Heimat   73

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Obdachloser über einen Kampfbegriff: „Heimat ist teilbar!“ - taz.de
Deutschland diskutiert über . Ich habe einen Obdachlosen gefragt was er von der Begriffsdebatte hält:
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5 weeks ago by karincita
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liegt ganz nah beim Sicherheitsbedürfnis. Pfefferspray und Dirndl im Schaufenster.
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5 weeks ago by karincita
Caroline Emcke -- Kolumne - Heimat - Politik - Süddeutsche.de
Home is where one starts from", beginnt ein Vers des Dichters T. S. Eliot in der Sammlung "Four Quartetts" -"Heimat ist das, wovon man ausgeht". Eliot fährt fort: "Wenn wir älter werden, / wird die Welt immer fremder, verworrener das Gefüge." Dass die Welt fremder und das Gefüge verworrener würde, empfinden manche in diesen Tagen, die Geflüchteten wie diejenigen, zu denen sie kommen. Was aber "Heimat" ist oder sein könnte in einer Einwanderungsgesellschaft, wie sicher oder unsicher, wie offen oder geschlossen, das ist weniger gewiss. Heimat ist das, wovon man ausgeht. Wovon geht man denn aus? Die naheliegende, vielleicht auch besonders intuitive Antwort wäre: von dort, woher man kommt. Je nachdem, von wem man gefragt wird, fällt die Auskunft, woher man kommt, großflächiger oder kleinteiliger aus. Es kann "Europa" sein (wenn jemand aus Asien fragt) oder ein Land (wenn jemand aus Europa fragt), "Deutschland", "Frankreich", "Polen", aber je näher der oder die Fragende einem rückt, je länger das Gespräch dauert, desto präziser und auch individueller wird das, was als "Heimat" ausgegeben wird.
Heimat - das sind auch all die Geschichten, die wir uns erzählen

Das, woher man kommt, ist zunächst eine Gegend, bald schon nur noch ein Kirschgarten oder ein Olivenhain, es ist der Blick auf diese Häuser mit den Schieferdächern oder jene Zeche mit den rostigen Türmen. Das, woher man kommt, sind die Gerüche oder Geräusche, die sich mit dieser Landschaft verbinden

Das, "wovon man ausgeht", lässt sich allerdings auch anders deuten. "Von etwas ausgehen" verweist auch auf das, was einem gewiss, was einem vertraut ist. Heimat als das, wovon man ausgeht, kann demnach auch das sein, was nicht permanent hinterfragt werden muss oder wo man selbst nicht dauernd hinterfragt wird. Sich nicht verleugnen zu müssen, sich nicht verkleiden zu müssen, sich nicht verteidigen zu müssen, ja, in gewisser Hinsicht nicht auffallen zu müssen, das ist für viele marginalisierte und stigmatisierte Menschen eine Erfahrung von Heimat, die sie nicht dort finden, wo sie herkommen. Für die, die nicht der Norm entsprechen, für die, die verspottet oder gedemütigt, die kriminalisiert oder pathologisiert werden, für die, die wie Fremde im eigenen Land behandelt werden, ist Heimat nichts, was gegeben ist. Im positiven Sinne unwichtig oder unauffällig sein zu dürfen, ist allzu oft ein Privileg, das nur denen zuteil wird, die als zugehörig oder gleich anerkannt werden. Heimat, verstanden als Möglichkeit, frei und selbstbestimmt leben, glauben, lieben zu können, kann etwas sein, das nicht von Anfang an da ist, sondern zu dem man aufbrechen muss. Heimat kann etwas sein, das erst hergestellt werden muss, nicht allein, sondern mit anderen zusammen.
heimat 
6 weeks ago by MicrowebOrg
Kommentar Grüner Heimatbegriff: „Wir“ und „die“ - taz.de
chon der Wahlkampf war von Themen und Tonfall der AfD bestimmt, und deren Einzug in den Bundestag hat die Fieberkurve des politischen Diskurses weiter nach oben getrieben. Alle Parteien sehen die Lösung darin, nationalistisches Vokabular zu übernehmen oder positiv umzudeuten. Nicht einmal die Grünen können da widerstehen und haben den Begriff der „Heimat“ für sich entdeckt.

Auf den ersten Blick mag das harmlos erscheinen, ist das Wort doch für viele Menschen positiv belegt. Heimat ist für sie ein Ort, den sie seit ihrer Kindheit kennen, der mit ihrer Biografie so untrennbar und vielschichtig verbunden ist, dass er wie ein Teil von ihnen ist und sie wie ein Teil von ihm. Ein Ort, an dem sie sich sicher fühlen, weil sie so selbstverständlich dorthin gehören, dass niemand ihre Zugehörigkeit infrage stellen kann. Ein Ort, der sie überallhin begleitet, zu dem sie jederzeit zurückkehren können.
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Andere hatten nie einen solchen Ort, oder sie haben ihn nicht mehr, weil sie ihn für immer verlassen mussten oder weil er nicht mehr existiert. Für diese Menschen ist das Beste, auf das sie hoffen können, ein Zuhause.

Wird Heimat zu einem politischen Begriff, wird es gefährlich, denn dann wird Heimat etwas, das durch die bedroht ist, die ein Zuhause suchen. Wenn der politische Heimatbegriff von einem konkreten Ort auf ein ganzes Land ausgedehnt wird, entsteht eine Nation, deren Mitgliedschaft durch Abstammung bestimmt ist. Die für niemanden ein Zuhause sein kann, für den sie nicht Heimat ist und die für niemanden Heimat werden kann, für den sie es nicht schon immer war.

Wer Heimat zu einem politischen Begriff macht, teilt die Bevölkerung eines Landes auf in die, die dazugehören, und die, die im besten Fall Gäste und im schlimmsten Fall Feinde, aber auf jeden Fall Fremde sind.
heimat 
6 weeks ago by MicrowebOrg
Porträt ǀ Grün mit dir! — der Freitag
und die Grünen, kein neues Thema. Ein Interview mit aus dem Jahr 2012:
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6 weeks ago by schmitz
Heimat. Ein Interview – Philippika
(sehr gut) #vhs-idee: ein "heimat"-workshop

Was ist für Sie Heimat?

Als Kind (oder mehr: Enkel) von Vertriebenen ist Heimat für mich vor allem ein Sehnsuchtsbegriff. Etwas, was weit weg ist, lange her ist und deshalb unerreichbar ist. Und gerade deshalb wunderschön und unrealistisch ist. Wie Bullerbü.

Kann man seine Heimat lieben?

Man muss sie lieben. Im Wort Heimat ist doch schon ganz viel Wärme und Liebe drin. Als ich in Dänemark studierte, lief der mehrteilige Film mit dem Titel „Heimat“, und der dänische Moderator bemühte sich, diesen sehr deutschen Begriff für seine Zuhörer zu übersetzen. Für uns Deutsche ist es eben nicht nur Liebe, sondern immer auch Schmerz und Sehnsucht. Heimat wird ja erst wirklich spürbar, wenn sie weg ist. Wenn man Heimweh hat. Noch so ein schönes Wort.

Nun wollen AfD und Konservative dieses Wort politisch besetzen, geht das?

Für Konservative ja gewissermaßen der Normalfall. Es soll so bleiben, wie es einmal war. Konservatismus ist ja eine Art historisches Heimweh. Die Zeit geht weiter, und lässt ein Deutschland hinter sich, in dem ich mich zurecht gefunden habe. Wo man mit zwei Groschen telefonieren konnte. Wo man ein Auto noch selbst reparieren konnte. Wo ein Dieb für eine Million noch einen großen Koffer brauchte und nicht zwei Mausklicks. In dem Deutschland heute ist vieles so unübersichtlich, Das macht unbehaglich und auch ein wenig heimwehkrank. Und dem darf man auch mal das Wort lassen. Aber wo ich mit Gewalt versuche, dahin zurückzukommen, wird es Fundamentalismus.
heimat  vhs:kurse  vhs:thema 
7 weeks ago by MicrowebOrg
Sechste Lesung: Heimat als "Ort des Ankommens" - Die Woche mit Frau Cresspahl
Heimat wird in den „Jahrestagen“ nicht nur als Ort der Herkunft verstanden, sondern auch als „Ort des Ankommens, den man findet, den man sich erwerben und aneignen kann“ – so der Germanist Norbert Mecklenburg.

Sie ist eine Türöffnerin, spielt mit der neuen Sprache, beschließt das Bleiben und protestiert gegen den Vietnam-Krieg. Aber sie will auch wissen, woher ihre Eltern und Großeltern stammen. Sie ist der Anlass, das Erinnerte zu erzählen. Vielleicht auch ein Zeichen des Ankommens.

Heimat in diesem doppelten Sinn, als Erinnern der Herkunft und Aneignung des neuen Heimatortest ist eines der zentralen Themen der „Jahrestage“. Nur wer Heimat ausschließlich mit Herkunft verknüpft, kann sie allein für die Herkommenden beanspruchen und sie den Ankommenden nicht gewähren wollen – gedanklich wie tatsächlich. Kann ausgrenzen, markieren und herabsetzen. Doch nicht einen Roman kann man in die Hand nehmen, kein Musikstück hören, keine Reise unternehmen, nicht eine Freundschaft pflegen, ohne zumindest eine Ahnung vom Glück einer Heimat des Ankommens zu haben. ( Birte Foerster)
heimat 
7 weeks ago by MicrowebOrg
sp schweiz (e.wyler) zu "heiumat" (2011)
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Was ist Heimat?

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Heimat ist dort, wo man keine Angst haben muss.

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Willi Ritschard

Das obige Zitat

stammt von unse

re

m Bundesrat Willi Ritschard.

Er meinte damit:

Heimat heisst, festen Boden unter den Füssen zu haben. Dass wir die Leute, die

Regeln und die Behörden kennen und uns auf sie verlassen können. Dass wir Vertrauen haben, dass wir alle bestmöglich geschützt sind vor Armut, Einsamkeit oder Verbrechen. Dass wir Vertrauen haben, dass unsere Schulen, Spitäler, Züge, Polizei, Arbeitslosenversicherung und AHV funktionieren und für uns da sind, unabhängig von unserer Lebenslage.
heimat  volk:heimat 
7 weeks ago by MicrowebOrg
Peter Pilz: Die Heimat, die er meint
Rund um die Heldentaten des wackeren Parlamentariers spinnt Pilz die Geschichte von der Heimat. Die geht in etwa so: Unsere Heimat ist die beste aller Welten. Sie ist aber nicht mehr das, was sie mal war, wird von innen und außen bedroht, muss deshalb beschützt und zu alter Größe zurückgeführt werden. Und zwar von – erraten – Peter Pilz.

Wo liegt die Heimat, die Pilz verteidigen will? Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Im Titel geht es um die „Heimat Österreich“. Doch immer wieder ist es nicht das kleine Österreich, sondern das große Europa, „die Heimat von Menschenrechten und Bürgerrechten “(S. 14), die verteidigt werden muss.

An anderer Stelle wiederum schrumpft die Heimat auf Gemeindegrenzen zusammen. Dann wird die Heimat zu Kapfenberg. Pilz ist in der obersteirischen Kleinstadt aufgewachsen und erinnert sich an die „Zuversicht“, die dort in den 1960er Jahren geherrscht hätte: „Das Leben wurde besser, auf der ganzen Welt, aber vor allem in Kapfenberg“ (S. 17). Bescheidener Wohlstand und „unaufhaltsamer Fortschritt“, ermöglicht durch die Stahlwerke der Firma Böhler, hätten Kapfenberg zum Nachkriegsparadies gemacht: „Es wurde viel gefeiert und getanzt“ (S. 18). Doch wenn er heute nach Hause fahre, komme Peter Pilz „in einer anderen Stadt an. Sicher, es wird wieder besser. Aber es ist nicht mehr so gut“. (S. 19).

Die nostalgische Verklärung des industriellen Aufschwungs der 1960er Jahre funktioniert aber nur durch Verdrängung. Pilz erwähnt natürlich die GastarbeiterInnen nicht, die auch in Kapfenberg die härtesten und undankbarsten Arbeiten übernommen hatten.

Kein Wort auch darüber, dass in seiner „Böhlerstadt“ Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes nicht arbeiten durften. Die Mischung aus „Sicherheit und Zuversicht“, an die Pilz sich erinnert, war das Privileg einer Minderheit. Seine Sehnsucht nach Kapfenberg ist wie die Darstellung Europas vor allem eines: Ein glänzender Mythos, in dem sich Seinesgleichen sonnen.

Dass Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl ist, ist nicht ungewöhnlich. Zum Problem wird das Heimatgefühl jedoch, wenn es von jeder Ambivalenz gesäubert und politisch eingesetzt wird. Dann wird die heimatliche Geborgenheit zum chauvinistischen Taumel, in dem alles Gute zu uns gehört, alles Böse den anderen zugeschrieben wird. Europa ist dann eben nur noch Heimat der Menschenrechte und Demokratie.

Dass es ebenso Heimat des Faschismus und des Kolonialismus ist, darf dann nicht erwähnt werden. Menschenrechte dienen in dieser Geschichte zur Abgrenzung von anderen. Dass etwa das Menschenrechte auf Asyl heute faktisch außer Kraft gesetzt wird und die Demokratie jene Millionen ausschließt, die hier leben und arbeiten, aber nicht wählen dürfen, wird verschwiegen.

Das Recht auf Gleichberechtigung wird in dieser Erzählung von etwas, das es durchzusetzen gilt, zu etwas das dazu dient den „anderen“ ihr Recht auf ein Leben in Österreich zu nehmen: „Die Grundsätze unserer Kultur sind die Rechte und Pflichten. Das Recht auf Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern begründet auch die Pflicht, die Rechte der Frauen zu respektieren. Wer das nicht will, kann wieder gehen.“ (S. 85, Herv. B.O.). Als wäre Sexismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie etwas, das es nur außerhalb „unserer“ Kultur gäbe. Die Geschichte des Landes und des Kontinents wird reingewaschen, um sich mit den eigenen Anteilen an Gewalt, Ausschluss und Leid nicht beschäftigen zu müssen. Alles Böse kommt von außen. Alles Gute ist Unser.

Man muss es in aller Deutlichkeit aussprechen. Wer heute behauptet, der organisierte politische Islam sei in Österreich eine größere Gefahr als der Rechtsextremismus, dem fehlt jede Verhältnismäßigkeit. Der organisierte Rechtsextremismus steht durch seine Partei, die FPÖ, unmittelbar vor der Übernahme der Regierungsmacht. Der „politische Islam“ vom Schlage der AKP oder der Muslimbruderschaft ist ein isoliertes und gesellschaftlich geächtetes Projekt.

Das macht diese Gruppen nicht weniger reaktionär. Es mindert auch nicht das Leid jener, die der Repression durch AKP-Schergen ausgesetzt sind – vor allem kurdische und türkische Oppositionelle, darunter auch selbst Anhänger eines „politischen Islam“ (wie im Fall der Gülen-Bewegung). Doch wer daraus die „größte Gefahr für Österreich“ (S. 76) konstruiert, macht dies nicht aus Sorge um den Schutz der Betroffenen, sondern aus politischem Kalkül.

Dieses politische Kalkül wird von Pilz selbst an anderer Stelle ausgesprochen. Er will mit seiner Liste um die Stimmen von „Protestwählern“ buhlen. Das sind für Pilz alle, die den etablierten Parteien nicht mehr zutrauen, für ihre Sicherheit zu sorgen: „Die Ängste der Protestwähler sind oft diffus. Aber ihre Probleme sind in der Regel konkret. […] Ihre Fragen kreisen um einen einzigen Begriff: Sicherheit. Vor Arbeitslosigkeit; vor Wohnungsnot; vor Schulden und Armut; vor sozialem Abstieg; vor Kriminalität; und vor ‚Fremden’, davor, eine ‚Minderheit’ im eigenen Land zu werden“ (S. 87).

Aus dieser Formulierung lässt sich der strategische Kern des Projekts „Liste Pilz“ ablesen. Ziel ist es, die Stimmen der Unzufriedenen und Verunsicherten zu sammeln. Die Gründe für die Unzufriedenheit werden alle gleichgesetzt. Ob jemand Angst vor Arbeitslosigkeit hat oder vor „Fremden“, vor Wohnungsnot oder davor, „eine Minderheit im eigenen Land zu werden“ ist ihm das Gleiche.

Dabei ist an der Angst vor „Fremden“ überhaupt nichts „konkret.“ Pilz kann oder will nicht unterscheiden zwischen Sorge und Ressentiment. Und er macht zugleich klar, an wen er sich nicht wendet: Jene, die selbst als „Fremde“ wahrgenommen werden, jene, die wissen wie es ist, einer Minderheit anzugehören, haben in seinem Projekt nichts zu suchen.
Ist Pilz ein Rassist?

Ist Peter Pilz also ein Rassist? Die Frage ist falsch gestellt. Rassismus ist kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine Logik, die unsere Gesellschaften durchzieht. Rassismus fasst Menschen zu Gruppen zusammen und weist ihnen unterschiedliche Plätze zu: Arbeitsplätze, Wohnbezirke, Einkommen, Lebenschancen. Er beruht auf einer simplen Operation: Wer gehört dazu und wer nicht? Wer ist selbstverständlich Teil eines „Wir“ und wer muss immer wieder aufs Neue beweisen, dazuzugehören?

In Österreich wird diese Spaltungslinie seit vielen Jahren besonders scharf entlang der Linie „Islam“ gezogen. MuslimInnen sind nicht erst seit der Flüchtlingsbewegung von 2015 mit einer Kultur des Misstrauens konfrontiert, sind Ziel rassistischer Kampagnen und alltäglicher Gewalt. Doch zum Rassismus gegen MuslimInnen hat Peter Pilz in seinem gesamten Buch nur drei Sätze zu sagen: „Manche Kritiker des politischen Islam glauben, sich gegenüber dem Vorwurf der ‚Islamophobie’ rechtfertigen zu müssen. Ich finde ihn lächerlich. Und nicht mehr“ (S. 85). Das ist beschämend – und vielsagend.

Peter Pilz ruft in seinem Buch ganz bewusst Figuren auf, die von der rassistischen Rechten mobilisiert werden – „der arbeitsscheue Flüchtling“ (S. 84)., „der vergewaltigende Ausländer“ (S. 101) – um damit seine Geschichte vom bedrohten Österreich zu bevölkern.

Der politische Islam ist bei Pilz "der zweite Feind" der "Heimat Europa", die Pilz durch "Heimat von Menschenrechten und Bürgerrechten" definiert. An erster Stelle droht Gefahr von der nationalistischen Rechten (z. B. Seite 14 f.) Also stimmt auch die Behuptung nicht, es ginge nicht und nirgens um Rechtsextremismus. Aber die Rezension ist wohl nicht als politikwissenschaftlicher Beitrag zu sehen, sondern als kulturwissenschaftlich spannendes Beispiel für den Diskurs unter Linken, welche Themen man ansprechen darf und welche nicht. Und diese Rezension beweist, dass (muslimische) KritikerInnen schon recht haben, wenn sie sich von der Linken allein gelassen fühlen. Huhuuuu, eine Beschäftigung mit der Rechten, sobald es Muslime sind, könnte ja als Rassismus ausgelegt werden. Dann schon lieber einem Abgeordneten vorwerfen, er würde die "rassistische Spaltung unserer Gesellschaft" bestärken und vertiefen, weil er in einem Buch vor allem Aspekte der extremen Rechten behandelt, die sich auf den politischen Islamismus berufen, ...
rechts:diskurs  pilz  heimat 
7 weeks ago by MicrowebOrg
!! Der Heimatbegriff im Wandel - Heimat ist die Utopie einer Zukunft für alle 
Das Resultat heißt: Erfolg der Populisten. Diese beschwören eine Welt, die es in dieser Form nie gegeben hat: ein perfektes Haus der Zugehörigkeit, eine „Heimat“ eben, die allen, nicht nur den Besitzenden gehört und aus der nicht viele automatisch ausgeschlossen sind, eine Welt ohne Fremde, ohne einschneidende Veränderungen, mit klar definierter Zugehörigkeit. Die Maßnahmen, die die Populisten vorschlagen, um dies zu erreichen, werden nicht funktionieren. Die Mauern, Zäune und Ausschlüsse halten die Entwicklung genau so wenig auf wie das Anzünden von Fabriken im 19. Jahrhundert die Industrialisierung aufgehalten hat. Denn es geht nicht um Globalisierung oder Heimat, genau so wenig wie es im 19. Jahrhundert. um Industrialisierung oder Heimat ging, es geht darum, auch unter der Ägide der Globalisierung eine Heimat zu finden. Denn Heimat ist nicht vergangene Idylle, sondern Utopie, die Utopie einer Zukunft für alle.

Zur Zeit ist Heimat ein Hype. Dieser Hype hat mit Globalisierung zu tun, und diese wiederum mit gefühltem Verlust. Nicht, dass es uns schlecht gehen würde, aber ein grosser Teil der Bevölkerung hat in den letzten Jahren keinen Fortschritt verspürt, während eine kleine Minderheit abhebt und zugleich andere Teile der Welt sich schnell entwickeln. Die Menschen der westlichen Welt spüren, dass die Globalisierung nicht für sie läuft, vielleicht sogar eher gegen sie, da es um eine Neuverteilung des globalen Wohlstandes geht. Deshalb wenden sich viele gegen die damit verbundenen Entwicklungen, wollen zurück in eine Welt, in der es für alle aufwärts ging. Dieses Zurück nennen sie Heimat.

Daher waren schon immer viele Menschen mobil und heimatlos, verdienten ihren Lebensunterhalt umherziehend, als Bettler, Wanderhändlerin oder Söldner. Je mehr Menschen im 19. Jahrhundert mit der zunehmenden Industrialisierung aus ihrer Heimat wegzogen, umso intensiver wurde die Heimat, nun verstanden als Ort der Herkunft, der Vertrautheit, der Idylle, sentimental beschrieben und besungen. Der entstehende Nationalstaat machte sich dieses Gefühl zunutze, um die Gemeinschaft der in ihm Lebenden zu stärken, indem er sich als neue Heimat anbot, grösser und abstrakter zwar als die kleine Heimat, aber doch verbunden etwa durch gemeinsame Sprache, vertraute Verhaltensweisen, das Beschwören einer gemeinsamen Geschichte und Kultur. Heimat wurde auf diese Weise zu einer abstrakten Dimension. Benedict Anderson spricht von der imagined community, der «vorgestellten Gemeinschaft», die eine Nation darstelle. Man kennt sich zwar nicht mehr, die Menge ist unüberschaubar geworden, aber dennoch fühlt man sich in ihr daheim, sieht sich als Teil von etwas Größerem.

Die Vertrautheit der Heimat ist aber auch eine zeitliche. Heimat steht oft für die Jahre der Kindheit, der Unbeschwertheit, für eine Zeit, an die Erwachsene sehnsüchtig zurückdenken, weil ihnen das Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit häufig abhandenkommt. Auch die raschen Veränderungen der Umgebung durch Modernisierungsprozesse aller Art, durch Abriss, Um- und Neubau sowohl der materiellen Umgebung wie auch der Strukturen und Institutionen führen zu einem Vertrautheitsschwund, wie Hermann Lübbe das genannt hat.

Teil dieses Vertrautheitsschwundes ist weiter die Auseinandersetzung mit dem Fremden und den Fremden. Gemeint sind Menschen und kulturelle Verhaltensweisen, die traditionell nicht dazugehören. Das Merkwürdige daran ist allerdings die Tatsache, dass sich die Grenzen des «Vertrauten» und des «Fremden» ständig verschieben. Was gestern noch fremd war, ist heute vertraut, sogar Lebensstil-Vorbild, etwa die mediterrane Lebensweise, angefangen bei der italienischen Küche über die Ferien im sommerlichen Spanien bis zum Traum vom Haus in der Toskana.

Auch Normen und Werte müssen in diesem Prozess des Vertrautheitsschwundes diskutiert und neu ausgehandelt werden. Vieles ist heute selbstverständlich, was eben noch heftig umstritten war. Man denke etwa an die Gleichstellung der Geschlechter, die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen oder den Schwund der Machtposition der Kirche, welche die Gesellschaft in wenigen Jahrzehnten fundamental verändert haben – auch ohne die vielbeschworenen Einflüsse durch Migrantinnen und Migranten.

Passieren aber zu viele Änderungen zu schnell, verlieren viele Menschen den Boden unter den Füssen, sie werden angeblich «entwurzelt», eine seltsame Metapher bei einem Lebewesen mit zwei Beinen. Insbesondere Migrantinnen und Migranten kennen dieses Gefühl bestens. Aus der Auseinandersetzung zwischen alter Heimat und neuem Lebensmittelpunkt ergibt sich für sie oft eine Konstellation der Zerrissenheit zwischen den Wertvorstellungen und kulturellen Erwartungen von «hier» und von «dort». Häufig sehnen sie sich nach einem Leben in der geliebten alten Heimat. Ziehen sie dann hin, etwa im Rentenalter, stellen sie aber mit Schrecken fest, dass ihnen die Heimat fremd geworden ist. Sie hat sich verändert, denn Gesellschaften verändern sich trotz aller Beschwörung der Tradition unaufhaltsam.
heimat  rechts  migration  toread 
june 2017 by MicrowebOrg
Politische Mythologie: Im Geisterreich des Völkischen | ZEIT ONLINE
Das Gefährliche an Rechtspopulisten ist nicht bloß ihr eigenwilliger Umgang mit Fakten. Es ist ihre Sehnsucht nach einer politischen Mythologie.
ZEIT  neue_rechte  heimat  identität  völkisches_denken  völkisch 
april 2017 by anne_joan
Andreas | Rhein-Center
Last Easter Shopping before (@ Rhein-Center in Köln, Nordrhein-Westfalen)
Heimat  from twitter
april 2017 by ndCooper
www.sueddeutsche.de
Unser örtlicher Korrespondent erklärt, worauf sich Neu-Studenten in Franken einstellen müssen. Er versucht es zumindest. Ja, wie ist er denn jetzt, der Franke? Ein Exil-Münchner hat kürzlich versucht, das auf einen Nenner zu bringen. via Pocket
IFTTT  Pocket  franken  heimat  refind 
january 2017 by hansdorsch
Twitter
People. This is the total immersion in German (movie) history: is now on Netflix. All 53 hours of it.
Heimat  from twitter_favs
december 2016 by joha04
The History of Revolving Restaurants - Lucky Peach
Die Geschichte des sich drehenden Restaurants beginnt natürlich in...
Dortmund.
heimat  from twitter
june 2016 by grzbielok

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