bildungsforschung   31

Hochschul-Zulassung: Der Test-Papst | ZEIT ONLINE
Trost liebt die Ordnung; Messen, Kategorisieren, Gewichten – das sind die Aufgaben, denen er sich verschrieben hat. Nur dass er nicht die äußere Welt abmisst, sondern die innere. Wie intelligent ist ein Mensch? Welche Begabungen hat er? Welches Potenzial steckt in ihm? Nicht nur Unternehmen würden ihren Bewerbern am liebsten in den Kopf gucken, bevor sie sie einstellen. Seit die Hochschulen 60 Prozent ihrer Studenten selbst auswählen dürfen, suchen auch sie nach Instrumenten, um die Besten zu erkennen und mögliche Abbrecher rechtzeitig auszusieben.

Die meisten landen auf dieser Suche schnell in der strahlend weißen Fabrikantenvilla im beschaulichen Bonn-Bad Godesberg bei Trosts Firma ITB Consulting. Trost ist so etwas wie der Vater der Studieneignungstests in Deutschland. Mit seiner Hilfe wählt die Bucerius Law School in Hamburg ihre Studenten aus, ebenso die Universität St. Gallen oder die Otto Beisheim School of Management in Koblenz.

Begonnen hat alles in Jahren ideologischer Schlachten. Es waren turbulente Zeiten Anfang der Siebziger, als sich die deutschen Universitäten für die Massen öffneten und die Studenten zum Dank protestierten. Die Studienstiftung des Deutschen Volkes sollte ihre Förderung für die Elite ausweiten, die damals noch nicht so heißen durfte. Aber vielen Vertrauensdozenten verging angesichts von Stipendiaten wie Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof die Lust, neue vorzuschlagen. Gleichzeitig fürchtete man im Vorstand der Stiftung, linke Professoren könnten rote Seilschaften mit ihren Stipendiaten aufbauen. Auf der Suche nach einem neutralen Auswahlverfahren schickte der Generalsekretär Hartmut Rahn den jungen Stipendiaten Trost in die USA. Der sah sich die Auswahlverfahren an den dortigen Universitäten an und brachte die Grundlagen für einen Studieneignungstest nach Deutschland – die Geburtsstunde des Instituts für Test- und Begabungsforschung (ITB).

Was 1971 unter dem Dach der Studienstiftung seinen Anfang fand, ist zu einem Betrieb mit 21 Mitarbeitern angewachsen. Seit 1992 ist ITB Consulting eine eigenständige GmbH.

Anders als etwa beim Pisa-Test soll nicht der Bildungsstand ermittelt werden, sondern das Potenzial eines jungen Menschen. Am Ende sortiere er nicht nach geeignet und ungeeignet, betont Trost. Das Ergebnis sei lediglich eine Rangfolge der Bewerber.

Aber darf ein Multiple-Choice-Test, bei dem die Kandidaten Zahlenreihen fortsetzen und Muster aus Quadraten, Kreisen und Dreiecken erschließen, über die berufliche Zukunft von jungen Menschen entscheiden? Die Vorbehalte gegen das Verfahren sind heute dieselben wie damals bei der Einführung des Medizinertests; er entwerte das Abitur, begünstige die Streber und lasse keinen Raum für die Unangepassten. Wer mit schulischen Lernformen gut zurechtkomme, formelle Aufgaben nach Schema löse und Zeitdruck gut ertrage, der schneide auch beim Test gut ab. Tatsächlich zeigen die Erfahrungen mit dem Medizinertest, dass eine Kombination aus Test und Abiturnote den Studienerfolg am besten vorhersagen kann. Doch wer gut studieren kann, muss noch lange kein guter Arzt sein. »Stimmt«, sagt Trost. »Aber wer das Studium nicht meistert, mag der geborene Arzt sein – er wird seinen Beruf nicht ausüben können.«
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august 2016 by MicrowebOrg
Hochschul-Zulassung: Der Test-Papst | ZEIT ONLINE
Gründer des ersten test-Instituts ("Begabungsforschung", 1971)

Trost liebt die Ordnung; Messen, Kategorisieren, Gewichten – das sind die Aufgaben, denen er sich verschrieben hat. Nur dass er nicht die äußere Welt abmisst, sondern die innere. Wie intelligent ist ein Mensch? Welche Begabungen hat er? Welches Potenzial steckt in ihm? Nicht nur Unternehmen würden ihren Bewerbern am liebsten in den Kopf gucken, bevor sie sie einstellen. Seit die Hochschulen 60 Prozent ihrer Studenten selbst auswählen dürfen, suchen auch sie nach Instrumenten, um die Besten zu erkennen und mögliche Abbrecher rechtzeitig auszusieben.

Die meisten landen auf dieser Suche schnell in der strahlend weißen Fabrikantenvilla im beschaulichen Bonn-Bad Godesberg bei Trosts Firma ITB Consulting. Trost ist so etwas wie der Vater der Studieneignungstests in Deutschland. Mit seiner Hilfe wählt die Bucerius Law School in Hamburg ihre Studenten aus, ebenso die Universität St. Gallen oder die Otto Beisheim School of Management in Koblenz. Lange hat sich für das Thema in Deutschland kaum jemand interessiert. Die ZVS vergab die Plätze nach Abischnitt und Wartezeit. Erst seit die Hochschulen verstärkt miteinander konkurrieren, versuchen sie auch, über die Auswahl der Studenten ihr Profil zu schärfen.
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august 2016 by MicrowebOrg
DGFE: Ethik-Rat | Ethikkodex
Der Ethikkodex der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft "formuliert einen Konsens über ethisches Handeln innerhalb der professionellen und organisierten Erziehungswissenschaft in Deutschland respektive für die Mitglieder der DGfE. Er dient dazu, für ethische Probleme in Theorie und Praxis der Erziehungswissenschaft zu sensibilisieren und die Mitglieder der DGfE zu ermutigen, ihr eigenes berufliches Handeln kritisch zu reflektieren." Sollte man wenigstens mal gelesen haben.
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january 2016 by Silkesforschung
Evaluation – ein Überblick von Helmut Kromrey
Sehr guter Artikel zum Thema Evaluation von Prof. Kromrey. Deutlich verständlicher als das "dicke rote Buch".
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september 2015 by Silkesforschung
Blended Learning für gering qualifizierte Lerner? // Grotlüschen // 2006
Anke Grotlüschen ist eine Kapazität auf dem Gebiet der Forschung über Geringqualifizierte und funktionale Analphabeten. Sie war auch an der leo.level one Studie beteiligt, die erstmals das Ausmaß des funktionalen Analphabetismus in Deutschland beziffert hat. Hier schreibt sie über die Hürden, die zwischen Geringqualifizierten und Blended Learning-Angeboten stehen. "Erstens ist der Besitz digitaler Medien und Zugänge nach Bildungsstand und Einkommen unterschiedlich und zweitens ist die Nutzung digitaler Lernszenarien von diesen Faktoren abhängig: es entsteht eine digitale Diskriminierung. Die Bildungsschere wiederholt und verschärft sich bei der digitalen Beteiligung der Bevölkerung" (Seite 4).
Geringqualifizierte  Grotlüschen  Erwachsenenbildung  Bildung  Bildungsforschung  soziale_Ungleichheit  Digital_Divide 
may 2015 by Silkesforschung
Auf der Suche nach Determinanten des Studienerfolgs – eine Metaanalyse // Rolf Schulmeister // 2013
"In der Zeitbudget-Studie wurde festgestellt, dass die mittlere Zeit, die Studierende in das Studium investieren, bei einem Median von 23 Stunden pro Woche lag, wobei es Studiengänge bzw. Kohorten gab, die weniger oder mehr Zeit aufbrachten (die meisten lagen zwischen 21 und 27). Bedeutsam war die hohe interindividuelle und individuelle Varianz der Zeitallokation, d. h. die Streuung der individuellen Zeitdaten zwischen 8 Stunden und 69 Stunden pro Woche, wobei die Zeit, die Studierende für das Lernen aufbrachten, nicht mit ihren Prüfungsergebnissen korrelieren (s. Schulmeister 2011)"
Studium  Studie  Hochschullehre  Didaktik  Bildungsforschung 
may 2015 by Silkesforschung
www.qualitative-research.net
Selbstvorstellung: "FQS ist eine dreisprachige Online-Zeitschrift für qualitative Sozialforschung. Schwerpunktausgaben erscheinen dreimal jährlich und behandeln für qualitative Forschung wesentliche Themengebiete. Hinzu kommen ausgewählte Einzelbeiträge und Beiträge in den Rubriken FQS-Reviews, FQS-Debatten, FQS-Tagungen und FQS-Interviews, die unmittelbar nach Abschluss des Peer Review veröffentlicht werden. In FQS als Open-Access-Zeitschrift sind alle Artikel kostenlos als PDF- und als HTML-Dateien abrufbar." Großartige Fundgrube für Studien, Berichte, Methoden...
Fachzeitschrift  Qualitative_Sozialforschung  Methoden  wissenschaftliches_Arbeiten  Studie  Bildungsforschung 
march 2015 by Silkesforschung
Evaluation als modernes Ritual
Die Soziologin Christine Schwarz wettert in diesem Vortrag gegen den Evaluationswahn im Bildungswesen. Extrem unterhaltsam! Meine Lieblingszitate: "Bürokratische Subsysteme formierten sich stets neu zu einem Dschungel von – weder intern noch extern – überschaubaren bürokratischen Entscheidungs-Vertagungs-Prozessen (EVP)." (S. 4) "Zeremoniell wird Evaluation, weil man sich fragen muss, was der Nutzen ist, der den vielen Aufwand rechtfertigen könnte." (S. 4) "Die hier zu Tage geförderte Verselbständigung bürokratischer Prüfverfahren erinnert stark an Max Webers Horrorszenario vom „stahlharten Gehäuse“ (Weber 1920: 203, 1958) der Hörigkeit unter das Kosten-Nutzen-Optimierungsprinzip." (S. 5)
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march 2015 by Silkesforschung
Bundesbildungsbericht: Jeder fünfte Schüler hat keine Chance
Schlechtes Zeugnis für die Bildungsrepublik: Ein neuer Bericht dokumentiert zwar einige Fortschritte an Schulen und Unis, doch viele Kinder können vom Aufstieg nur träumen. "Es bleibt ein stabiler Sockel der Abgehängten", warnen die Autoren der Studie.
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june 2012 by Cervus
Nach dem Pisa-Schock: Zehn Jahre Wirrwarr
Schul-Chaos, Zuständigkeits-Durcheinander, zersplitterte Lehrerbildung: Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock geht es im deutschen Bildungssystem drunter und drüber. Eltern fürchten um die Zukunft ihrer Kinder - und weichen zunehmend auf Privatschulen aus.
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december 2011 by Cervus
edumeres.net: Home
Edumeres.net, das virtuelle Netzwerk für die internationale Bildungsmedienforschung, bietet neben klassischen Informations-, Publikations- und Recherchezugängen eine nutzerorientierte Arbeits- und Forschungsumgebung an. Über diesen Zugang können auf kollaborativen Wegen neue Forschungsfragen generiert und diskutiert sowie abschließend als Open Access-Publikationen nachhaltig und zitierfähig gesichert werden.
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september 2011 by Cervus
Emse-Netzwerk :: Main / HomePage
Das Netzwerk zur empiriegestützten Schulentwicklung „EMSE“ besteht seit 2004.
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july 2011 by sewenz
Schule: "Schlichte Utopie" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
Der Bildungsforscher Jürgen Baumert über fehlende Förderung für Schüler, unnütze Forderungen von Eltern und die Zwei-Klassen-Gesellschaft der Lehrer.
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june 2010 by sewenz

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