Kulturflatrate   182

« earlier    

Netzpolitik - Grüne präsentieren Zahlen zur Kulturflatrate - Digital - Süddeutsche.de
via Pocket - Grüne präsentieren Zahlen zur Kulturflatrate - Added March 08, 2013 at 02:24PM – Pünktlich zum Bundestagswahlkampf bringen die Grünen die Kulturflatrate wieder ins Spiel. Ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten nennt erstmals Zahlen, wie teuer eine solche Flatrate für den Bürger werden könnte. Sie ist eine alte Bekannte.
IFTTT  Pocket  acs  kulturflatrate  twitterfavs  urheberrecht 
march 2013 by ckatzenbach
ak 572: Tatort als Karstadt des Kulturbetriebs
Nicht erst seit sich der Element-of-Crime-Sänger Sven Regener im Bayrischen Rundfunk über die Mitnahmementalität der Jugend Ende März 2012 aufgeregt hat, sind Internettauschbörsen, die Qualität von Kultur und das prekäre Dasein von KünsterInnen Thema. Seit den Wahlerfolgen der Piratenpartei sind Internet und Urheberrecht Dauerthema und die Debatte wird hitzig geführt - eigentlich wichtige Fragen gehen dabei schnell unter. Darüber sprach ak mit dem Künstler und Literaturwissenschaftler Florian Cramer.
urheberrecht  linke  kulturflatrate 
may 2012 by Charlym
Kanadische Songwriter für Filesharing | Telepolis
Der Verband Songwriters Association of Canada (SAC) beherbergt unter seinem Dach über 1.500 Musikurheber, darunter auch Bryan Adams, Randy Bachman Eddie Schwartz und Carole Pope. Anders als die deutsche Verwertungsgesellschaft Gema oder der US-amerikanische Musikindustrieverband RIAA positioniert sich die SAC nicht gegen, sondern für Filesharing. Das ist dem Verband zufolge sowohl für Konsumenten als auch für Musikurheber von Vorteil, weil es Zugang zu einer Vielzahl von Werken bietet, die Verwerter außen vor lassen, und so das Weiterempfehlen und Neuentdecken und von Musik maßgeblich fördert.
musik  Urheberrecht  kulturflatrate 
january 2012 by Charlym
Urheberrecht – Kontrollieren, was nicht zu kontrollieren ist?
Kulturflatrate, Leistungsschutzrecht oder Three Strikes-Modell – das Urheberrecht hat viele Facetten und wird kontrovers diskutiert. Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse hat erst gestern der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Standpunkt der Verwerter deutlich gemacht. Die Linke diskutierte am Montag in einem öffentlichen Fachgespräch hingegen über Alternativen.

Am Anfang des Abends stand ein Gedankenexperiment: ein Zeitreisender aus den frühen 1960er Jahren befindet sich auf Entdeckungstour durch die Welt des 21. Jahrhunderts mit allen Möglichkeiten mobiler Kommunikation. Aus der Lebenswelt des Zeitreisenden und noch viel weiter zurückliegenden Abschnitten der Geschichte stammen auch große Teile des geltenden Urheberrechts. Der Online-Journalist und Mitgründer des Urheberrechtsblogs irights.info Matthias Spielkamp zitierte auf der von der Linken am Montag ausgerichteten Veranstaltung den britischen Science Fiction- und Fantasy-Autoren Carles Stross. Mit dessen Gedankenexperiment wollte Spielkamp zeigen, dass das Urheberrecht von damals nicht für die technischen Voraussetzungen von heute konzipiert worden ist. Man müsse darüber hinaus zur Kenntnis nehmen, dass es sich hierbei nicht nur um einen technischen Wandel handele, sondern auch um einen „von Technologie getriebenen gesellschaftlichen Wandel ungeheuren Ausmaßes“. Diesen neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müsse sich das Recht anpassen. Am Beispiel eines auf Facebook eingestellten Videos verdeutlichte er die Komplexität des Urheberrechts: So kann es beispielsweise einen urheberrechtlichen Unterschied machen, welchem Personenkreis das hochgeladene Video präsentiert wird. Wenn das Video lediglich dem engsten Freundeskreis gezeigt wird, liegt kein Urheberrechtsverstoß vor. Dürfen hingegen alle Nutzer frei auf das Video zugreifen, kann von einer öffentlichen Sphäre gesprochen werden – dann könnte es sich bereits um einen Urheberrechtsverstoß handeln. Das Recht könne daher nicht technikneutral gestaltet sein und ohne gesellschaftliche Anerkennung auf Dauer nicht bestehen.

Das „Stuttgarter Urteil“ im Hinterkopf

Diese Fragen diskutierten Oliver Hinte vom Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft sowie Arne Upmeier, Leiter der Rechtskommission des deutschen Bibliotheksverbandes und Jurist an der TU Ilmenau. „Die Gewichte haben sich verschoben. In den letzten Jahren gab es eine Machtverschiebung hin zu den Urheberrechtshaltern“, stellte Upmeier fest. In der analogen Welt habe der Erschöpfungsgrundsatz kaum eine Rolle gespielt. Was der Nutzer mit einem musikalischen, filmischen oder literarischen Werk angefangen hat, war urheberrechtlich relativ uninteressant. Doch mit der Digitalisierung ergaben sich ungeahnte neue Vervielfältigungsmöglichkeiten – womit die Problematik der Urheberrechtsverletzung erhöhte Aufmerksamkeit erfuhr. Upmeier kam dabei inbesondere auf die Frage zu sprechen, wie mit verwaisten und vergriffenen Werken umzugehen sei. Für verwaiste Werke, deren Urheber nicht mehr auffindbar sind, schlug er die Gründung eines Entschädigungsfonds aus staatlichen Mitteln vor. Fall sich der Urheber nachträglich doch noch melde, könne er aus diesem Topf eine Entschädigung erhalten. Laut Einschätzung von Oliver Hinte könne die Bestandssumme des Entschädigungsfonds gering gehalten werden, da er die Zahl der Urheber bzw. Urheberrechtshalter, die sich nachträglich melden würden, für überschaubar hält. Arne Upmeier verwies darauf, dass eine Digitalisierung bei vergriffenen Werken einer Enteignung nahe käme, weshalb bei diesem Szenario über Entschädigungen für Rechteinhaber nachgedacht werden müsse. Oberstes Ziel müsse nach Meinung von Oliver Hinte die digitale Nutzbarkeit wichtiger kultureller Güter für alle sein. Deshalb plädiert er für die sogenannte Opt out-Regelung. Die Digitalisierung eines Werks solle dem Urheber angekündigt werden, und dieser solle eine Einspruchsmöglichkeit erhalten. Mache er davon nicht Gebrauch, könnte die Digitalisierung vollzogen werden.

Oliver Hinte kritisierte auch Teile der derzeitigen Schrankenregelungen für den wissenschaftlichen Betrieb. So können beispielsweise Angebote, die über elektronische Leseplätze zur Verfügung gestellt werden, nicht von außerhalb der Bibliotheken genutzt werden. In Zeiten überfüllter Hörsäle und Bibliotheken sei dies jedoch nicht praktikabel. Hinte sprach sich daher für eine Novellierung der entsprechenden Vorschriften aus. In diesem Zusammenhang sei auch das jüngst vom Stuttgarter Landgericht ausgesprochene Urheberrechtsurteil nicht nachvollziehbar. Der Alfred Kröner Verlag hatte die Fernuniversität Hagen wegen einer zu umfangreichen Bereitstellung eines von ihm vertriebenen geschützten Buches im internen Hochschulnetz verklagt. Das Gericht hatte sich letztlich dazu entschieden, nur zehn Prozent zur kostenfreien Verbreitung an Studierende zuzulassen. „Leider gibt es hier immer wieder lediglich Einzelfallentscheidungen der Gerichte anstelle konkreter Vorgaben durch den Gesetzgeber“, monierte Hinte im Gespräch mit politik-digital.de. Paragraph 52a des Urheberrechts, der den Zugang für Unterricht und Forschung regeln soll, bleibt sehr vage. Demnach dürfen „kleine Teile“ eines Werkes zugänglich gemacht werden. Im täglichen Studienbetrieb sei dies wenig nützlich. Daher fordert Hinte, dass sämtliche Werke „im kompletten Umfang für Forschung und Lehre zur Verfügung gestellt werden“. Gleichwohl sei eine angemessene Vergütung für Verlage und Urheber wichtig. Einzelabrechnungen seien dafür jedoch keine praktikable Lösung.

Arne Upmeier hält die derzeitigen Beschränkungen schlicht für gescheitert. Bibliotheken seien deshalb mit der Digitalisierung von Medien sehr zurückhaltend. Zumal Paragraph 52a sogar nur bis Ende 2012 befristet ist, denn „der Gesetzgeber wollte den Verlagen nicht weh tun.“ Mit einem Zweitverwertungsrecht könnten die Urheber ihre Werke  nach einer Erstverwertung durch einen Verlag bzw. eine Verwertungsgesellschaft selbst anderweitig vermarkten. Im Rahmen der Verwertungsbedatte wird auch immer wieder über die Länge einer Embargofrist, in der eine solche Zweitverwertung noch blockiert werden könnte, diskutiert. Während Oliver Hinte die Frist auf maximal ein halbes Jahr beschränken will, sprach sich Upmeier grundsätzlich gegen Embargofristen aus. Er brachte zudem die Möglichkeit ins Gespräch, die Vergabe von Forschungsmitteln an die kostenfreie und öffentliche Bereitstellung der Forschungsergebnisse zu knüpfen. Im Gespräch mit politik-digital.de bewertete Hinte diesen Vorschlag differenziert. Einerseits müssten sich Wissenschaftler auf die Freiheit der Forschung berufen und damit selbst über die Publikation ihrer Ergebnisse entscheiden können, andererseits sollten drittmittelfinanzierte Projekte zur kostenfrei zugänglichen Publikation verpflichtet werden.

Geistiges Eigentum oder doch eher Wert der Kreativität?

Kontrovers diskutiert wurde am Montag auch der Begriff des geistigen Eigentums. Olaf Zimmermann vom deutschen Kulturrat gab zu bedenken, dass die Frage nach der Rolle eines Akteurs im Kultursektor „gar nicht so einfach zu beantworten“ sei. Wer Produzent, Nutzer oder Verwerter ist, sei nicht immer klar ersichtlich, da die Strukturen häufig sehr  kleinteilig seien. Der Gegensatz zwischen „bösen großen Vermarktern und kleinem armen Künstler“ dürfe daher nicht verallgemeinert werden. Zudem wecke der Begriff des geistigen Eigentums unterschiedliche Assoziationen, weshalb er lieber vom einem „zu schützenden Wert der Kreativität“ sprechen wolle. In seiner Rolle als Filmemacher und Produzent beschwor Cay Wesnigk leidenschaftlich die Bedeutung der Verwertungsgesellschaften. Die Nutzung kultureller Güter solle Geld kosten – einen freien Zugang auf Kosten der Urheber dürfe es nicht geben. Professor Artur-Axel Wandtke von der Berliner Humboldt-Universität sieht den Begriff des geistigen Eigentums in der Netzwelt in Auflösung begriffen. Die Entscheidungsfreiheit über den  freien oder vergüteten Zugang zu einem Werk müsse der Urheber auch weiterhin genießen. Autor und Musikproduzent Tim Renner sieht in der Debatte um das Urheberrecht einen Versuch, etwas zu kontrollieren, was nicht zu kontrollieren sei. Ein Gestaltungs- und Kontrollrecht sei im Internet nicht einklagbar. „Wir können den Wunsch des Nutzers, mit unseren Werken zu experimentieren, nicht übergehen“, antwortete er auf die Frage nach der urheberrechtlichen Zulässigkeit von Mashups und und anderen technischen Möglichkeiten des Eingriffs in ein Werk. Dennoch hält auch er die Schaffung funktionierender Vergütungsstrukturen für essentiell.

Beim Thema Vergütung wurden unterschiedliche Positionen vertreten und diskutiert. Während sich Professor Wandtke gegen eine Kulturflaterate aussprach und für Möglichkeiten individueller Abrechnungsmöglichkeiten votierte, beklagte Cay Wesnigk die Untätigkeit des Gesetzgebers, der „schon längst eine entsprechende Infrastruktur“ hätte schaffen sollen. Er brachte das Modell einer Haushaltsabgabe, die der Branche der Kulutrschaffenden jährlich insgesamt eine Milliarde in die Kassen spülen könnte, in die Debatte ein. Im Gegenzug solle dann aber auch die kostenfreie Publikation sämtlicher Werke im Netz gewährleistet werden. Tim Renner ergänzte, dass Menschen durchaus bereit seien, für vollständige und qualitativ hochwertige Angebote zu zahlen. Für staatliche Regulierungsaktionen wie jüngst in Frankreich zeigt er jedoch kein Verständnis. Die in Deutschland von Siegfried Kauder ins Gespräch gebrachte „Three Srikes“-Lösung werde nicht zum Schutz der Urheber beitragen.

Und wie stehen die großen Verwertungsgesellschaften zu einer potenziellen Reform des Urheberrechts? Leider war kein großer Verlagsvertreter zum Fachgespräch eingeladen worden, so dass die selbst gestellte Vorgabe der Linken, einen Dialog unter Einbeziehung aller Interessen zu … [more]
Artikel  Die_Linke  geistiges_Eigentum  Kulturflatrate  Leistungsschutzrecht  Matthias_Spielkamp  Thierry_Chervel  Three-Strikes  Urheberrecht  from google
october 2011 by schmitz
Vorschlag zum Besseren – die Tauschlizenz
Dies ist die Kurzfassung einer Replik von Volker Grassmuck auf den Vorschlag des Chaos Computer Club, als eine Lösung der Urheberrechtsfrage eine Kulturwertmark einzuführen. Die lange Fassung findet sich hier als 60-seitige PDF.

Ende April stellte der Chaos Computer Club (CCC) ein Vergütungsmodell für Kreative vor, die Kulturwertmark (KWM). Zunächst was mir daran gefällt: Urheber und Publikum werden ins Zentrum des Modells gestellt. Ebenfalls zu begrüßen ist, dass Deutschlands Hacker-Club sich in die Debatte ums Urheberrecht einschaltet. Nicht so gut gefällt mir, dass er das nicht in seiner Kernkompetenz tut, sondern sich auf dünnes Eis begibt. Vor allem hat mich enttäuscht, dass das Papier offensichtlich als Reaktion auf die Kultur-Flatrate formuliert ist, es zu dieser aber nichts zu sagen weiß, als “Komplettüberwachung des Netzes, um korrekte Downloadzahlen … zu ermitteln.” Genau zu der Frage: Erhebung der Downloadzahlen, hätte ich mir vom CCC kreativere, konstruktivere Beiträge gewünscht.

Tatsächlich unterscheiden sich die Kultur-Flatrate – für die ich den in Brasilien geprägten Namen “Tauschlizenz” vorziehe – und die KWM im Grundsatz nicht. Beide sehen eine gesetzliche Erlaubnis zum privaten, nichtkommerziellen Tauschen und Mixen vor. Dafür bekommen Urheber und Künstler von allen Breitband-Internet-Nutzern eine Vergütung. Beide Modelle nehmen eine – noch näher zu bestimmende – Vergütungshöhe von monatlich € 5,- an, was einen Gesamtbetrag von € 1,5 Milliarden pro Jahr ergibt.

Wie dieser Topf ausgeschüttet werden soll, darin liegt der größte Unterschied. Üblich ist bei dieser Art von kollektiv verwalteter Umverteilung, dass der individuelle Anteil im Verhältnis stehen soll zur tatsächlichen Nutzung der eigenen Werke. Die wird z.B. über Abspiellisten von Radiostationen und Clubs erhoben. In der digitalen Welt geht das natürlich viel einfacher und genauer. Der CCC lehnt diese Verfahren ab, vor allem, weil man die real-existierenden Urheberkollektive, allen voran die GEMA, tatsächlich nur ablehnen kann. Stattdessen schlägt er vor, den Zahlungspflichtigen ihre € 5,- in Form einer Mikrowährung zurückzugeben. Jede Einzelne kann sie dann an Songs, Podcasts, Fotos usw. verteilen, die ihr gefallen haben.

Ich bin überzeugt, dass eine Auszahlung im Verhältnis zur Popularität dem Gerechtigkeitssinn der allermeisten Kreativen ebenso wie dem des Publikums entspricht, vom Urheberrecht ganz zu schweigen. Die Verwertungsgesellschaften müssen grundlegend reformiert werden. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Sie zu ignorieren und – unsehenden Auges – eine neue aufzubauen, wie sich das der CCC vorstellt, ist nicht die Lösung. Ich halte eine individuelle, willkürliche, also nutzungsunabhängige Verteilung des Geldes für unplausibel. Andere sehen das anders. Wir werden nur wissen, ob diese Methode erfüllt, was sie leisten soll, wenn wir sie ausprobieren.

Daher schlage ich ein Pilotprojekt vor, in dem es vor allem um die Frage der Verteilungsgerechtigkeit gehen soll. Nach zehn Jahren Debatte über die Legalisierung des Tauschens und die vergeblichen, aber schädlichen Versuche es zu unterdrücken, ist es an der Zeit, das Modell endlich mal praktisch auszuprobieren.

Wer es genauer wissen will, kann das Ganze “in wissenschaftlich”, d.h. auf 60 Seiten, mit Fußnoten und mehr Quellen nachlesen auf vgrass.de.

Remix von Ideen

Dass es sich um einen “vollständig neuen Ansatz” handelt, kann nur behaupten, wer die vorliegenden Ansätze ignoriert. Tatsächlich baut die KWM unverkennbar auf der Kultur-Flatrate oder besser: Tauschlizenz auf und ergänzt sie um Ideen aus dem Street-Performer-Protocol, dem Blur/Banff-Proposal und Flattr. Dazu kommt – um dem Übel GEMA etwas entgegenzusetzen – eine Stiftung, die einerseits als Bank fungiert, die ein Mikrozahlungssystem betreibt, die Transaktionen zwischen Kreativen und Publikum vermittelt und Geld verleiht, und andererseits als Registrar, Repositorium und möglicherweise Bibliothek für die betroffenen Werke.

Dass es sich um ein Großprojekt, um einen formidablen neuen New Deal handelt, da sind wir uns wieder einig. Es geht um Grundlageninfrastruktur, eines der Betriebssyteme der digitalen Kommunikations- und Wissensgesellschaft. Soviel ist klar. Nur wie?

Den Krieg gegens Tauschen können nur Urheber & Publikum beenden

Privates Kopieren, Tauschen, Remixen sind keine Probleme, sondern Lösungen. Einen Krieg gegens private Kopieren hat es, zumindest in Kontinentaleuropa, nie gegeben. Gleich am Anfang des medientechnologischen Umbruchs wurde es für zulässig erklärt und mit einer pauschalen Vergütung für die Urheber belegt. Eine Vergütung für individuelle Nutzungen war nicht möglich, die Lösung logischerweise eine kollektive.

Spätestens seit Napster ist tendenziell alles, was an kreativen Werken je veröffentlicht worden ist, im Netz frei verfügbar. Heute tobt ein Krieg gegens Tauschen (siehe dazu z.B. Richard Stallman). HADOPI, DPI, COICA, PIPA, IPRED, ACTA, TPP, IIPA – das ist der Buchstabensalat der Repression, den es zu entschlüsseln gilt, wenn man verstehen will, wie nach den Plänen der Kulturindustrie die Zukunft von Kultur und Internet aussehen soll.

Ich hätte daher erwartet, dass das Ende des Kriegs gegens Tauschen zumindest eine der zentralen Fragen ist, die der CCC mit der KWM beantworten will. Doch außer der ambivalenten Aussage zu DRM (“wird sich nicht mehr durchgehend aufrechterhalten lassen”) und der äußerst vagen Hoffnung, durch die KWM eine Änderung des Urheberrechtsgesetzes zu bewirken (“die zivil- und strafrechtliche Verfolgung nicht-kommerziellen Filesharings wird eingestellt”) – und auch das nicht als erklärtes Ziel, sondern eher beiläufig –, findet sich dazu nichts.

Die Lösung um diesen Krieg zu beenden ist offensichtlich: Im Austausch für die gesetzliche Erlaubnis für das, was ohnehin geschieht, erhalten Urheber eine angemessene Vergütung. Diejenigen, denen das medientechnologische Glück des freien Austauschs zugute kommt, also wir alle Internet-Nutzer, zahlen einen pauschalen Betrag, der denen zugute kommt, die die kreativen Werke schaffen, die wir privat kopieren, tauschen und remixen. In dieser Zielvorgabe bin ich es mit dem CCC eins.

Übereinstimmung haben wir auch darin, dass Kreative und Publikum diese Lösung aushandeln und tragen sollen. Oft genug wird vorgeschlagen, das andere die Rechnung begleichen sollen: Werbetreibende, ISPs, Google, Apple, der Staat, – und dabei ausgeblendet, dass es in jedem Fall letztlich wir alle sind, als Internet-Nutzer, Konsumenten und Bürger, die bezahlen. Die Kulturnutzung wird ‘gefühlt kostenlos’, tatsächlich aber werden die Kosten unsichtbar eingebettet in den Preis von Produkten und Dienstleistungen. Effekt dieser Ausblendung: Sowohl Urheber wie Publikum bleiben außen vor, wenn z.B. Musiklabels und ISPs oder Mobiltelefonhersteller hinter verschlossenen Türen ihre Deals über die Verwertung von Gesamtkatalogen machen.

Im Gegensatz dazu treten bei der KWM und bei der Tauschlizenz diejenigen, die Musik, Filme, Texte usw. schaffen und die, die sie genießen, in einen kreativen Austausch (Philippe Aigrain) miteinander. Nur die beiden, Kreative und Publikum, können kollektiv einen tragfähigen neuen Gesellschaftsvertrag über die Kultur, in der wir leben wollen, miteinander aushandeln.

Angemessene Vergütung, fünf Euro im Monat und 1,5 Milliarden im Jahr

“Im Kern geht es um eine angemessene Entlohnung schöpferischer Tätigkeit im Ausgleich für den Zugang zu den daraus entstandenen Werken.” So definiert der CCC die Zielvorgabe für das KWM-System. Zugang gegen Entlohnung, das ist die Grundidee des Urheberrechts: Kreative schaffen Werke, um sie öffentlich zugänglich zu machen, auf dass ihr Publikum sich an ihnen erfreue. Doch einmal veröffentlicht, gibt es der Sache nach nichts, was verhindert, dass andere ihr Werk reproduzieren und ebenfalls öffentlich anbieten, was die Chance des Autors auf eine Entlohnung, wenn nicht zunichte macht, so doch arg schmälert. Wenn der Urheber keinen wirtschaftlichen Anreiz hat, kreativ zu sein, so die vorherrschende Logik, entstehen keine Werke, derer wir uns alle erfreuen können.

Die Antwort auf diese Herausforderung hat die Gesellschaft seit dem 18. Jahrhundert in einem Vertrag namens Urheberrecht formuliert. Der besagt: Die Gesellschaft spricht Kreativen ein zeitlich beschränktes Ausschlussrecht an ihren öffentlichen Werken zu. Oder in der Formulierung des Gesetzes: “Das Urheberrecht … dient … der Sicherung einer angemessenen Vergütung für die Nutzung des Werkes.” (§ 11 UrhG)

Klingt gut, aber was heißt “angemessen”? Eine naheliegende Vermutung ist, dass eine solche Vergütung eine Urheberin in die Lage versetzen muss, mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Kretschmer und Hardwick haben 2007 in der ersten umfassenden empirischen Studie zu Autoreneinnahmen in England und Deutschland festgestellt, dass das für die überwiegende Mehrheit der Kreativen nicht zutrifft und sich die Situation kontinuierlich verschlechtert.

Das Urheberrechtsziel der Angemessenheit richtet sich zunächst an den Verwerter (einen Verlag oder ein Musik-Label), der ein Werk vermarktet. Nun musste auch der Gesetzgeber immer wieder feststellen, dass sich der Urheber regelmäßig in einer schwächeren Verhandlungsposition gegenüber dem Verwerter befindet. Deshalb hat der deutsche Gesetzgeber 2002 die vertragliche Stellung des Urhebers gestärkt und ihm – eigentlich nur logisch, tatsächlich aber einzigartig in der weltweiten Urheberrechtsgeschichte – einen Anspruch auf angemessene Beteiligung an allen Nutzungen seines Werkes zugesprochen (§ 32 UrhG). Unangemessene Vergütungsvereinbarungen können nun nachträglich korrigiert werden. Auch der Bestsellerparagraph (§ 32a UrhG) ist gestärkt worden. Der Rechtsausschuss des Bundestages führt dazu im Januar 2002 aus: “Konkretisiert… [more]
Allgemein  Deutschland  Digital_Rights  Urheberrecht  ccc  kulturflatrate  kulturwertmark  kwm  tauschlizenz  from google
october 2011 by matthiasfromm

« earlier    

related tags

1&1  3strikes  _checkback  acs  akzeptanz  allgemein  analyse  antwort  application  ard  articles  artikel  artist  bagatellgrenze  barbara-kisseler  berlin  bernd-neumann  blogger  brigitte-zypries  bundesverband-der-musikindustrie  business  börsenverein-des-deutschen-buchhandels  bürgerrechte  cc  ccc  cdu  chaos_computer_club  clay-shirky  collaboratory  commentary  computerspiel  content-allianz  copyright  courtneylove  crowdfunding  csu  culture  dagegen  daniel-knöll  dave-berry  delicious  deutschland  die-linke  die_linke  diegrünen  dieter_gorny  digital_rights  diskussion  drm  enquete-kommission_internet_und_digitale_gesellschaft  eu  europa  evolution  fdp  fernsehen  filesharing  filmindustrie  flatrate  flattr  fotographie  freedom  geistiges-eigentum  geistiges_eigentum  geld  gema  german  geschäftsmodell  gesellschaft  gesetzgebung  gez  google  gordy-thomspon  grassmuck  gratiskultur  gründe  grüne  günter-krings  hans-joachim-otto  heise  helga_trüpel  holzdiebstahl  horst-seehofer  ifttt  ilja-braun  immaterialgüterrecht  indirekte-verwerter  industrie  industry  internet-tv  internet  internetsperren  interview  irights.info  jimmy-schulz  joost-smiers  journalismus  ju  junge-union  kai-hinrich  karl-marx  klaus-ernst  klientelpolitik  kommunismus  konstantin-von-notz  korb3  kostenlos-kultur  kreativwirtschaft  kultur  kulturflatrate  kulturgut  kulturstaatsminister  kulturtunke  kulturwertmark  kwm  künstler  leistungsschutz-einzugs-zentrale  leistungsschutzrecht  linke  lobbying  lobbyismus  malte-spitz  marieke-van-schijndel  martin-maria-krüger  mathias-döpfner  matthias_spielkamp  media-night  medienkonvergenz  medienpolitik  medienökonomie  meinungsfreiheit  michael-seemann  micropayment  mitschnitt  monopolrechte  motivation  mp3  music-industry  music  musicindustry  musik  musikindustrie  mäzentum  netzpolitik  netzwertig.com  onleihe  online  open-access  open-source  p2p  paidcontent  pauschalabgabe  paypal  peter-glaser  philipp-schindler  piracy  piratenpartei  pocket  politics  politik  privatkopie  pro  provider  rechteverwerter  recording  reform  regulierung  riaa  rights  rp10  rundfunk  sabine-leutheusser-schnarrenberger  saschalobo  schutzfrist  schutzrecht  schöpfungstheorie  socialmedia  spenden  spendenökonomie  staat  stefan-engeln  stefan-krempl  strafe  system  tauschlizenz  techdirt  thierry_chervel  think-tank  thinktank  thomas-dreier  three-strikes-out  three-strikes-verfahren  three-strikes  threestrikes  till-kreutzer  till-steffen  till_kreutzer  tim-renner  twitterfavs  urheberpersönlichkeitsrecht  urheberrecht  verbrechen  vergütung  vergütungsanspruch  verlage  verteilung  verwaiste-werke  verwertungsgesellschaften  vg-wort  volker_grassmuck  vprt  wettbewerbsrecht  widersprüchlichkeit  wirtschaft  wissensproduktion  zdf  zitatrecht  zwangsabgabe  Ör  öffentlich-rechtliche 

Copy this bookmark:



description:


tags: