen Einfluss besitzt der Ordoliberalismus heute? Inwiefern steht der „deutsche Sonderweg“ in der Wirtschaftspolitik damit in Beziehung?



Michael Spieker und Walter O. Ötsch: Einführung: Wie kann man Geschichte denken?
14:30h: Harald Hagemann (Universität Hohenheim): Ordoliberalismus, Soziale Marktwirtschaft und Keynesianismus in Westdeutschland 1945-1974 (Koreferat: Uwe Fuhrmann)
15:30 h Kaffeepause im Foyer
16:00 h: Friedrun Quaas (Universität Leipzig) : Der spezifische Liberalismus von Hayek als Polarisationsprisma. Neues ordnungsökonomisches Denken versus New Austrians
17:00 h Thomas Biebricher (Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt): Das politische Denken des Ordoliberalismus: Staat, Demokratie und Wissenschaft
18:30 h Abendessen
19:30h Ralf Ptak (Universität Köln): Das Staatsverständnis des Ordoliberalismus. Was vom deutschen Sonderweg im Neoliberalismus geblieben ist

Dienstag 10. Oktober 2017

08:15 h Frühstück
09:00 h Stephan Pühringer (Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues): Zur zentralen Rolle ordoliberaler Netzwerke in wirtschaftspolitischen Reformprozessen in Deutschland (Koreferat: Judith Hesselmann, angefragt)
10:00 h Pause
10:30 h Walter Ötsch (Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues): “Der Markt” als Kollektivgedanke eines machtvollen Denkkollektivs
12:30h Mittagsessen
13:45 h Philipp Wolter (HansBöckler Stiftung Düsseldorf): Neoliberale Denkfiguren in der Presse. Wie ein Wirtschaftskonzept die Meinungshoheit eroberte
14:45 h Josef Hien (Universität Mailand): Der Einfluss der Ordoliberalismus auf die deutsche Position in der Eurokrise
brd:aufbau  ns:modern  neolib 
july 2018 by MicrowebOrg
Walter Ötsch | Buch zur Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre
Netzwerke des Marktes
Ordoliberalismus als Politische Ökonomie
erschienen im November 2017 im Verlag Springer VS

Studie zur Geschichte der Ökonomik in Deutschland, fokussiert auf den Ordoliberalismus.

Empirisch anhand einer Datenbank von ca. 800 ÖkonomInnen, die an deutsche Unis von 1954 bis 1994 einen Lehrstuhl in Ökonomik hatten.
Theoretisch: Neudeutung des Netzwerkes, das sich um die Mont Pellerin Society gespannt hat, anhand des Begriffes „der Markt“ in der Einzahl, – daraus wurde der Begriff ´Marktfundamentalismus (anhand von Primärtexten belegt) entwickelt, – dieser Begriff ist für uns präziser und aussagekräftiger als der ansonsten verwendetet Begriff Neoliberalismus.
Der Begriff Marktfundamentalismus ist unseres Erachtens gut geeignet, die Neuausrichtung der Ökonomie ab den 70er-Jahren umfassend zu verstehen, weil hier sehr unterschiedliche Paradigmen einem politischen Ziel (einer „Planung für den Markt“ verpflichtet waren und gemeinsam den Keynesianismus verdrängt haben. Der Marktfundamentalismus fundiert auch eine Theorie (bzw. einer kategorialen Grundlegung) unserer Gesellschaft, die man als ökonomisierte Gesellschaft verstehen kann.
Zur Darstellung der politische und medialen Wirkmächtigkeit einzelner Personen und Netzwerke wurde die Methode des Performativen Fußabdrucks von ÖkonomInnen entwickelt, – im Detail sind dies fünf Koeffizienten von ökonomieinternen und -externen Einflusssphären. Damit soll die Wirkmächtigkeit von ÖkonomInnen über einen längeren Zeitraum sowie über unterschiedliche gesellschaftliche Felder dargestellt werden.
Hauptergebnis: Der Nachweis einer überraschend großen Dominanz von ÖkonomInnen mit Verbindungen zu deutschen marktfundamentalen Think Tanks und Institutionen und Initiativen.
Neudeutung der Geschichte des Ordoliberalismu

Wir freuen uns über Feedback und Rezensionen.

Walter Ötsch, Stephan Pühringer, Katrin Hirte: Netzwerke des Marktes. Ordoliberalismus als Politische Ökonomie, Springer VS, November 2017
neolib 
july 2018 by MicrowebOrg
Colloquium “Volk Capital: The Moral Economy of Xenophobic Libertarianism from Hayek to the AfD” | Max Planck Institute for Human Development
uncovering the neoliberal intellectual roots of the populist nationalist mobilizations in Central Europe, with a focus on the Alternative for Germany (AfD) and Austrian Freedom Party (FPÖ). These parties represent a genre of neoliberal thought that Quinn Slobodian calls xenophobic libertarianism, stretching back to the work of F. A. Hayek since the late 1970s and incorporating strains of racial psychology, culturalism, and comparative economics.
afd  neolib 
july 2018 by MicrowebOrg
Landscapes of Unrest: Herbert Giersch and the Origins of Neoliberal Economic Geography | Quinn Slobodian - Academia.edu
Giersch IfW! -- Eine Geschichte des Neoliberalismus
>> Reformen, Dynamik, Wettbewerb, Globalisierung/Raum ... VOLK! (im Sinne von Ratzel, als Raumfunktion!!) seit Mitt der 1970er Jahre !!!

LESEN (IfW)

Holger Schmieding, “Ein letztes goldenes Jahrzehnt fur Deutschland,” in Lars P.Feld, Karen Horn, and Karl-Heinz Paque
, eds., Das Zeitalter von Herbert Giersch:Wirtschaftspolitik f¨ ur eine offene Welt (T¨ubingen, 2013), 81–95

Jens Jessen,“Das Lebenswerk von Bernhard Harms,”
SchmollersJahrbuchf¨ urGesetzgebung,Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reich 64 (1940)

The last decade has seen a wave of studies of the formativeideas of the so-called Neoliberal Thought Collective (NTC) around the MontP`elerin Society (MPS), but the dominant themes have been the rebalancingof state and market, new subjectivities associated with entrepreneurship andself-quantification, the expanding role of economic expertise in society, andthe status of democracy under so-called market rule.
4
Apart from someexplorations of neoliberal proposals for imperial reform and internationalfederation, space has been largely absent from the history of neoliberal ideas ...

This article presentsan exception to this rule in the overlooked figure of the German economistHerbert Giersch, and thus seeks to bridge the persistent gap between theintellectual history and critical geography of neoliberalism. Remembered afterhis death in
2010
as “the German Milton Friedman . . . a virtuoso on thekeyboard of public opinion,” and the nation’s “most influential economist,”Giersch was the director of the influential Kiel Institute for the World Economy from
1969
until
1989
, and president of the Mont P`elerin Society from
1984
until
1986
.
7
Giersch blended German traditions of location theory with the globalismof the Kiel Institute to lay the foundation of what this article identifies as aneoliberal economic geography. Though he lacked the international visibility of Hayek or Friedman, Giersch played a comparable role

EUROSKLEROSE (sie meinen vermutlich die halbstaatliche Großindustrie/Mitterand-Strauss-Linie)

In his public speech and his written work from the
1970
s onward, HerbertGiersch elaborated a coherent global economic and geographic imaginary toreplace the nationally organized Keynesian welfare state. His work was especially relevant to the German context where globalization debates in the
1980
s revolvedaround the spatial categories of location (
Standort
) and locational competition(
Standortwettbewerb
) Locational competition replaced long-standing goals of national socioeconomic evenness and equality with those of hierarchy, regionaldifferentiationandspecialization.Liketheconceptof“clusters,”whichoriginatedwith the business strategist Michael Porter in the
1990
s, locational competitionbecame a useful piece of jargon to explain projects of restructuring and selectivestateinvestmentattheregionallevel.In
1990
,thefrequencyinprintedmaterialof the phrase
Standort Deutschland
overtook the previously more common
Modell Deutschland
, replacing a notion that foregrounded consensus and the socialstate at the national level with one that emphasized competition and flux at theglobal level. Signaling its importance, Chancellor Helmut Kohl made
Standort Deutschland
the slogan of his reelection campaign in
1994
.
11
The term had itsroots in Kiel, having been coined by a student of Giersch’s, Gerhard Fels, whofirst put it forth in a
1976
report that Giersch identified as a point of origin forthe return of neoliberal policies in the Federal Republic

The establishment of the Institute for the World Economy (Institut f ¨urWeltwirtschaft—IfW) was due to the special efforts of its founder, BernhardHarms. Born the son of a salesman on
30
March
1876
in Detern in East Friesiaandoriginallytrainedasabookbinder,ChristophBernhardHarmsstudiedattheUniversityofT¨ubingen,wherehewasauniversityinstructor(
Privatdozent
)from
1903
to
1906
.
16
After a brief stint in Jena as the first occupant of a chair in socialpolicy (
Sozialpolitik
), he was called to a chair in economics (
National¨ okonomie
)at the University of Kiel in
1908
, where the future founder of ordoliberalism,Walter Eucken, was among his students.
17

By contrast, Harms argued that the only intellectually defensible way to define
Volk
for the purpose of economics wasas “residents” (
Einwohner
) in the sense of actors inhabiting a given boundedterritory of exchange and production. For
Volk
to mean “identical language,unified culture, etc. seems to lie outside the category” of the discipline. He putit polemically: “Same race, same language, common feelings, ideas and mores!According to this, there is neither an Austrian nor a Swiss national economy, andin Germany, Poles would stand outside the German national economy.”
28
Harms turned instead for his definition to a geographer, the father of geopolitics, Friedrich Ratzel. He quoted his definition of “a nation [
Volk
] tomean any politically bound group of groups and individuals, that must not berelatedbypedigreeorlanguage,butareboundspatiallythroughsharedterritory.”He called this spatial definition “the only relevant conception for economics. Allideasofthesamelanguage,race,religionsetc.arealientotheconceptof‘nationaleconomy.’
He would teach at Kiel until his forcedretirement in 1934.Harms sought to establish a separate institute for the study of the worldeconomy from early in his time at Kiel. In addition to professional ambition, hewas motivated by a nationalist conviction
neolib  brd:aufbau  brd:neolib  volk  ns:imperium  ns:modern 
february 2018 by MicrowebOrg
Herbert Giersch – Wikipedia
Neoliberale BRD-Volkswirtschaft

Giersch studierte von 1939 bis 1942 Volkswirtschaftslehre in Breslau und Kiel und wurde 1948 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, an der er seit 1947 als Assistent tätig war, mit einer Arbeit über „den Ausgleich der Kriegslasten vom Standpunkt der sozialen Gerechtigkeit“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Ab 1948 war Giersch Fellow an der London School of Economics and Political Science und arbeitete als Referent für die Organisation for European Economic Co-operation, OEEC in Paris (1950 bis 1951 und 1953 bis 1954). 1950 habilitierte er sich, von 1951 bis 1953 war er als Privatdozent an der Westfälischen Wilhelms-Universität tätig. 1954 und 1955 war er Lehrstuhlvertreter an der Technischen Hochschule Braunschweig. 1955 wurde er zum ordentlichen Professor an der Universität des Saarlandes berufen. Er war Gastprofessor an der Yale University (1962 und 1977 bis 1978).

Herbert Giersch wurde 1964 als Gründungsmitglied in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen und prägte bis 1970 maßgeblich die Arbeit dieses Gremiums und die jährlichen Gutachten. Giersch prägte den Begriff der „Konzertierten Aktion“ - wurde später jedoch zum Angebotstheoretiker.

1969 wechselte Giersch als Ordinarius an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und wurde als Nachfolger Erich Schneiders gleichzeitig Präsident des dortigen Instituts für Weltwirtschaft. Beide Positionen hatte er bis 1989 inne. Von 1986 bis 1988 war er Präsident der Mont Pelerin Society.

Giersch prägte 1985 den Begriff der Eurosklerose für die Beschreibung der Politik Europas in den 70er und 80er Jahren[1] und war Mitunterzeichner des eurokritischen Manifests Die EG-Währungsunion führt zur Zerreißprobe (1992).[2] Des Weiteren geht der Begriff des Diktats der leeren Kassen auf ihn zurück, womit Giersch eine politische Strategie beschreibt um ein Kürzen der Staatsausgaben gegen Widerstand durchzusetzen. Statt sozialpolitische Ausgaben direkt zu kürzen, empfahl Giersch die Einnnahmenseite des Staates durch Steuersenkungen zu schmälern und so seinen Spielraum zu verkleinern
neolib  brd:aufbau 
february 2018 by MicrowebOrg
A White Story | Dissent Magazine
As a term, “neoliberalism” has caused a great deal of mischief. The historian Daniel Rodgers highlights no less than four different uses: neoliberalism as a historical stage of capitalism, as an intellectual project, as policy, and as a cultural regime.
neolib 
january 2018 by zryb

related tags

afd  antikosmopolitan  article  austerity  baltikum  bildung  brd:aufbau  brd:neolib  brexit  capitalism  cycles  data  debt  diem25  diskursanalyse  economy2.0_dt  economy2.0_star5  economy:history  ezb  flatworld  foucault  globalization  hauptschule  hayek  history  keynes  koop  martin:ligarepublik  martin:oekonomik  martin:politik  martin:wirtschaft  mikrobuch:add:guerilla  mikrobuch:bluecollar  mikrobuch:flatworld  neoliberalismus  newpublicmanagement  newwork  ns:imperium  ns:modern  oekonomik  ordoliberalism  politics  postdemokratie  prejudice  rechts  schaeuble:freiburg  schulmeister  spd2.0:martin  spd2.0_star5  techculture  texas  toread  trump  volk  wirtschaft:ideologie 

Copy this bookmark:



description:


tags: