imperialismus   58

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Damals als US-Präsidenten die Muslime zum Dschihad gegen den atheistischen Kommunismus anstachelten. #Imperialismus… https://t.co/aLT8pF5nCo
– Ulbricht Boy (redimplex) http://twitter.com/redimplex/status/899947244069281792
Imperialismus  via:packrati.us 
august 2017 by kelo
Jürgen Zimmerer relativiert den Holocaust – starke-meinungen.de
Natürlich wird Zimmerer – zu Recht – sagen, dass die „segensreichen Entwicklungen“ untrennbar verbunden sind mit dem Fluch des Kolonialismus: Entrechtung, Entmündigung, Unterdrückung, Ausbeutung. Aber erstens ist die Bilanz zwischen Fluch und Segen von Land zu Land und von Zeit zu Zeit verschieden; und zweitens ist es auch deshalb unzulässig, die Autobahn-Karte zu ziehen, weil die nationalsozialistische Herrschaft eben keine solche Bilanz aufweist. Sie war – zusammen mit der Gewaltherrschaft des Bolschewismus – reine, nackte Gewalt und allenfalls eine Karikatur des Kolonialismus.

Zweifellos ist der Völkermord von Anfang an Teil des Kolonialismus, man denke an die Auslöschung der Kultur der Azteken, Maya, Inka und anderer Völker Südamerikas, die mit ihrer fast völligen physischen Auslöschung einherging. Oder an den Sklavenhandel. An das Schicksal der „Indianer“ in den USA, der Aborigines und Maori in Australien und Neuseeland. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch war der Völkermord an den Herero und Nama in ihrer Brutalität etwas Besonderes, zumal in der Zeit, in die sie fiel: 1904 bis 1908.

In jener Zeit waren die meisten Kolonialmächte – insbesondere die führenden europäischen Mächte Großbritannien und Frankreich – aus durchaus egoistischen Gründen bemüht, so etwas wie eine aufgeklärt-paternalistische Vision imperialer Herrschaft nicht nur zu propagieren – wie in Rudyard Kiplings Gedicht von der „Bürde des Weißen Mannes“, sondern auch umzusetzen. Großbritannien hatte seit einem Jahrhundert schon das Weltreich vom Nutznießer des Sklavenhandels zum Vorkämpfer gegen den Sklavenhandel umfunktioniert, die „Dominions“ sollten in absehbarer Zeit Juniorpartner eines „Commonwealth“ werden; Frankreich wollte Algerien und andere Kolonien zum Teil des Mutterlandes machen. Die Verbrechen der Belgier im Kongo – von Joseph Conrad in „Heart of Darkness“ geschildert – riefen allgemeines Entsetzen hervor.

chon gar nicht kann man ein differenziertes Urteil über diese „500jährige Geschichte“ mit seinen „vielen Gesichtern“ mit dem flapsigen Hinweis auf die zwölfjährige Geschichte des Nationalsozialismus und seiner blutigen Fratze abtun.

War für den Holocaust ein „Phänomen“ verantwortlich?

Hinter dem flapsigen Tweet Zimmerers steht aber eine Ideologie. Und sie formuliert Zimmerer wie folgt: „Vor allem aber bettet der postkoloniale Ansatz die nationalsozialistischen Verbrechen ein in die Geschichte des Kolonialismus und des Genozids. Er versteht sie als – sicherlich extrem radikalisierte Ausprägung – eines weltgeschichtlichen Phänomens, nämlich des Siedlungskolonialismus und des ihm inhärenten Gewaltpotentials.“

Indianer und Maori, Hereros und Araber, Slawen und Juden – alles Opfer eines „weltgeschichtlichen Phänomens“ namens Kolonialismus, das dadurch wie nebenbei jeder differenzierten Betrachtung entzogen wird, während das Spezifische des Judenmords und seiner Täter im Weltgeschichtlichen verschwindet. Das ist nicht Theorie, das ist Ideologie.

„Ich habe an anderer Stelle (Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 51:12 (2003), S. 1098-1119) von einer Genealogie des genozidalen Gedankens gesprochen, die man über den Siedlerkolonialismus bis zum Nationalsozialismus verfolgen könne. Die Suche nach Siedlungsland in Amerika, Australien und Afrika ist dabei funktionsäquivalent zum Lebensraum im Osten Europas während des Dritten Reiches. Hinsichtlich der Formen und Praktiken der Gewalt lässt sich eine immer großflächigere und bürokratisiertere Anwendung von Gewalt beobachten, abhängig vom historischen Entwicklungsstand des (europäischen) Staates.“

Der Stammtisch als Stichwortgeber

Demzufolge wäre Hitlers „Generalplan Ost“ nur eine „großflächigere und bürokratisiertere“ Form des Kolonialismus, wie wir ihn von Amerika, Australien und Afrika her kennen. Man muss nicht extra darauf hinweisen, dass diese „Theorie“ nur die akademisch aufgemotzte Fassung jenes revisionistischen Stammtisch-Arguments ist, das immer wieder gegen die „Siegerjustiz“ nach dem Zweiten Weltkrieg vorgebracht wurde und wird: Warum stehen nur wir am Pranger? Was ist mit den Indianern?

Zimmerer macht den Zusammenhang explizit: „Deutsch-Südwestafrika scheint mir das Verbindungsglied zu sein zwischen der kolonialen Gewalt- und Vernichtungsgeschichte und der deutschen Geschichte und letztendlich dem Nationalsozialismus. Es ist aber über die Mordpolitik hinaus auch bedeutsam als Schauplatz des ersten deutschen Experiments mit dem Rassenstaat. Beides ist Ausdruck eines radikalen Kolonialismus und Beleg dafür, dass Deutschland in dieser Hinsicht den Anschluss an den europäischen Kolonialismus geschafft hatte. Die Radikalität begründet sich zum nicht geringen Teil gerade aus dem Versuch, aufzuholen, es ‚besser‘ zu machen als die anderen. In diesem Sinne war die nationalsozialistische Besatzungs- und Ausbeutungsplanung ein zweiter Versuch.“

Hier wird explizit Geschichtsfälschung in exkulpatorischer Absicht betrieben. Es gab in der Tat deutsche Kolonisatoren (hier mag stellvertretend für viele Gustav Nachtigal stehen), die es „besser machen wollten“ als die anderen europäischen Mächte, humaner, dem eigenen zivilisatorischen Anspruch gemäß; es gehört zu den bis heute fortwirkenden Legenden deutscher Geschichte, dass dies gelungen sei. Den Massenmord an den Herero und Nama jedoch als Beleg für dieses Bessermachen und für den „Anschluss“ an den Standard des europäischen Kolonialismus jener Zeit hinzustellen, ist reine Demagogie.

Von den Herero zu den Juden oder: Wie man Ursache und Wirkung verdreht

Simple Exkulpation ist die Behauptung, der Mord an den Herero und Nama sei ein Vorbild für den Holocaust. Denn die Herero und Nama hatten den Aufstand gewagt, und der Genozid war eine Strafmaßnahme. Nicht, dass sie in irgendeiner Weise gerechtfertigt gewesen wäre; aber es gab keinen Aufstand der Juden, den es niederzuschlagen galt; jedenfalls nicht, bevor der Massenmord begonnen hatte. Der Aufstand der Herero wurde genozidal niedergeschlagen; der Genozid an den Juden führte erst zu Aufständen wie im Warschauer Ghetto. Das ist keine triviale Unterscheidung, wenn es um Verständnis geht.

Zimmerer meint: „Der postkoloniale Ansatz erklärt nicht – und will es auch gar nicht –, warum die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, sondern fragt nach den Vorbildern und Anregungen, auf die sie zurückgreifen konnten, nachdem die Entscheidung für einen neuen Versuch mit Kolonialismus gefallen war.“ Schon klar. Der Generalplan Ost also, der die Vernichtung der slawischen Intelligenz und die Reduzierung der Restbevölkerung zu ungebildeten Sklavenarbeitern vorsah, wäre demzufolge jener „zweite Versuch“, von dem oben die Rede war.

Das ist so falsch, dass es fast schon wieder richtig ist. „Der russische Raum ist unser Indien, und wie die Engländer es mit einer Handvoll Menschen beherrschen, so werden wir diesen unseren Kolonialraum regieren“, sagte Hitler am 17. September 1941 im Führerhauptquartier, und die Gespräche über die Zukunft des Ostens drehen sich alle um diesen Vergleich und die Schlüsse, die Hitler aus ihm zieht.

Bezeichnenderweise spielt aber die deutsche Erfahrung in Afrika für ihn überhaupt keine Rolle, außer in der expliziten Abgrenzung: „Wir dürfen es nicht so machen wie vor dem Krieg in den Kolonien, wo neben der deutschen Kolonial-Gesellschaft eigentlich nur kapitalistische Interessen am Werk waren.“ (Ebenfalls 17.9.41)

Klar ist, dass Hitler die britische Herrschaft in Indien völlig missverstand. Weder haben die Briten die indische intellektuelle Schicht ausgerottet – im Gegenteil, viele Inder besuchten britische Universitäten, wurden – wie etwa Gandhi – Rechtsanwälte und bekleideten in der Verwaltung Indiens und anderer Kolonien wie Südafrika wichtige Funktionen. Noch haben sie in Indien eine Klasse von Heloten schaffen wollen. Im Gegenteil. Die Briten standen immer im Konflikt mit dem Kastensystem – einer Reaktion der Hindus auf den muslimischen Imperialismus, der dem europäischen voranging – , das sie gleichwohl nicht abzuschaffen sich getrauten. Die britische Herrschaft beruhte nicht auf Mord und Totschlag, sondern auf der Kooptation eines nicht unbedeutenden Teils der indischen Elite, nicht zuletzt mit dem ernst gemeinten Versprechen von Fortschritt und – irgendwann – Selbstverwaltung als „Dominion“.

Der Nationalsozialismus als Auswuchs des Antiimperialismus

Kurzum, was Hitler und andere Nationalsozialisten inspirierte, war nicht der Kolonialismus (schon gar nicht der deutsche), sondern eine Karikatur des Kolonialismus, wie sie ihn antibritischen und antisemitischen Hetzschriften entnommen hatten. (Benjamin Disraeli galt ihnen als der Architekt dieses Imperiums.) Mit einem Wort: Was die Nationalsozialisten inspirierte, war nicht der Imperialismus, sondern der Antiimperialismus.
imperialismus  ns:imperium  holocaust  kolonialismus  juergenzimmerer 
july 2017 by MicrowebOrg

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